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INSIDE Küche

  • Schlagzeile: Investieren in Krisenzeiten
  • H1: Hesebeck Home Company: Investieren in Krisenzeiten

Mitten im größten Abschwung im Möbel- und Küchenmarkt seit vielen Jahren hat die Möbel-Familie Langbehn 7 Mio Euro in die Hand genommen und in ihre Hesebeck Home Company in Henstedt-Ulzburg investiert. Wo zuvor 40 Jahre lang ein Discountmarkt stand, ist nicht nur ein neuer Logistikbereich entstanden. In diesen Tagen und Wochen wird hier auf 3.500 qm auch die neue Küchenwelt eröffnet, in der 90 Ausstellungsküchen Platz finden.

Insgesamt hat das 135 Jahre alte Unternehmen nun gut 10.000 qm VK-Fläche. Stefan Langbehn, der den norddeutschen EMV-Händler in fünfter Generation führt, beantwortet im INSIDE-Gespräch eine Frage, die auf der Hand liegt: „Jetzt, wo es abwärtsgeht, erstmals auch im Überfliegermarkt mit Küchen, bereuen Sie die Investition?“ Um eins vorwegzunehmen: Nein. Stefan Langbehn bereut den Entschluss nicht, auch wenn die Marktlage nun eine andere ist als in dem guten Möbeljahr, als er gefasst wurde. ___STEADY_PAYWALL___

Langbehn hat bereits weitere Pläne. Es folgt der Innenausbau des Haupthauses, und 2024 soll noch ein Outdoor- Bereich hinzukommen. Das Vorhaben, groß in den Küchenbereich zu investieren, wurde auch beibehalten, als sich schon abzeichnete, dass die Zeiten schlechter werden. „Die Geschäfte liefen gut in den letzten Jahren. Das hat uns keine Sorgen gemacht. Schlaflose Nächte bereitet haben uns eher die Steine, die uns in den Weg gelegt wurden“, sagt Langbehn. Material- und Baukosten stiegen, dann auch noch die Zinsen für die benötigte Finanzierung. Kalt erwischt habe ihn dann, dass eingeplante staatliche Zuschüsse für den Neubau kurzfristig gekappt wurden. 0,5 Mio Euro fehlten plötzlich im Finanzierungsplan. Am Ende hat es geklappt. Seit letzter Woche und noch bis Ende Juni läuft die Eröffnung der neuen Küchenwelt, mit der man sich im Rahmen eines Soft Openings Zeit lässt. Zunächst werden Stammkunden eingeladen, demnächst dann auch die Küchen in die reguläre Werbung aufgenommen.

Das Haupthaus ist mit dem Küchenmarkt zwar über einen neuen Eingangsbereich verbunden. Langbehns Ziel ist es aber auch, als Hesebeck Küchenwelt wahrgenommen zu werden und darüber nochmal eine andere Klientel anzusprechen als den Möbelhauskunden. Das Obergeschoss des Haupthauses, wo bislang die Küchenabteilung ihren Platz hatte, soll im Sommer zu einer Präsentation hochwertiger Möbelmarken von WK Wohnen bis Team 7 umgebaut werden. Aus dem SB/JuWo-Bereich hat der EMV-Händler sich nun komplett verabschiedet. „Für uns als Mittelständler und Nicht-Filialist wurde es in den letzten Jahren immer schwieriger, dieses Segment zu bedienen. Der Konsumeinbruch nach dem Ukraine-Krieg hat den Trend noch verstärkt“, so Langbehn.

Das Angebot soll nun insgesamt wertiger werden, auch im Küchenbereich. Dort sind zu Global und Next125 von Schüller und der von Nobilia gefertigten Europa Möbel- Collection nun Team 7 und Decker als Holz-Lieferanten hinzugekommen.

Die Massivholzkompetenz passt zum Image, findet Langbehn, der bei Bauweise und Gestaltung des neuen Küchenhauses Wert auf Nachhaltigkeit gelegt hat. Photovoltaik- Anlage und Blockheizkraftwerk gehören ebenso zur Ausstattung wie eine Luftwärmerückgewinnung. Das Haus kühlt sich bei Hitze selbst, was im Sommer auch fürs Personal eine Erleichterung ist. Überhaupt spielt das Personal bei Hesebeck eine große Rolle. „Vom Verkauf bis zur Reinigung beschäftigen wir eigene Leute“, sagt Langbehn. Unter den knapp 65 Mitarbeitern sind 16 eigene Tischler. Die Fluktuation ist gering, das Wir-Gefühl groß. Damit das so bleibt, war im Laufe des Projekts viel Kommunikation nötig. Langbehn: „Es gab viele Infoveranstaltungen, wir haben immer wieder geredet, jedem einzelnen ein Jobangebot gemacht. Wir mussten die Mitarbeiter mitnehmen bei dem Entschluss, den SB-Bereich aufzugeben. Einige hatten schon Sorge, dass wir nicht mehr so ein kleines, gemütliches Unternehmen bleiben.“

In der Tat will Langbehn in der neuen Konstellation und mit der neuen Wertigkeit auch überregional werben. Der Standort, 30 Kilometer nördlich von Hamburg, hat das Potenzial dafür. Zwischen 4 und 5 Prozent des Umsatzes, der 2022 (ohne SB) 14 Mio Euro erreicht hat, investiert Hesebeck traditionell in Marketing. Der nächste Wettbewerber sitzt in 5 Kilometer Entfernung: XXXLutz Dodenhof. Auch Möbel Kraft in Bad Segeberg und die Wohnmeile Halstenbek gehören zur Konkurrenz, außerdem Küchen Aktuell und in direkter Nähe viele gute kleine Küchenstudios. Letztere seien im Küchenbereich in den letzten Jahren der Hauptwettbewerb gewesen, weil sie einfach einen besseren Job gemacht hätten als mancher Große.

Langbehn sieht sich im Küchenbereich mit der neuen Ausstellung ein großes Stück weiter. „Die Art der Küchenpräsentation, die wir umgesetzt haben – so etwas gibt es im Norden kaum“, sagt er. Die Ausstellung unterteilt sich in verschiedene Themenwelten, darunter ein großer Landhausbereich und einer für Hauswirtschaftsräume und Trennsysteme. „Diesem Thema konnten wir zuvor nicht die Bedeutung zukommen lassen, die es inzwischen hat. Der Hauswirtschaftsraum wird immer wichtiger, weil Neubauten oft keine Keller mehr haben“, erklärt Stefan Langbehn. Ein weiterer Bereich für Möbel aus Küchen zeigt die Lösungen der verschiedenen Küchenbauer für Segmente außerhalb der Küche. Und auch an diejenigen Kunden, die ihre Wohnmöbel nach wie vor lieber vom Wohnmöbelhersteller produzieren lassen, ist gedacht. „Unsere Küchenberater arbeiten mit den Einrichtungsberatern Hand in Hand. Die Möbelverkäufer haben auch einen Arbeitsplatz in der Küchenwelt. Da haben wir einen großen Vorteil“, so Langbehn. Weitere Besonderheiten sind ein mit Trickpark Media gemeinsam umgesetzter VR-Raum, in dem die Kunden die Küchenplanungen dann im eigenen Zuhause erleben können, ein Bereich Ferienwohnung mit Küche und Möbeln, ein Tinyhouse, ein Smart-Home-Bereich und einer für Massivholzküchen.

„Wer in der Krise investiert, wird nach der Krise profitieren”, sagt Stefan Langbehn zum Abschluss.

  • Schlagzeile: Mehr Küchen-Kuchen

Rund 100 km vom Stammsitz Bietigheim entfernt hat EMV-Händler Hofmeister gerade seinen neunten reinen Küchenstandort eröffnet. In der Immobilie des 1.500 qm großen neuen Küchenfachmarkts war zuvor ein Textilmarkt angesiedelt. Ein etablierter Möbel- und Küchenhändler befindet sich mit dem VME-Haus Möbel Gunst auf der gegenüberliegenden Straßenseite in dem Gewerbegebiet.

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  • Schlagzeile: Statement mit neuem Studio
  • H1: Statement mit neuem Studio

Küchen mal komplett anders denken, es geht. Holzrausch macht es mit J.Gast vor. Mit der Eröffnung eines 900 qm großen Studios im Münchner Glockenbachviertel rückt das Konzept jetzt auch deutlich stärker in den Fokus der Öffentlichkeit.

Jeder Boom hat auch seine Kehrseite. Erfolgsverwöhnt schaut man mit einer gewissen Selbstzufriedenheit auf die steigenden Zahlen, fühlt sich in seinem Weg bestätigt und denkt gar nicht daran, Dinge zu verbessern, das eigene Business infrage zu stellen oder gar Neues zu erfinden. Dieses bekannte Erfolgsproblem, es könnte auch in der wachstumsverwöhnten Küchenhersteller-Szene Effekte haben. Zumindest waren grundsätzlich neue Arten der Küchenkonstruktion in den vergangenen Jahren eher selten zu finden. Aber es gibt Ausnahmen.

Holzrausch mit seiner Küchenmarke J.Gast ist so eine. Bislang flog das bayrische Unternehmen weit unterhalb des Radars, auch wenn der eine oder andere in der Branche schon die Ohren gespitzt hat, wenn von Tobias Petri und Sven Petzold die Rede war. Die zwei Holzrausch-Inhaber haben sich vor rund vier Jahren ein Patent für eine Systemküche gesichert, deren Konzept aus vielen Freitagnachmittagsgesprächen mit den Produktdesignern Jan Heinzelmann, Ana Relvão und Gerhardt Kellermann entstanden ist. Aus den Vornamen des Quintetts setzt sich denn auch der Name der Marke zusammen. Rund fünf Jahre wurde an J-Gast getüftelt. Das Ergebnis: eine Küche, deren Basis ein gestecktes Rahmensystem bildet. Damit wird der Anteil der Bauteile um rund die Hälfte reduziert, was das System nicht nur deutlich effizienter im Bezug auf Fertigung, Lieferung und Montage im Gegensatz zum herkömmlichen Küchen-Möbelbau macht, sondern nebenbei noch Ressourcen schont.

Holzrausch aussenBald wird für J.Gast auch eine eigene Gesellschaft gegründet. Es wäre die dritte für das Petri-Petzold-Duo, nach der ursprünglichen Holzrausch GmbH für die Ausführung und der Holzrausch Planung GmbH für die Innenarchitektur. Noch läuft das Geschäft ganz ohne fremde Investoren, auch wenn immer wieder Interessenten anklopfen.

Jetzt haben die Macher von J.Gast einen wichtigen, großen Schritt nach vorne gemacht. Seit September sind die Türen zum neuen Studio in der Münchner Blumenstraße 17 geöffnet. 900 qm groß, auf zwei Stockwerke aufgeteilt, dank großer Fensterfront gut von der stark befahrenen Straße einsehbar, zählen die Räumlichkeiten zu den Top-Flächen in der Isarmetropole. Vorher hatte hier Tesla seinen Store und davor Das Magazin, ein Geschäft für Hochwertmöbel und Accessoires. Andere Optionen vorhanden und nach einigen Jahren der Suche war die Entscheidung gefallen, den nächsten Schritt zu tun und im alten Holzrausch-Barrio eine neue Idee entstehen zu lassen. Ein offizielles Opening für das Studio in der Blumenstraße soll – nach einigen Feinjustierungen bei der Raumgestaltung – noch folgen, möglicherweise auch erst Anfang des kommenden Jahres. Der Studio ist eben auch ein Holzrausch-Projekt, das erst fertig ist, wenn jedes Detail passt: Vom offenfugigen Boden aus Muschelkalk mit Kratzschliff bis zum Lichtobjekt eines befreunden Glaskünstlers. „Wir sind hier selber unsere Kunden, und wenn wir es selber machen, dann wird`s kompliziert“, sagt Sven Petzold. „Alles, was man hier sieht, ist Holzrausch – eine Idee, wie wir Raum gestalten würden.“___STEADY_PAYWALL___

Gezeigt werden im Schaufenster, neben der J.Gast-Rahmenkonstruktion, unter anderem Produkte, genannt Editionen, die in den Projekten in Zusammenarbeit mit Designern und Kreativen entstanden sind, beispielsweise ein neues Lichtschienensystem vom Office Heinzelmann Ayadi (OHA) oder Stühle und Sofas von Klaus Lichtenegger. Im Zuge der Neueröffnung haben Corporate Identity und Webseite einen frischen Look in Zusammenarbeit mit einer Kölner Agentur erhalten. Gleichzeitig läuft das Projektgeschäft mit J.Gast gut an, gerade wurde für einen Bauträger ein Projekt mit etwas mehr als 20 Küchen umgesetzt. Heißt auch: Privatkundengeschäft und Projektgeschäft sollen künftig Hand in Hand gehen. Für beides, so Petzold, bietet sich die J.Gast-Küche an.

Petzold Sven Holzrausch 1Anders als die Küchen von Holzrausch, die, so Petzold, preislich im oberen Bereich liegen, sind die J.Gast-Küchen für das „obere Mittelfeld“ gedacht. Je nach Stückzahl und Ausstattung ist auch eine Skalierbarkeit nach unten möglich. Die Preisrange für das reine Möbelstück beginnt bei 25.000 bis 30.000 Euro, nach oben offen. Küchen für 130.000 oder 140.000 Euro liegen durchaus noch im Bereich des Normalen.

„Wir haben hier ein superflexibles System, das sich in jedem innenarchitektonischen Umfeld spielen lässt – sowohl bei Bestands- als auch bei Neuplanungen“, sagt Petzold. „Gestalterisch können wir auf jeden Raum reagieren.“ Das Frontenspektrum wurde bewusst reduziert, rund zehn Farben stehen zur Verfügung, die sich in unterschiedlicher Weise kombinieren lassen. Bei Lackierungen kommt immer Esche zum Einsatz, bei Naturholz Eiche.

Ein Raster gibt es im eigentlichen Sinne nicht, die Küchen werden frei in den Raum integriert, passgenau an die räumlichen Verhältnisse angepasst, ohne Blenden, ohne Passstücke, um Lücken zu füllen. „Es gibt einen total klaren Umgang mit Konstruktion“, sagt Petzold, „das Rahmenprinzip bleibt bewusst, auch bei der fertigen Küche, sichtbar. Damit ist der Rahmen ein konstruktives und gestalterisches Element zugleich.“

Von der ursprünglichen Vertriebsidee für J.Gast, möglichst bald mit dem Aufbau von Monobrand-Stores zu beginnen, haben sich Petzold und Petri wieder etwas entfernt. „Wir wollen mit unserem Studio hier in München einfach mal anfangen“, sagt Petri. Genauso liegt ein virtueller Showroom nicht mehr so im Fokus, da das Produkt – das ist auch Teil eines Holzrausch-Lernprozesses – doch zu komplex ist, um es digital adäquat oder gar in einem Konfigurator abzubilden. Petzold: „Man muss unsere Küchen live sehen und anfassen. Dafür ist unser neues Studio in München der beste Ort.“
Holzrausch CI

Ifa

  • Schlagzeile: Ein Besuch auf der Leitmesse
  • H1: Hausgeräte auf der Ifa in Berlin
Die IFA hat sich zurückgemeldet, durchaus beeindruckend. Getragen von den großen Gerätemarken Siemens, Miele, Bosch, Haier, Electrolux oder Samsung zog die Messe ihr Publikum an. Es kamen dennoch deutlich weniger Besucher als vor Beginn der Pandemie. Und die Messe Berlin muss sich strecken, nicht nur wegen ihrem unterirdischen Stress im Vorfeld, wenn sie IFA-Lenker wie BSH-Vertriebschef Volker Klodwig oder Miele-Inhaber Dr. Reinhard Zinkann wieder ins Boot holen will.

Wenn die Fantastischen Vier auf einer Messe ein Konzert geben, bei dem es zugeht wie im Olympiastadion, oder wenn Sally ihre Massen anlockt, die dann Schlange stehen bis auf die Stände des Wettbewerbs, dann kann eine Messe nicht viel falsch gemacht haben. Möchte man meinen. Blöd nur in diesem Fall, dass die beiden Beispiele für Megaandrang in den doch in die Jahre gekommenen Hallen der Messe Berlin wenig bis gar nichts mit den Aktivitäten eben jener Messe Berlin rund um ihre IFA zu tun hatten Anfang September.

Liebherr-Trio in der Haupstadt: Michael Haiminger, Martin Ludwig, Jochen Roth

Bosch hatte gerufen – und die Gäste kamen. Die Fantastischen Vier gaben ihr Gastspiel zum Auftakt der neuen Bosch-Kampagne live und mit voller Dröhnung am Freitagabend auf der Bosch-Bühne. Über 1.000 Zuschauer. Und Sally, ja, Sally ist eben Sally. Über 2 Mio Abonnenten – von jung bis alt. Am Messesamstag blockierten ihre Fans die Gänge. „Für uns war im Vorfeld klar: Wenn wir die IFA machen, dann nur richtig.“ BSH-Vorstand Matthias Ginthum hatte die Parole nicht nur im Vorfeld so ausgegeben, sondern war auch selbst schwer gefordert in langen Berlin-Tagen. Ihre Schwerpunkte setzten Bosch und Siemens im Einbausegment auf der IFA, hatten ihre Händler eingeladen und gaben auf insgesamt 6.000 qm BSH-Fläche mächtig Gas. Darüber konnte sich dann sogar Hallennachbar Miele freuen. Miele-Vertriebschef Frank Jüttner: „Unsere IFA-Gäste kommen in der Regel zu 90 Prozent aus dem Elektrohandel. In diesem Jahr dürfte die Quote der Besucher aus dem Küchen- und Möbelfachhandel dank der Aktivitäten der Kollegen etwas höher liegen.“ Bei aller Freude darüber: Miele zählte insgesamt um 20 bis 25 Prozent weniger Besucher auf der IFA als zu Vor-Corona-Zeiten.

Besuch beim ehemaligen Kollegen: Smeg-Chef Olaf Nedorn bei Siemens-Boss Michael Mehnert

Beim Marktführer BSH bekam man so eine Zahl zwar nicht zu hören. Die neue gekoppelte Catering-Area für Siemens und Bosch war proppenvoll, quasi rund um die Uhr. Doch von Besucherrekorden hörte man beim Marktführer aus München dann auch nichts. Wie auch in diesen Tagen.

Neff und Gaggenau waren gar nicht da, die Tochter bereitet sich gerade für einen neuen Aufschlag im nächsten Frühjahr vor. Dafür zog die neue BSH-Marke Solitaire, die vertriebssei-tig von Neff gemanagt wird. Solitaire-Chefin Annette Hollemann war im Dauereinsatz am Wasserhahn. Auch BSH-Vorstand Ginthum und Vertriebschef Volker Klodwig waren über Tage schwer beschäftigt. Klodwig, Aufsichtsratschef des IFA-Veranstalters Gfu, zudem noch hinter den Kulissen. Denn das Gemurre über das Messemanagement der Berliner, es war doch sehr laut zu hören. Und auf den Toiletten leider auch zu sehen. Falls es am Kostensparen gelegen haben sollte, dann war das jedenfalls keine gute Idee. Der Zustand auf den Toiletten der IFA, er war ein großes Thema in den Gängen. Und man konnte schon froh sein, wenn man sich zum Lager der IFA-Fans zählt, dass es die IFA-Toiletten nicht auch noch bis in die FAZ geschafft haben, die nach ihrem Messebesuch titelte: „Ist die IFA noch zu retten?“ Dem FAZ-Reporter kam die Schlagzeile zwar wegen der Vorgänge der vergangenen Wochen und weniger aufgrund der Performance der IFA selbst in den Sinn. Doch es bleibt natürlich was hängen. Und das gefällt Ausstellern nicht, die Millionen und Abermillionen für ihre Leitmesse ausgeben.

Darüber regten sich dann auch viele ziemlich auf, auch viele Großkunden aus dem Küchen- und Möbelhandel, die vorwiegend am Messemontag in Berlin weilten. Denn klar ist auch: Eine weitere Messe kaputtzureden, das hilft am Standort Deutschland am Ende sicher niemandem wirklich weiter. Die Kritik an der Messe Berlin, sie ist jedenfalls unüberhörbar. Dr. Reinhard Zinkann sagte etwa: „Wenn ich hier durch die Stadt gehe, dann muss ich mir schon viel Mühe geben, um verbunden werden können, auch praktisch. In den Vorankündigungen tauchte dieses Thema nicht auf. Wie kürzlich berichtet, wird Ikea in wenigen Wochen seinen ersten Matter-Hub auf den Markt bringen.

Die Sneaker sind weiß und recycelbar: Miele-Boss Dr. Reinhard Zinkann, Frank Jüttner

IoT ermöglicht auch neue Geschäfte. Hier greift Haier eine Idee von Amazon auf. Amazon hatte als Erster versucht, automatisierte Bestellungen an Waschmaschinen und anderen Geräten zu ermöglichen, Amazon Dash hieß der inzwischen eingestellte Service, für den noch kleine IoT-Dash-Buttons an die Maschine geklebt werden mussten.

Haier ist da nun weiter und hat erstmals seinen bereits in anderen Märkten eingeführten Dienst „WashPass“ vorgestellt, ein Abo-Modell, das anstelle des Kaufs einer Waschmaschine tritt. Funktioniert so: Gezahlt wird pro Waschladung, die Waschmaschine kommuniziert mit dem Smartphone des Nutzers. Waschmittel werden automatisch dosiert. In den Maschinen wird ein spezielles eigenes Waschmittel verwendet. Damit soll der Waschvorgang über 70 Prozent effizienter und umweltverträglicher sein, heißt es. In Großbritannien liegt das Pricing des dort bereits 2020 eingeführten Pay-per-Use-Modells bei einer Vorauszahlung von 69 Pfund, einer fixen Monatsgebühr von 6,90 Pfund plus 80 Pence pro Waschgang. Kunden erhalten dafür eine Waschmaschine mit 9-kg-Trommel mit WLAN-Verbindung (Normalpreis: über 500 Pfund). Die Wartung sowie das Waschmittel sind inbegriffen. Es wird spannend sein zu sehen, ob und wie sich dieses Modell in Deutschland durch-setzen kann.

Die IFA war nicht nur aus diesen Gründen eine besondere Messe: Erstmals fand sie wieder als Präsenz-Veranstaltung statt, diesmal an fünf Tagen, in denen mehr als 161.000 Besucher kamen. Im Jahr 2019 hatte die letzte IFA an sechs Tagen noch 245.000 Menschen nach Berlin gezogen. Auch bei den Ausstellern waren jetzt, drei Jahre nach der letzten Veranstaltung, weniger dabei als zuvor: Im Jahr 2022 stellten 1.100 Firmen aus, 2019 waren es 1.900. Der Wegfall vieler Firmen vor allem aus Asien, die dieses Jahr nicht nach Berlin gekommen waren, führte dazu, dass einige Messehallen leer blieben. Etwa 80 Prozent der Hallen wurden laut Messeleitung belegt. Unterm Strich war die Neuauflage also gut bestückt und besucht.

Ob es nach 2023 in Berlin weitergeht, das ist allerdings nach wie vor ungewiss. Andere Messestandorte haben sich längst in Stellung gebracht

  • Schlagzeile: Kürzer im Juni
  • H1: IMM 2023 wird zur Spring-Edition

Es ist raus und fix: Die Kölner Möbelmesse wird im nächsten Jahr im Juni stattfinden, als sogenannte IMM Spring-Edition vom 4. bis 7. Juni.  An diesem Donnerstagvormittag kam der Fachbeirat zusammen, um den Plan, der entsprechend im Vorfeld vorbereitet worden war, abzusegnen. Die für vier Tage angesetzte Spring-Edition hat einen klaren Fokus auf Fachbesucher. Auch die Küchen sollen – zumindest ist das der Plan – eingebunden werden. Eine Living Kitchen wird es in dieser Form aber keine geben. ___STEADY_PAYWALL___

Man wird 2023 - anders als ursprünglich fürs nächste Jahr geplant - die neue Messe erstmal im alten Hallen-Setting angehen. Auch die Innenstadt soll stärker eingebunden werden.

Für 2024 wird dann zudem nicht automatisch wieder der Januar geplant. Der VDM will nun zusammen mit der Messegesellschaft Köln eine „Vision“ für die Zukunft erarbeiten. Konzept und Termin für die IMM der Zukunft sollen nun in Ruhe und in einer offenen Diskussion erarbeitet werden. Mit anderen Worten: Der Januar ist damit gestrichen. Köln wird eher eine Veranstaltung in den wärmeren Monaten des Jahres. Ein Beteiligter zum INSIDE: „Das ist eine Riesenchance.“

  • Schlagzeile: Rekordnachfrage
  • H1: Immobilienscout24: Rekordnachfrage

Immoscount24, Deutschlands größter Onlinemarktplatz für Immobilien, sendet mit seinem jüngsten „Wohnbarometer“ positive Nachrichten für die Einrichtungsbranche aus: Die Nachfrage nach Wohnungen und Häusern zum Kauf hat in deutschen Städten nämlich im vierten Quartal 2024 durch das wieder stabilere Zinsniveau nicht nur angezogen, sondern sogar ihren bisherigen Höhepunkt überschritten. Speziell im Dezember ging es bergauf. Einziger Wermutstropfen: Interesse ist noch nicht gleich Kauf. Bis sich das so richtig in den Auftragsbüchern der Küchen- und Möbelindustrie niederschlägt, wird noch etwas Zeit vergehen.

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  • Schlagzeile: Meldepause

An diesem Donnerstag um 10.45 Uhr startet der 4. INSIDE Branchen-Gipfel. Nach drei Jahren Gipfel-Pause bringen wir in der Alten Kongresshalle direkt an der Münchner Theresienwiese fast 400 Leute zusammen.

Wir Outsider sind ab 7.30 Uhr vor Ort und gehen von einem langen geselligen Abend nach einem intensiven Gipfel-Tag aus. Am Freitagvormittag lassen wir das Event mit einem Weißwurstfrühstück ausklingen.

Sehen Sie es uns nach, wenn es auf unseren News-Seiten bis Ende der Woche etwas ruhiger zugeht. Wir konzentrieren uns mit ganzem Einsatz auf die INSIDER vor Ort und sind dann in der nächsten Woche wieder auf allen Kanälen voll am Start. Aber keine Sorge: Wenn's brennt, gibt es auch vom Gipfel aus einen INSIDE HOT-SHOT.

  • Schlagzeile: Save the date!
  • H1: 5. INSIDE Branchen-Gipfel am 25.4.2023!

Der Alltag hat uns wieder. Vom 4. INSIDE Branchen-Gipfel am vergangenen Donnerstag haben wir nicht nur gute Erinnerungen und Impulse in die Redaktion mitgenommen, sondern auch viele Neuigkeiten aus dem Markt, die wir in den nächsten Tagen und Wochen redaktionell aufbereiten werden.

Das Gipfeltreffen hat uns auch redaktionell bereichert. Knapp 400 Möbel- und Küchenmacher an einem Tag zusammen in der Alten Kongresshalle und bis spät in der Nacht in der Kongressbar: Der Live-Restart nach langer Corona-Pause wird auch dem INSIDE gut tun, denn: Wir bringen viele Geschichten mit vom Gipfel.

Ein bisschen was davon werden wir bereits für das INSIDE-Schnellboot aufarbeiten, das am Mittwochabend schon in die Druckerei gehen wird. Wir berichten darin von der EMV-Kollektionsmesse an diesem Montag in Gummersbach, von der Jahreshauptversammlung von Der Kreis in Hamburg ein paar Tage vor dem Gipfel und haben einige News on top im Gepäck.

Die große Gipfel-Nachlese mit allen Bildern und einem tieferen Rückblick kommt dann mit INSIDE 1138 am 3. Juni. Erste Bilder und Impressionen finden Sie bereits seit diesem Montag auf www.inside-branchen-gipfel.de. Klicken Sie sich gerne durch.

Nach dem Gipfel ist vor dem Gipfel: Wir sammeln bereits Ideen für den 5. INSIDE Branchen-Gipfel am 25. April 2023, der wieder in der Alten Kongresshalle auf der Münchner Theresienhöhe stattfinden wird. 

  • Schlagzeile: Trio im Talk

Am späten Nachmittag des 25. April freuen wir uns auf eine außergewöhnliche Runde auf der Gipfel-Bühne: Melanie Thomann-Bopp, Geschäftsführerin Nolte Küchen, Nils Wagner, Gesellschafter des oberfränkischen Zulieferriesen Rehau und Kopf der Rehau New Ventures, sowie Kerstin Hochmüller, Geschäftsführerin des ostwestfälischen Spezialisten für Antriebstechnologie Marantec, werden über mit uns über ihre Gedanken, Überzeugungen und Pläne sprechen, die sie beim Umbau der Unternehmen treiben, die sie führen.

Der Arbeitstitel für den Talk: „Was wir verändern müssen und wollen und können.“ Wir werden eine große Bandbreite an Themen aufgreifen, die mittelständische Unternehmen im Auge haben sollten, um sich auf die Herausforderungen der Zukunft einzustellen: von der Kommunikation bis zum Marketing, von der unternehmerischen Führung über nachhaltige Produktstrategien bis zur ganzen Bandbreite an digitalen Prozessen.

Mit Hochmüller, Thomann-Bopp und Wagner sitzen, mal in nackten Zahlen gesprochen, über 4 Umsatzmilliarden auf der Gipfel-Bühne. Vor allem begrüßen wir in diesem Panel gegen 17.00 Uhr aber drei Menschen, die etwas zu sagen haben, die es anders machen, die Mut und Unternehmergeist mitbringen. Wir werden sie dazu befragen, was zu tun ist, um so behutsam und radikal wie nötig dem Veränderungsdruck nicht nur standzuhalten, sondern ihm offensiv entgegenzutreten. Vielleicht sogar so, um ihm einen Schritt voraus zu sein.

Wer noch nicht dabei ist, kann sich hier für die 5. Gipfel-Tour auf der Münchner Theresienhöhe anmelden.

  • Schlagzeile: Stimmung und Markt
  • H1: INSIDE-Talk auf der Area30

Stimmung und Markt

Der Markt ist in Bewegung. Nach vielen starken Jahren steht die Küchenbranche aktuell vor riesigen Herausforderungen. Was kommt nach dem bislang scheinbar nie endenden Boom? Diese Frage stellten am gestrigen Sonntagabend die Outsider Eva Ernst und Simon Feldmer ihren Gästen während des ersten INSIDE-Talks auf der Area30, der gemeinsam mit dem Trendfairs-Team und Vogelsänger organisiert wurde. 

Mit auf der Bühne standen: Schüller-Inhaber Markus Schüller, Bora-Gründer Willi Bruckbauer, Quooker-Geschäftsführer Daniel Hörnes, Wilhelmine Goetz (Head of Content Marketing bei Küchenheld), Eggersmann-Chef Michael Wunram, Irene Gotas von Flotho Medientechnik und Bloggerin und Küchenhändlerin Yvonne Zahn (Küchenstudio Proform). 

Die Frage nach den Ernst der Lage wurde von den Gästen sehr unterschiedlich beantwortet. Insgesamt aber überwog die Zuversicht, dass auch die kommende Krisensituation mit den richtigen Mitteln, einem dicken Polster aus den letzten Jahren und einer Extraportion Zuversicht bewältigt werden kann. Dabei verschließt kaum jemand die Augen davor, dass mindestens die kommenden Monate anstrengend werden könnten. "Was wir aus dem Handel spüren, ist eine gewisse verhaltene Stimmung", sagte etwa Michael Wunram, Chef des Edelküchenbauers Eggersmann. Er hält jedoch das Gros der deutschen Küchenbauer für "krisenfest", wenn auch der Verkäufermarkt sich künftig mehr in einen Käufermarkt wandeln werde. 

Weniger investieren, lieber eine abwartende Haltung einnehmen, das scheint nach Ausagen von Bora-Boss Willi Bruckbauer und Quooker-Chef Daniel Hörnes nicht das Gebot der Stunde zu sein. Bruckbauer glaubt weiter ungebrochen an den Downdraft-Siegenszug und Hörnes sieht Chancen für all jene, die Produkte anbieten, die Mehrwert anbieten. Und auch wenn Schüller-Chef Markus Schüller die aktuelle Stimmung auf der Messe für besser hält als die tatsächliche Situation im Markt, so ist er doch überzeugt, dass für die deutsche Küchenbranche mit Durchhaltevermögen, "mentaler Stärke und einem engen Miteinander" noch viel zu erreichen ist. 

 

 

 

  • Schlagzeile: Zum Nachhören
  • H1: Der INSIDE Küche-Talk auf der Area30 zum Nachhören (mit Video)

Was kommt nach dem Boom? Komplett klären konnten wir diese Frage beim ersten INSIDE Küche Live-Talk am Messesonntag auf der Area30 natürlich nicht, aber immerhin einen Einblick gewinnen, mit welchen Rezepten unsere Talk-Gäste in die schwieriger werdenden Zeiten hinein gehen. Den Kopf in den Sand zu stecken hat keiner im Plan, das wurde deutlich.

Zu Gast waren Markus Schüller (Schüller), Michael Wunram (Eggersmann), Wilhelmine Goetz (Küchenheld), Irene Gotas (Flotho Werbeagentur), Yvonne Zahn (Proform), Willi Bruckbauer (Bora) und Daniel Hörnes (Quooker). Und die Gastgeber: Michael Rambach und sein Trendfairs-Team.

Die Vogelsänger Studios, die am Sonntagabend den Technik-Part übernommen hatten, haben für uns und für Sie blitzschnell einen schicken Video-Zusammenschnitt der Talkrunde erstellt.

 

Den kompletten Talk zum Nachhören gibt es auch als Podcast hier auf Spotify und so ziemlich überall sonst, wo es Podcasts gibt.

 

  • Schlagzeile: Matthias Kappe und Harry Biedendorf
  • H1: Küchen verkaufen: INSIDE Küche-Talk mit Matthias Kappe und Harry Biedendorf

Harry Biedendorf hat seinerzeit Vorwerk-Küchen an der Haustür verkauft. Als Coach und Trainer hat er sich später selbstständig gemacht und das in der harten Praxis Erarbeitete in die Theorie übertragen.

Mit Matthias Kappe, Mitinhaber des Küchenstudios Kulinario Küchen in Brilon, verbindet Biedendorf eine langjährige Bekanntschaft. Kappe macht vieles genau richtig, sagt Biedendorf.

Im lockeren Gespräch mit Outsiderin Eva Ernst und Harry Biedendorf erzählt Matthias Kappe, wieso er das Wort Angebot vermeidet (bei ihm gibt es eine „Bewerbung“ an den Kunden) und wieso er seinem Kollegen im Verkauf ein Festgehalt zahlt. Kappes „Taktik“, kurz zusammengefasst: Bauchgefühl.

Tipps für die Praxis hat Harry Biedendorf parat – von den Rahmenbedingungen bis zum Verkaufsgespräch.

Das Gespräch mit Küchenhändler Kappe und Coach Biedendorf soll der Auftakt sein zu einer kleinen Reihe von INSIDE Küche-Talks zum Thema „Küchen verkaufen – aber wie?"

Wem gut 45 Minuten zu lang sind, um videoschauend am Rechner sitzen zu bleiben, dem sei die Podcast-Variante empfohlen. Den Podcast gibt’s hier und auf den gängigen Podcast-Plattformen.

  • Schlagzeile: Herbstmessen - die Perspektiven

Kurz vor Ostern haben wir für eine prominente Talk-Runde Messemacher, Unternehmenslenker, Industrievertreter und Lokalpolitik zusammengetrommelt, um über die Perspektiven für die Messen im ostwestfälischen Küchenherbst zu sprechen.

Mit dabei waren: Matthias Berens (Baumann Group), Dr. Lars Bopf (Nobilia), Jan Kurth (VDM und VdDK), Bernd Poggemöller (Bürgermeister der Stadt Löhne), Michael Rambach (Trendfairs), Stefan Waldenmaier (Leicht Küchen, Architekturwerkstatt) und Jochen Willmann (Kitchen Center Löhne), die am Ende der Runde dann auch noch ein wenig Persönliches preisgaben.

Deutlich wurde in der Runde: Bei den Vorbereitungen für die Hausmessen im Herbst fahren die Unternehmen auf Sicht - stärker sogar als im letzten Jahr. Schließlich hat man gelernt, dass sich Rahmenbedingungen innerhalb kürzester Zeit komplett ändern können. Vorbereiten muss man sich auch auf Dinge, die vielleicht gar nicht umgesetzt werden können, weil sie bis zu den Messen möglicherweise überholt sein werden. Die Area30 mit ihren mehr als 100 Ausstellern, aber auch andere Messezentren wollen auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. 

Stand heute planen alle ihre Messen. Auch die, die im Herbst des letzten Jahres ihre Türen geschlossen gehalten hatten wie die Baumann Group, das Kitchen Center Löhne oder auch das House4Kitchen.

Zuversichtlich stimmen einerseits die Aussicht auf eine bis Herbst ausreichend hohe Impfquote, andererseits neue Instrumente wie Schnelltests, die inzwischen zur Routine gewordenen AHA+L-Maßnahmen und nicht zuletzt natürlich die Erfahrungen für den Umgang miteinander, die wir im Geschäftsleben in den vergangenen zwölf Monaten alle gesammelt haben.

Auch Bernd Poggemöller als Bürgermeister der Stadt Löhne setzt sich für das Stattfinden der Messen ein. Momentan steht zwar auf dem Festplatz in Löhne noch das zentrale Testzentrum der Stadt. Bis zum Herbst, wenn hoffentlich die Mehrheit der Bevölkerung geimpft ist, soll dort aber Platz sein für die area30, auf die Poggemöller fest setzt. Für das traditionell im Anschluss startende Oktoberfest in Löhne sieht der Bürgermeister dagegen in diesem Jahr keine Perspektive. Da geht es ihm ähnlich wie seinem Münchner Amtskollegen.

Apropos Perspektiven: Damit Fachmessen wie die Area30 wieder stattfinden dürfen, müssen Bund und Länder dafür den Weg erstmal frei machen. Man brauche dringend die Signale aus Berlin, so sagt es Michael Rambach.

Aus Sicht von Jan Kurth, bei dem als Vertreter der Industrie viele Stimmen aufschlagen, ist die Durchführung von Messen in diesem Jahr sogar noch wichtiger als im letzten. Sowohl für die Industrie als auch für den Handel, denn es gab ja wenig Gelegenheiten für geballte Neuheitenpräsentationen innerhalb des letzten Jahres. Wie KCL-Betreiber Jochen Willmann sagt: Man hat nun über ein Jahr Übung im Nicht-Messe-Machen.

Ein wesentlicher Baustein für zusätzliche Sicherheit der Aussteller und Messebesucher werden sehr wahrscheinlich Schnelltests sein. Dabei würde im Sinne der Messebesucher klar ein gemeinsames Konzept bevorzugt. Man tauscht sich aus untereinander, kann aber noch nichts Konkretes entscheiden. Bis zum Herbst sollten auf jeden Fall die technischen Voraussetzungen gegeben sein, mit denen tagesaktuelle Schnelltests dokumentiert werden können. Wünschenswert wäre eine einheitliche Lösung, vermutlich in Form einer App. Welche App sich bis dahin durchgesetzt hat, wird natürlich nicht (nur) in OWL entschieden.

Auch in den Betrieben hat man in den vergangenen zwölf Monaten dazu gelernt und Erfahrungen gesammelt. Beispiel Nobilia, wo ergänzend zu Hygiene- und Schutzmaßnahmen seit etwa einem halben Jahr mit verschiedenen Testverfahren gearbeitet wird. Dr. Lars Bopf wartete mit beeindruckenden Zahlen auf: Aktuell werden alle rund 4.000 Mitarbeiter täglich (!) getestet.

Die gesamte Talk-Runde im Video gibt es hier zu sehen: 

In Kürze wird auch eine komprimierte Version mit den zentralen Aussagen bereitstehen.

  • Schlagzeile: Las Vegas – Weltstadt der Küchen
  • H1: KBIS: Las Vegas – Weltstadt der Küchen

Der Grundstein ist gelegt. Die deutsche Küchenbranche macht sich mit Rückendeckung von AMK, VDM und dem nordamerikanischen Branchenverband NKBA auf, den US-Markt zu erobern.

An drei intensiven Messetagen hat die Küchen- und Bad-Show KBIS, die letzte Woche zusammen mit anderen Messen aus dem Homebuilding-Bereich stattfand, um die 110.000 Besucher durchs Las Vegas Convention Center geschleust und damit möglicherweise sogar die Elektronikmesse CES ausgestochen. Gemeinsam mit der Möbelmesse im Las Vegas Market und der Bodenbelagsmesse im Mandala Bay waren in der letzten Woche 200.000 Messebesucher in der Stadt.

Besucher, die sich das Gedränge richtig was haben kosten lassen und ganz sicher nicht zum Cappuccino- und Prosecco-Trinken durch die Hallen schoben – denn Getränke zählten auf der KBIS zu den Raritäten, ebenso wie Snacks und andere Verpflegung. Das stete Hungergefühl wurde unter den europäischen Ausstellern und Besuchern schnell zum running joke, ebenso der durch Jetlag und abendliche Aktivitäten verursachte maximale Schlafmangel und die Preisstellung der örtlichen Gastronomie. Avocado-Toast zum Frühstückskaffee 25 Dollar mit tip und tax. So what?! All das war schnell verziehen, auch dass am Schluss etliche Aussteller die Transportverpackungen vermissten. In Summe war es einfach eine sensationell gute Messe für die meisten Beteiligten. Zum Eröffnungs-Festakt am ersten Messetag kamen nicht weniger als 6.000 Leute, bei der Gala am Vorabend rockten Cool and the Gang, und beim Abschlusskonzert sang dann noch Sheryl Crow exklusiv für die Messegemeinde.

  • Alexander Oswald, Outsiderin, Jan Kurth

  • Andere Länder, andere Küchen: im Home Depot

  • Andere Länder, andere Küchen

  • Auf Initiative von Nobilia: German Pavilion

  • Auf Möbeleinkaufstour - Kai und Piet Schäffer von Schäffer American Home

  • Auswanderer: Annette und Ralf Lehnemann

  • Bauformat in Las Vegas: Matthias Berens

  • Besuch auf dem Stand von Burnout Kitchen

  • Blick über den Tellerrand - Heike Holt und Michael Lübbering

  • Bühnenprogramm rund um die Uhr: KBIS Next Stage

  • Daniel Joachimmeyer und Jan Leeker

  • Design für den US-Markt: Christian Käsemann

  • Eigene Gesellschaft in Miami: Markus Sander, Karin Padinger, Andreas Gommeringer

  • Große Pläne für Nobilia North America: Mikael Akerberg

  • Irene Gotas, Dr. Olaf Hoppelshäuser

  • Jan Heck, Markus Miele, Volker Irle

  • Javier Lombardia, Outsiderin, Dr. Lars Bopf

  • Kesseböhmer USA: Burkhard Schreiber, David Ivey, Dan Oestreich

  • Morgendämmerung am Convention Center

  • Orientierungstour: Adrian Junker, Kirk Mangels, Albrecht Arenz

  • Parallel zur KBIS war Möbelmesse im World Market Center

  • Pendeln zwischen den Kunden: Uwe Kreidel

  • Sebastian Kiefer, Florian Goos, Volker Irle

  • The Bash-Abschiedsparty, sponsored by Nobilia

  • Verspätete Gerätelieferung: Burnout sorgt kurz vor der Messe noch selbst für Ersatz

  • Wie beim Gebrauchtwagenhändler: Storecheck im Home Depot

  • Zach Elkin, President Beko USA

  • Zerlegte Küchen aus Stemwede: Stefan Albert

  • Zufälliges Treffen am frühen Morgen: Christoph Hampel

Auch der ein oder andere deutsche Marktteilnehmer, der sich in diesem Jahr (noch) nicht als Aussteller an der KBIS beteiligt hat, war auf den Ständen unterwegs und hat mit großen Augen aufgenommen, was dort abging. Mit fünf Leuten war zum Beispiel Schüller angereist. Nicht auszuschließen, dass der German Pavilion im nächsten Jahr, spätestens aber im übernächsten, anbauen muss. Siematic America, 2022 noch am Start, musste für dieses Jahr canceln – wegen Veränderungen im Vertriebsteam, wird aber voraussichtlich wieder aufspringen. Vermisst wurden auch Poggenpohl und Nolte, die schon länger eigene US-Gesellschaften haben. Bei Nolte ist allerdings geplant, die Markterschließung bald auch größer anzugehen.

Beeindruckend war, welche herausragende Position den deutschen Ausstellern auf der Messe eingeräumt wurde. Der Hallenteil, in dem der - auf Initiative von Nobilia – von AMK und VDM organisierte German Pavilion seinen Platz hatte, stach deutlich hervor und wurde auch an verschiedenen Stellen auf dem Messegelände groß beworben. Und groß, das heißt in Amerika bekanntlich wirklich groß.

Nicht nur bei den großen Unternehmen wie Nobilia, Häcker oder dem Bauformat-Partner Bauteam war es die ganze Zeit knallvoll auf den Ständen. Auch beispielsweise bei Burnout Kitchen oder Ballerina kam die Standbesatzung kaum mal zum Verschnaufen.

Nobilia North America hat sich seit dem Marktstart vor ein paar Jahren einen Namen im Markt erarbeitet und war gefühlt überall präsent auf der Messe. Amerika-Chef Mikael Åkerberg mischt im Board der NKBA mit, ebenso wie Mieles Jan Heck (aktuell President), und war so bei diversen Events auf der Bühne, ebenso übrigens AMK-Geschäftsführer Volker Irle. Staunen kann man als Europäer über die offensiven Sponsoringmaßnahmen, mit denen die NKBA den Sponsoren Schützenhilfe bei Steigerung der Markenbekanntheit gibt – und sich selbst und die Messe zu einem großen Teil darüber finanziert. Etliche Awards wurden vergeben, gesponsert von Beko, Signature (LG), Nobilia und anderen.

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„Küchen fürs Leben“ ist der Slogan des österreichischen Modulküchenanbieters, dessen Werbeanzeigen immer mal wieder bei der digitalen Zeitungslektüre aufpoppen.

Co-Gründer Horst Eckstein ist zu einem kurzen Call schnell bereit. Ein „Möbler“ ist er nicht. Zum Küchengeschäft kam er durch Zufall,

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  • Schlagzeile: Komplettangebot

In den Niederlanden baut Garant seit Oktober das neue Konzept Keukenstyl auf, die fünfte Schiene der Verbundgruppe in dem Markt. Das Konzept, das auch für nicht zum Verband gehörende Händler offen ist, könnte zum Beispiel Mittelständler im Nachbarland interessieren, die sich in den letzten Jahren zu Anbietern ganzheitlicher Lösungen gewandelt haben: Hier werden Möbel, ganze Innen-Designs und Stoffe aufeinander abgestimmt.

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  • Schlagzeile: Nach dem KSV-Deal
  • H1: Kitchenadvisor und der KSV-Deal

„Wir haben uns mit vielen Küchenverbänden unterhalten, am Ende dann aber für den KSV entschieden“, sagt David Striegnitz, neben Richard Ruben Gründer der Kitchenadvisor GmbH in Hamburg mit aktuell 32 Mitarbeitern.

Striegnitz hat das Portal zusammen mit Ruben 2017 mit Unterstützung von Hanse Ventures gegründet. Beide waren davor bei Kiveda, heute wieder nur noch Küchenquelle.

Im Markt der Küchen-Portale, die Kunden beim Küchenkauf beraten und im besten Fall auch Küchenkäufer mit passenden Küchenstudios vermitteln, also im etwas wilden und auch für viele Küchenfachhändler noch nicht ganz greifbaren Markt der Leadgenerierung, haben Striegnitz und Ruben frühzeitig einen durchaus eigenen Weg eingeschlagen: den Weg des qualifizierten Leads. Jeder Kundenkontakt wird selbst telefonisch beraten und budgettechnisch eingeordnet. Der relevante Küchenhändler muss eine Planung für den Kunden hochladen. Erst dann kommen die beiden ins Gespräch. Kitchenadvisor hat zudem bereits zum Start das Provisionsmodell gewählt. Es wird erst nach erfolgreichem Küchenverkauf mit dem Küchenhändler abgerechnet. Verkauft wird hier also nicht der reine Lead, der oft eh verpufft.

Im gerade sehr hochsommerlichen Küchenmarkt, in dem alle großen Respekt vor dem Herbst haben, wird die Frage, wie man an Kundenkontakte kommt, bald nochmal eine ganz neue Relevanz bekommen. Bei Kitchenadvisor, so sagt das Striegnitz, würde es auch nach wie vor ganz gut laufen. Bei der reinen Leadgenerierung sind mittlerweile rund 2.000 Händler an Bord. Striegnitz selbstbewusst: „Viele Portale sagen, sie hätten Kundenkontakte. Wir haben Kundenkontakte.“ Kitchenadvisor wirbt recht offensiv, zuletzt auch auf Sky. Und natürlich quer durch die Google-Welt.

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Der KSV, also auch der EMV, haben sich durch den etwas komplizierten Deal mit den Kitchenadvisor-Machern jedenfalls, so wie es aussieht, ein digitales Pfund für die Zukunft gesichert. Kitchenadvisor sieht sich schon lange nicht mehr nur als reines Lead-Portal. Striegnitz: „Wir haben schon immer viele Anfragen von Küchenhändlern, die uns gebeten haben, sie bei der Werbung in sozialen Netzwerken, auf Facebook oder Instagram zu unterstützen.“ Daraus haben die Hamburger ein Angebot gestrickt, auf das mittlerweile viele Küchenhändler zugreifen. Das Kitchenadvisor-Team schreibt dann die Facebook-Posts und vieles mehr. Striegnitz und Ruben haben ein eigenes Service-Paket für die Digitalstrategie von Küchenfachhändlern entwickelt, und deshalb nennen sie ihre Kitchenadvisor Group, die Mitglied im KSV ist, auch „den ersten digitalen Küchenverband“. Auch ein eigenes Küchenfachhandels-Bewertungsportal ist Teil des Angebots. An Plänen und Zielen und Selbstbewusstsein fehlt es jedenfalls nicht. Striegnitz: „Wir haben durchaus den Anspruch, das größte Bewertungsportal im Küchenhandel zu werden. Ich denke, wir sind es auch schon.“

Händlern, die im „digitalen Küchenverband“ mitmachen wollen (sie müssen dafür allerdings das Prime+Paket bei Kitchenadvisor buchen), bietet Kitchenadvisor nun auch Konditionen in der Küchenindustrie an – dank KSV-Mitgliedschaft. Dafür muss der Händler dann quasi nach Hamburg zur Kitchenadvisor Group wechseln. Alle anderen Küchenhändler, die Kitchenadvisor-Services nutzen, können bei egal welchem Verband sein und auch bleiben.

Der KSV wiederum behandelt die Kitchenadvisor Group sozusagen wie das Haupthaus, in der Kitchenadvisor Group organisierte Händler wie Filialen. KSV-Geschäftsführer Willibert Fröschen: „Wir hatten erst in diesen Tagen wieder einen Fachhändler, der aufgrund dieses neuen Angebots neu dazugestoßen ist.“

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  • H1: Küchen Aktuell: Mit Architecto ins Projektgeschäft

Was in anderen Ländern gang und gäbe ist, dass Küchen direkt von Bauträgern installiert werden, gewinnt ausgehend von den Metropolen seit einiger Zeit auch auf dem deutschen Markt an Bedeutung. In diesem Geschäft will auch Küchen Aktuell künftig verstärkt mitmischen – nicht nur mit Küchen, sondern auch mit Kompletteinrichtungen, auf Neudeutsch als „fully furnished“ bezeichnet. Zu diesem Zweck hat der Filialist nun eine Projektgesellschaft namens Architecto GmbH gegründet, die ihren Sitz in Braunschweig hat. Der Name ist kein Zufall: 

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  • Schlagzeile: Sex sells
  • H1: Sex sells: Küchenstudio-Betreiber führt auch einen Swingerclub

In der Nähe von Cottbus führt René Geisler ein Küchenstudio. Im Jahr 2021 konnte er doppelt so viel umsetzen, wie sonst. Zu den Stammkunden aus der Umgebung kommt auch der ein oder andere Westdeutsche. Kunden, die Geisler über sein zweites Unternehmen kennengelernt hat – den Swingerclub „Schloss Milkersdorf“. Ein Porträt.

„Wir waren die absoluten Corona-Gewinner“, sagt René Geisler. In Zahlen: Von 2020 auf 2021 hat sich der Umsatz seines Küchenstudios verdoppelt. Seit fast 30 Jahren ist Geisler in der Küchenbranche unterwegs. In Neuhausen/Spree, etwa 15 Minuten Fahrzeit zum Cottbusser Stadtzentrum, genau zwischen Dresden und Berlin gelegen und etwa 30 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt, ist Küchen Geisler, nahe der Bundesstraße zu finden.

Die Sonderkonjunktur, die Corona der Branche beschert hat, die konnte er nutzen. Dazu mussten der 57-jährige Inhaber und sein Team improvisieren. Die Lieferschwierigkeiten in der Industrie waren natürlich zu Beginn der Pandemie auch für Geisler ein Problem. „Die Abwicklung der Aufträge, das war zunächst eine Katastrophe. Aber, als ehemaliger DDR-Bürger kennt man das Thema ja noch“, erinnert er sich. „Da kam mir meine alte DDR-Mentalität zugute. Damals war ja auch stets Frage, wo kriege ich etwas her?“ Das Wo und auch das Wie hat er dann gelöst. „Wir haben uns Ware für fast 200.000 Euro ans Lager gestellt. Damit sind wir dann recht gut durch die Zeit gekommen“, so Geisler. Insgesamt 18 Mitarbeiter beschäftigt Geisler. Die Ausstellung im ursprünglich 250 qm großen Küchenstudio hat er kurz vor Corona noch auf 750 qm verdreifacht. „In den Ausbau haben wir 1,5 Mio Euro investiert“, sagt der Inhaber.___STEADY_PAYWALL___

Fast seit der Gründung ist Geislers Küchenstudio Mitglied bei Garant Küchen Areal. „Nolte war schon früh einer unser wichtigsten Lieferanten. Über Nolte sind wir dann quasi bei Garant gelandet“, sagt Geisler. Auch der Weg in die Küchenbranche war eher zufällig. Eine typische (Nach-)Wende-Geschichte: „Ich hatte zur DDR-Zeiten Jura studiert und wäre 1990 fertig gewesen. Dann kam der Mauerfall und der Großteil des Studiums wäre nicht anerkannt worden. Da im Mai 1989 unser großer Sohn geboren wurde, war klar: Ich muss Geld verdienen.“ Bei einem verwandten Innenarchitekten lernte René Geisler von der Pike auf. „Dann habe ich zeitnah mein Küchenstudio in Cottbus eröffnet. Das waren Goldgräber-Zeiten. Und Küche, das kam so gleich nach Versicherungen verkaufen“, erinnert er sich. Früher betrieb Geisler zwei Küchenstudios, seit einiger Zeit hat er sich auf ein Haus konzentriert. Die Hauptlieferanten sind nach wie vor Nolte, Schüller (Next 125) und, fürs Alltagsgeschäft, Nobilia. Weitere Lieferanten sind beispielsweise Siemens, Naber, Blanco, Quooker, Berbel, Bosch, Miele, Bora, Neff oder Samsung. In den letzten Jahren ging deutlich mehr an Stein, Dekton und Quarzkomposit über die Ladentheke. Auch Abluft, Umluft und Dunstabzugshauben sind Themen, die in der Beratung wichtiger geworden sind.

Für 2021 ist Geisler absolut zufrieden. „Wir haben uns ein wenig gefühlt, wie Biontech oder die Rewe, also als Gewinner in der Pandemie. Bei uns gingen die Umsätze durch die Decke. Das war ein fetter Boom, anders kann ich es nicht sagen. Normal setzen wir im Jahr etwa 2 Mio Euro um. 2021 lag der Umsatz bei 4 Mio Euro.“ 

Und, wie ist sie jetzt, die Lage? „Scheiße“, kommt die erste spontane Antwort, ruhig und sachlich. Geisler ist nicht der Typ, der laut schimpft und meckert, deutlich wird er aber schon. Er erklärt es so: „2022 ist ein schwieriges Jahr für uns. Uns ist der 6.000-Euro-Kunde weggebrochen. Das sind die Kunden, die 2.000 Euro auf der Kante haben, 2.000 Euro von Oma bekommen und sich 2.000 Euro leihen. Dieser Kunden-Typ ist komplett weggefallen. Das ist natürlich zum Kotzen.“ Natürlich gibt es auch bei Geisler Kunden, die deutlich mehr ausgeben, aber eine wichtige Zielgruppe zögert derzeit ganz offenbar bei den Ausgaben. Das Geschäft im Osten Deutschlands läuft auch anders als etwa in München. „Unser Durchschnittsumsatz pro Kommission ist etwas niedriger als in Baden-Württemberg oder Bayern, da ist schon ein Unterschied. Man merkt, dass das meiste Geld im Westen ist, nicht im Osten.“ Für die Beratung, die größtenteils nicht digital stattfindet, ist er optimistisch, dass die Expertise der Fachhändler weiter gewünscht und gesucht ist. „Ich denke nicht, dass Küchenverkäufe komplett ins Netz abwandern. So etwas ist einfach beratungsintensiv. Wir haben zwar auch seit sieben Jahren einen Onlineshop; aber der ist primär für Ersatzteile und Zubehör gedacht.“

Neben dem Küchenstudio ist Geisler seit etwa 20 Jahren auch anderweitig als Unternehmer aktiv. Zusammen mit Ehefrau Sabine – sie ist Verkaufsleiterin im Küchenstudio – führt er seit 2003 „Schloss Milkersdorf“ in Kolkwitz. Hier sind drei Festangestellte sowie etwa 15 geringfügig Beschäftigte angestellt. Mit dieser Unternehmung ist Geisler immer wieder in den Medien, zuletzt etwa im Spiegel. Schließlich ist das Schloss ein Swingerclub. „Wir nennen es Lifestyle Club. An den Wochenenden ist der Club geöffnet“. Zu Beginn sei das Ganze für die Umwelt wesentlich aufregender gewesen. „Früher war das was für Mutige. Inzwischen sind Swingerclubs ja auch wesentlich akzeptierter, etwas Normales. Die Zeiten haben sich eben auch gewandelt“, sagt er. An Freitagen oder Samstagen ist das „Schloss Milkersdorf“ geöffnet. Motto: (fast) alles kann, nix muss. „Wir bedienen alle Sinne, wollen, dass sich Einzelgäste oder Paare wohlfühlen. Bei uns geht es nicht bloß um platten Sex. Wir sind schließlich keine Bums-Bude. Etwa 12.000 Übernachtungen haben wir bislang gezählt“, sagt Geisler am Telefon. Übernachtungsgäste für die lokale Hotellerie, Kunden für den Handel vor Ort: Durch den Club profitiere die Gemeinde. Im Alltagsgeschäft, im Küchenstudio, spiele all das keine Rolle. „Klar, Sex sells. Aber, wir betreiben da kein Marketing in dieser Richtung. Das sind zwei komplett getrennte Geschäfte. Und hier in der 100.000-Einwohner-Stadt ist das bekannt und akzeptiert. Schließlich nehmen wir auch an öffentlichen Ausschreibungen teil.“ 

Den ein oder anderen Gast des Swingerclubs hat er aber auch schon als Kunden für das Küchenstudio gewinnen können. „Das ist einfach entspannt, man unterhält sich abends darüber. Und wenn derjenige möchte, machen wir natürlich einen Termin im Geschäft ab.“ Auf diese Weise kamen also schon Kunden aus Stuttgart oder München nach Cottbus. Das Gros der Stammkunden komme aus dem Westen der Republik. Hinzu kämen Holländer, Tschechen, Dänen oder Schweden.

  • Schlagzeile: @Home bei Familie Edquist
  • H1: Küchenheld: @Home bei Familie Edquist

Sich als CEO eines boomenden Start-ups zu gleichen Teilen mit der Mutter um drei Kinder zu kümmern ist ganz sicherlich nicht der Standard in Deutschland. Küchenheld-Founder Dr. Love Edquist und seine Familie zeigen, dass es geht, und werden dafür auch gern als Influencer aktiv.

Beim Einrollen in den Bahnhof Berlin-Südkreuz geht die erste Unwetterwarnung über die Katwarn-App. Die Outsiderin steigt gerade mit ihren beiden Töchtern im Schlepptau in die S25 um, als Love Edquist anruft: „Es gewittert. Wir treffen uns dann in der Wohnung.“ So entwickelt sich das vereinbarte Outdoor-Treffen spontan zu einer Homestory, und wir bekommen auch noch die Küche zu sehen, deren Planungsprozess damals die Geschäftsidee für Küchenheld geliefert hat.

Als Love und seine Frau Tina Edquist vor gut zehn Jahren in der Neubauwohnung in Mitte ihre Küche planten, fehlten ihnen konkret Angebote für Leute wie sie selbst: Doppelverdiener mit wenig Zeit von Studio zu Studio zu tingeln, um Produkte und Preise zu vergleichen. Gewurmt hat die beiden zudem die fehlende Transparenz. Dass nicht erkennbar war, wie viel welche Komponente kostet oder welche sonstige Leistung. Tina Edquist stammt aus Ostwestfalen, hatte privat und familiär schon Berührungspunkte mit der Möbel- und Küchenbranche und Kontakte, über die dann wiederum andere Kontakte zustande kamen.

Ein paar Jahre später, 2018, gründete Love Edquist zusammen mit Ivo Wissler den Digitalanbieter Küchenheld, auf den mittlerweile viele schauen im Küchenmarkt – Lieferanten, Hersteller und Verbände, Warum? „Wir haben gezeigt, dass Digitalisierung im Hochwertbereich funktioniert“, sagt Edquist. Rabatte – das gehört auch zur Marketingaussage – gibt es keine: „Unsere Kunden verdienen schon beim ersten Kontakt transparente Preisaussagen“, heißt es. Das klappt offenkundig. Im August allein hat Küchenheld Aufträge im Wert von 2 Mio Euro geschrieben, bei einem durchschnittlichen Kommissionswert von 22.000 Euro. Gestartet war man mit einem Durchschnittswarenkorb von 12.000 Euro.

Der bislang größte Auftrag über 94.000 Euro für eine Next125-Küche inklusive Hauswirtschaftsraum kam aus Hamburg. Auch bei diesem Wert lief der Kontakt hauptsächlich digital. Der Kunde war nur einmal im Laden, berichtet Edquist. Etwa 40 Prozent der Kunden kommen sogar nicht ein einziges Mal in einen der Smartroom genannten Läden, von denen es deutschlandweit inzwischen acht gibt. Das am Jahresanfang formulierte Ziel von 20 Mio Nettoauftragsvolumen (INSIDE 1131) wird Küchenheld 2022 ziemlich sicher erreichen, eher noch übertreffen.

Noch läuft es in Berlin, aber natürlich rüsten sie sich auch bei Küchenheld für härtere Zeiten. Die Zielgruppe wird von hohen Lebenshaltungskosten vielleicht nicht so stark betroffen sein und sich dennoch eine Küche im Wert von über 22.000 Euro leisten können. Doch die schwächer gewordene Frequenz in den Geschäften wird die zuletzt so auftragsverwöhnten Küchenhändler in den nächsten Monaten dazu bringen, wieder stärker auf digitales Marketing zu setzen und somit für Wettbewerb im Netz sorgen. Das wissen sie auch in Berlin. Total flexibel New Work, Flexibilität, Remote-Arbeit, Work-Life- Blending – bei Küchenheld sind das nicht nur Worthülsen. Aber klar: Als Digitalunternehmen zählt das Küchenhandelsunternehmen natürlich auch zur sich duzenden Start-up-Welt mit der entsprechenden Infrastruktur, mit Speed und vor allem dem, was man heutzutage „Mindset“ nennt.

Dieses Mindset ist heute für viele Traditionsunternehmen Vorbild, natürlich erreicht man selten dieselbe Geschwindigkeit. Edquist selbst hat einen Arbeitsweg von etwa acht Minuten mit dem Rad und nimmt den auch gern auf sich, wenn die Lage zu Hause nichts anderes erfordert. Wie viele Mitarbeiter er im Büro antrifft und wie viele von zu Hause oder anderswo arbeiten, dafür gibt es keinen starren Plan. „Heute waren es von rund 40 vielleicht die Hälfte“, sagt er.___STEADY_PAYWALL___

In der Familie haben die Edquists die Woche klar aufgeteilt. Montags, dienstags und donnerstags holt eine Babysitterin die Kinder aus der Schule und dem Kindergarten ab und betreut sie oder bringt sie zu ihren Freizeitaktivitäten. Tina Edquist, die Erstverdienerin in der Familie, wie Love Edquist gern betont, arbeitet in verantwortlicher Position in einem großen Verlagshaus. Mittwochs holt sie die Kinder ab, er arbeitet länger. Am Freitagnachmittag ist es umgekehrt. Auch an diesem. Tina ist noch im Homeoffice zu Gange. Nachdem Love Obst für die Kinder geschnippelt und der Outsiderin einen Kaffee eingeschenkt hat, bringt er seiner Frau noch schnell einen Kaffee an den Schreibtisch.

Die gleichberechtigte Aufteilung haben die beiden seit der Geburt ihrer ersten Tochter. Sieben der insgesamt 14 Monate Elternzeit hat bei allen drei Kindern der Vater übernommen. In Deutschland gilt das auch im 21. Jahrhundert als derartige Kuriosität, dass Love Edquist 2015, damals noch bei Boston Consulting beschäftigt, mit seiner ältesten Tochter Alva als „Einziger Mann im Pekip-Kurs“ in der Kölnischen Rundschau porträtiert wurde.

Edquist ist Schwede. In seinem Herkunftsland ist die gemeinsame Verantwortung schon längst gang und gäbe. „So wie Tina und ich uns heute aufteilen, haben das meine Eltern vor 40 Jahren auch gemacht“, sagt Edquist. Und: „Du baust keine richtige Beziehung zu deinen Kindern auf, wenn du nicht auch die schlechten Tage übernimmst.“ In der Wohnung ist es unterdessen erstaunlich leise – drei Küchenheld-Kinder spielen mit den beiden kleinen Outsiderinnen Monopoly und üben Handstand. Aufholbedarf in Sachen Diversity gibt es auch bei Küchenheld noch, auch wenn der Frauenanteil in Führungspositionen weitaus höher ist als bei anderen Unternehmen: Unter den 20 Führungskräften ist die Mehrheit weiblich; unter den Top neun sind es allerdings nur noch drei.