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- H1: Hesebeck Home Company: Investieren in Krisenzeiten
Mitten im größten Abschwung im Möbel- und Küchenmarkt seit vielen Jahren hat die Möbel-Familie Langbehn 7 Mio Euro in die Hand genommen und in ihre Hesebeck Home Company in Henstedt-Ulzburg investiert. Wo zuvor 40 Jahre lang ein Discountmarkt stand, ist nicht nur ein neuer Logistikbereich entstanden. In diesen Tagen und Wochen wird hier auf 3.500 qm auch die neue Küchenwelt eröffnet, in der 90 Ausstellungsküchen Platz finden.
Insgesamt hat das 135 Jahre alte Unternehmen nun gut 10.000 qm VK-Fläche. Stefan Langbehn, der den norddeutschen EMV-Händler in fünfter Generation führt, beantwortet im INSIDE-Gespräch eine Frage, die auf der Hand liegt: „Jetzt, wo es abwärtsgeht, erstmals auch im Überfliegermarkt mit Küchen, bereuen Sie die Investition?“ Um eins vorwegzunehmen: Nein. Stefan Langbehn bereut den Entschluss nicht, auch wenn die Marktlage nun eine andere ist als in dem guten Möbeljahr, als er gefasst wurde. ___STEADY_PAYWALL___
Langbehn hat bereits weitere Pläne. Es folgt der Innenausbau des Haupthauses, und 2024 soll noch ein Outdoor- Bereich hinzukommen. Das Vorhaben, groß in den Küchenbereich zu investieren, wurde auch beibehalten, als sich schon abzeichnete, dass die Zeiten schlechter werden. „Die Geschäfte liefen gut in den letzten Jahren. Das hat uns keine Sorgen gemacht. Schlaflose Nächte bereitet haben uns eher die Steine, die uns in den Weg gelegt wurden“, sagt Langbehn. Material- und Baukosten stiegen, dann auch noch die Zinsen für die benötigte Finanzierung. Kalt erwischt habe ihn dann, dass eingeplante staatliche Zuschüsse für den Neubau kurzfristig gekappt wurden. 0,5 Mio Euro fehlten plötzlich im Finanzierungsplan. Am Ende hat es geklappt. Seit letzter Woche und noch bis Ende Juni läuft die Eröffnung der neuen Küchenwelt, mit der man sich im Rahmen eines Soft Openings Zeit lässt. Zunächst werden Stammkunden eingeladen, demnächst dann auch die Küchen in die reguläre Werbung aufgenommen.
Das Haupthaus ist mit dem Küchenmarkt zwar über einen neuen Eingangsbereich verbunden. Langbehns Ziel ist es aber auch, als Hesebeck Küchenwelt wahrgenommen zu werden und darüber nochmal eine andere Klientel anzusprechen als den Möbelhauskunden. Das Obergeschoss des Haupthauses, wo bislang die Küchenabteilung ihren Platz hatte, soll im Sommer zu einer Präsentation hochwertiger Möbelmarken von WK Wohnen bis Team 7 umgebaut werden. Aus dem SB/JuWo-Bereich hat der EMV-Händler sich nun komplett verabschiedet. „Für uns als Mittelständler und Nicht-Filialist wurde es in den letzten Jahren immer schwieriger, dieses Segment zu bedienen. Der Konsumeinbruch nach dem Ukraine-Krieg hat den Trend noch verstärkt“, so Langbehn.
Das Angebot soll nun insgesamt wertiger werden, auch im Küchenbereich. Dort sind zu Global und Next125 von Schüller und der von Nobilia gefertigten Europa Möbel- Collection nun Team 7 und Decker als Holz-Lieferanten hinzugekommen.
Die Massivholzkompetenz passt zum Image, findet Langbehn, der bei Bauweise und Gestaltung des neuen Küchenhauses Wert auf Nachhaltigkeit gelegt hat. Photovoltaik- Anlage und Blockheizkraftwerk gehören ebenso zur Ausstattung wie eine Luftwärmerückgewinnung. Das Haus kühlt sich bei Hitze selbst, was im Sommer auch fürs Personal eine Erleichterung ist. Überhaupt spielt das Personal bei Hesebeck eine große Rolle. „Vom Verkauf bis zur Reinigung beschäftigen wir eigene Leute“, sagt Langbehn. Unter den knapp 65 Mitarbeitern sind 16 eigene Tischler. Die Fluktuation ist gering, das Wir-Gefühl groß. Damit das so bleibt, war im Laufe des Projekts viel Kommunikation nötig. Langbehn: „Es gab viele Infoveranstaltungen, wir haben immer wieder geredet, jedem einzelnen ein Jobangebot gemacht. Wir mussten die Mitarbeiter mitnehmen bei dem Entschluss, den SB-Bereich aufzugeben. Einige hatten schon Sorge, dass wir nicht mehr so ein kleines, gemütliches Unternehmen bleiben.“
In der Tat will Langbehn in der neuen Konstellation und mit der neuen Wertigkeit auch überregional werben. Der Standort, 30 Kilometer nördlich von Hamburg, hat das Potenzial dafür. Zwischen 4 und 5 Prozent des Umsatzes, der 2022 (ohne SB) 14 Mio Euro erreicht hat, investiert Hesebeck traditionell in Marketing. Der nächste Wettbewerber sitzt in 5 Kilometer Entfernung: XXXLutz Dodenhof. Auch Möbel Kraft in Bad Segeberg und die Wohnmeile Halstenbek gehören zur Konkurrenz, außerdem Küchen Aktuell und in direkter Nähe viele gute kleine Küchenstudios. Letztere seien im Küchenbereich in den letzten Jahren der Hauptwettbewerb gewesen, weil sie einfach einen besseren Job gemacht hätten als mancher Große.
Langbehn sieht sich im Küchenbereich mit der neuen Ausstellung ein großes Stück weiter. „Die Art der Küchenpräsentation, die wir umgesetzt haben – so etwas gibt es im Norden kaum“, sagt er. Die Ausstellung unterteilt sich in verschiedene Themenwelten, darunter ein großer Landhausbereich und einer für Hauswirtschaftsräume und Trennsysteme. „Diesem Thema konnten wir zuvor nicht die Bedeutung zukommen lassen, die es inzwischen hat. Der Hauswirtschaftsraum wird immer wichtiger, weil Neubauten oft keine Keller mehr haben“, erklärt Stefan Langbehn. Ein weiterer Bereich für Möbel aus Küchen zeigt die Lösungen der verschiedenen Küchenbauer für Segmente außerhalb der Küche. Und auch an diejenigen Kunden, die ihre Wohnmöbel nach wie vor lieber vom Wohnmöbelhersteller produzieren lassen, ist gedacht. „Unsere Küchenberater arbeiten mit den Einrichtungsberatern Hand in Hand. Die Möbelverkäufer haben auch einen Arbeitsplatz in der Küchenwelt. Da haben wir einen großen Vorteil“, so Langbehn. Weitere Besonderheiten sind ein mit Trickpark Media gemeinsam umgesetzter VR-Raum, in dem die Kunden die Küchenplanungen dann im eigenen Zuhause erleben können, ein Bereich Ferienwohnung mit Küche und Möbeln, ein Tinyhouse, ein Smart-Home-Bereich und einer für Massivholzküchen.
„Wer in der Krise investiert, wird nach der Krise profitieren”, sagt Stefan Langbehn zum Abschluss.
Bald wird für J.Gast auch eine eigene Gesellschaft gegründet. Es wäre die dritte für das Petri-Petzold-Duo, nach der ursprünglichen Holzrausch GmbH für die Ausführung und der Holzrausch Planung GmbH für die Innenarchitektur. Noch läuft das Geschäft ganz ohne fremde Investoren, auch wenn immer wieder Interessenten anklopfen.
Anders als die Küchen von Holzrausch, die, so Petzold, preislich im oberen Bereich liegen, sind die J.Gast-Küchen für das „obere Mittelfeld“ gedacht. Je nach Stückzahl und Ausstattung ist auch eine Skalierbarkeit nach unten möglich. Die Preisrange für das reine Möbelstück beginnt bei 25.000 bis 30.000 Euro, nach oben offen. Küchen für 130.000 oder 140.000 Euro liegen durchaus noch im Bereich des Normalen.