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INSIDE Küche

  • Schlagzeile: Nächste Stufe gezündet

Auf unserer Suche nach guten Antworten haben wir für den 6. INSIDE Branchen-Gipfel am 7. Mai in München ein gutes Gefühl. Das ist in diesen Zeiten ja nicht immer so.

Umso mehr freut es uns, dass der Gipfel in diesem Mai ein sehr kraftvoller werden wird. Wir setzen auf bewährte Gipfel-Zutaten, auf viele neue Protagonisten mit Haltung und Expertise, auf Wissen aus anderen Branchen – und auf neue Formate. Dazu später mehr.

Und jetzt? Auf der Suche nach guten Antworten – mit Sinn und Verstand!

Unser Motto für den 6. INSIDE Branchen-Gipfel wird nicht nur als Überschrift drüberstehen. Wir sind auf dem Weg. Und so ungefähr sieht dieser aus:

 

Alle Infos zum nächsten 6. Gipfel finden Sie auf unserer frisch herausgeputzten Gipfel-Seite: www.inside-branchen-gipfel.de.

Im Programm begrüßen wir neu Sebastian Kerkhoff, Vice President Sales von Bonial (KaufDa, MeinProspekt). Für alle, die Bonial nicht kennen (was nicht so wahrscheinlich ist): Bonial ist das Immoscout24.de oder Mobile.de des Handels und kann auf 14 Mio aktive Nutzer im Monat verweisen.

Kerkhoff wird aus Berlin anreisen und mit seinen Einschätzungen und Daten zum Handelsmarketing der Zukunftum 14.00 Uhr viel Stoff für das große Handelpanel direkt im Anschluss liefern. Thema des Handelspanels: Die vielen digitalen Herausforderungen in der neuen Handelswelt.

Zu diesem Zeitpunkt sind unsere Gäste schon bestens abgeholt, von einem morgendlichen Frühstück, bestückt aus Münchner Backstuben und gefüllt mit Vitaminen vom Viktualienmarkt, sowie von einem Auftaktblock, der Lust auf Zukunft machen wird. Lust auf Zukunft? Das ist in diesen Zeiten eine ziemliche Herausforderung. Das ist uns klar. Unsere beiden Keynote-Speaker zum Start in den Tag, der Visionär und Investor Karl-Heinz Land sowie Marcus Diekmann (ehemals Rose Bikes und jetzt Armedangels), haben somit einen klaren Auftrag. Was morgen zählt – Land und Diekmann geben gute Antworten.

Ein kleiner Ausblick aufs 2. Gipfel-Basecamp am nächsten Vormittag sei uns noch gestattet. Als Headliner des Basecamps wird gegen 10.00 Uhr The Man of The Ocean, André Wiersig, 45 Minuten in die Halle bringen, die sich gewaschen haben. Sein Thema ist nicht nur das Plastik, durch das er schwimmen muss, wenn er in Badehose durch die Ozeane dieses Planeten krault. Wiersig bringt live einen motivierendern Abenteuerbericht auf die Bühne, der auch auf Netflix laufen könnte.

Direkt im Anschluss planen wir auf dem Basecamp ein neues Format. Eine große Diskussionsrunde zum Stand der digitalen Transformation im Küchen- und Möbelmarkt. 60 Minuten stehen dafür im Programm. Es geht um den digitalen Produktpass, um Konfiguratoren, um Schnittstellen, KI-Tools in der Praxis, Software und After-Sales. Mehr dazu bald an dieser Stelle. Danach geht es in die Workshops. Und gegen 13 Uhr nach Hause.

Noch rund drei Monate bis zum 6. INSIDE Branchen-Gipfel: Wir blicken bereits heute voller Stolz auf die Anmeldeliste. Wenn die Welt nicht untergeht vor dem 7. Mai, dürfte es wieder voll werden in der Alten Kongresshalle auf der Theresienhöhe, direkt hinter der Bavaria.

Sie sind noch nicht dabei? Dann direkt hier entlang und das Gipfel-Ticket lösen!

Wir freuen uns auf Sie!

  • Schlagzeile: Die ersten Schnappschüsse
  • H1: Die ersten Schnappschüsse vom Gipfel

In der INSIDE-Redaktion arbeiten wir gerade den 6. INSIDE Branchen-Gipfel auf, der am 7. und 8. Mai in München über die Bühne ging. Am Freitag wird der neue INSIDEmit einem ersten kleinen Rückblick auf den Gipfel und das Basecamp am Tag drauf erscheinen. Den großen Überblick über die vielen Impulse und tollen Menschen auf dem Gipfel liefern wir dann am 7. Juni mit INSIDE 1185.

Viele Schnappschüsse vom Gipfel finden Sie bereits auf www.inside-branchen-gipfel.de – klicken Sie sich schonmal durch! Es werden noch viele weitere Bilder dazu kommen.

  • Schlagzeile: 100 Prozent recycelt
  • H1: AKP-Hausmesse in Meiningen

Über 200 Kunden und Lieferanten hat der Thüringer Arbeitsplatten- und Nischenrückwandproduzent AKP am 25. und 26.8. am neuen Standort, dem zum Jahresanfang in Betrieb genommenen Steinwerk samt niegelnagelneuem Showroom, empfangen und mit Shuttlebus auf Wunsch auch zum Massivholz-Standort gebracht.

Hausmesse in Meiningen statt Köln oder OWL. In diesem Jahr macht das zur Premiere der Großinvestition im Industriegebiet Rohrer Berg an der A71 auf jeden Fall Sinn. In OWL werden die Produkte darüber hinaus auch bei RWK Kuhlmann zu sehen sein. Gründer Dietmar Hirn möchte am liebsten auch in den kommenden Jahren „zu Hause bleiben“. „Wer uns hier besucht, meint es wirklich ernst“, sagt er.

Mathera

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  • Schlagzeile: Deal in Pfullendorf

Arndt Vierhaus hat gute Laune an diesem Dienstag. Mit seinen Couchtischanbietern Vierhaus und Eve Collection steht er auf der MOW in Halle 19. Das Handy macht nonstop „pling“, ist kurz vorm Explodieren. Ist aber auch ein Ding: Vierhaus hat gerade die wohl weltweit bekannteste Küchenmarke gekauft. Vierhaus? Arndt Vierhaus? Ja, Arndt Vierhaus.

Vierhaus hat in diesem Sommer noch mehr gekauft. Sieben Kilometer von Pfullendorf entfernt, in Ostrach, gehört dem Düsseldorfer Unternehmer seit drei Monaten der Caravan-Ausrüster Tegos. 230 Mitarbeiter, ein Mittelständler, der aus allen Nähten platzt. Caravan boomt. Vierhaus hat investiert.

Nun gleich nochmal. Gekauft hat Vierhaus in Pfullendorf das Gelände und die Markenrechte. Das Betriebsgelände ist rund 180.000 qm groß, darauf stehen 110.000 qm Hallenfläche. Am Ende hat das alles sicher deutlich mehr gekostet als die am Vormittag kolportierten 10 Mio Euro. Deutlich mehr. Aber Zahlen kommentiert Vierhaus nicht. Abgewickelt wurde der Deal in Rekordzeit. Seit rund zehn Tagen ist Vierhaus mit dem Thema beschäftigt. Vermittelt hat in der Sache unter anderem auch Michael Spadinger, zuletzt Geschäftsführer der Neuen Alno, der in Pfullendorf einiges bewegt hat. Spadinger und Vierhaus kennen sich ewig. In Pfullendorf ist Spadinger derzeit raus, hat seine Ämter in Pfullendorf niedergelegt, ist damit grad sozusagen arbeitslos. Man sollte aber nicht ausschließen, dass Spadinger vielleicht wieder zurückkommt nach Pfullendorf, irgendwann.

Das ist aber alles offen. Spadinger sagt: „Das ging nun alles sehr schnell. Was die Zukunft der Alno-Produktion angeht, befinden sich gerade mehrere Teams in der Analysephase.“ Vierhaus wiederum hat mit der Produktion, darauf legt er großen Wert, nichts am Hut. Und auch nichts vor, sagt er.

Vierhaus will auf dem Pfullendorfer Gelände einen Industriepark hochziehen, mit Möglichkeiten für seine neuen Caravan-Firma, mit Solarparks – und vielleicht ja auch mit einem Investor, der dort Küchen bauen wird in Zukunft. Vierhaus: „Die Alno-Markenrechte gehören jetzt mir. Sie gehen nicht nach China oder sonst wohin. Das war uns allen wichtig.“

Dass ein Verkauf der Marke Alno bevorstand, hatte sich in den letzten Tagen abgezeichnet.

  • Schlagzeile: Nächster Deal in Pfullendorf

Was bitte will Arndt Vierhaus mit der Marke Alno? Die Frage wurde seit den OWL-Messen nicht nur einmal gestellt. In der Messewoche war bekannt geworden, dass Vierhaus – ursprünglich aus dem Couchtisch-Bereich kommend und inzwischen im Caravan-Bereich verankert – ein Paket bestehend aus dem Alno-Betriebsgelände und der Marke Alno erworben hat.

In der folgenden Presseberichterstattung war dann auch meist Michael Spadinger mit im Bild, zuletzt Geschäftsführer der insolventen Neuen Alno GmbH. Warum eigentlich? Zum einen war es Spadinger, der im Rahmen der Investorensuche kurzfristig den Kontakt zu Vierhaus hergestellt hat. Zum anderen waren Spadinger und ein „Kompetenzteam“ aus Alno-Leuten wohl schwer daran interessiert, am Standort wieder etwas hochzuziehen. Man war gut im Rennen. Kommen soll es trotzdem anders. Nach aktuellem Stand wird es mit Küchen Made in Pfullendorf künftig vorbei sein. Mit Alno-Küchen Made in Germany allerdings nicht.

Anders als im September war Arndt Vierhaus schwer zu erreichen in diesen Tagen. Wir hätten uns gern bestätigen lassen, was aus gleich mehreren zuverlässigen Quellen in der Redaktion aufgeschlagen ist: Vierhaus hat die Marke Alno bereits kurz nach ihrem Erwerb wieder zum Verkauf gestellt. Clever, lässt sich so doch der Kauf der Immobilie, die Vierhaus für seine Caravaning-Aktivitäten nutzen will, zumindest zum Teil refinanzieren. Laut INSIDERn endete am Donnerstag um 24 Uhr die Abgabefrist für Gebote auf die Alno-Markenrechte, am Freitag soll die Entscheidung gefallen sein. Wer sich alles beteiligt haben soll - von China, OWL über Wels bis Dreieich, auch darüber kursieren recht verlässliche Informationen.

Am Ende soll die Marke in Deutschland bleiben. Wo genau? Das wissen bislang nur die Parteien. Da die Angebote nicht bindend waren, dürften noch ein paar Tage vergehen, bis Tinte fließt. Wir bleiben dran.

 

  • Schlagzeile: On air
  • H1: Alno: On air

Die neuen in Rödinghausen produzierten Alno-Küchen stehen seit diesem Herbst nicht nur in den Ausstellungen von Höffner, Kraft und Mahler Siebenlehn, sie haben auch eine eigene, neue, schicke Webseite bekommen,___STEADY_PAYWALL___ unter der bekannten Domain www.alno.de. Betreiber der Seite ist die KMS GmbH & Co. KG mit Sitz in Schönefeld.

Dort kann man nicht nur einen Blick auf die Modellvarianten werfen, die die schlichten Namen Alno 1000, 2100, 3000, 3100, 4000, 4100, 5100, 6000 und 9100 bekommen haben, und ein 37-seitiges Alno-Magazin herunterladen. Es ist auch weiteres geboten, was der Handel heut so braucht beim Lead-Fang: vom 3D-Küchenplaner bis zur Möglichkeit, Planungstermine zu vereinbaren – im Möbelhaus, online oder beim Kunden zuhause.

Produziert wird Alno für KHG bekanntlich von Häcker. Dahinter steckt Häckers 2021 vorgestellte Schiene Concept130 im 130-mm-Raster und mit zehn Jahren Garantie. Für Häcker ersetzt Alno in absehbarer Zeit die Lieferung für die KHG-Eigenmarke Wohnwert, hinter der bislang Classic steckt – natürlich hat Alno deutlich mehr Wumms.

AMK

  • Schlagzeile: Neue Rekorde, vage Prognose
  • H1: AMK: Neue Rekorde, vage Prognose

Ein neuer Mitgliederrekord, der Rückblick auf die letzten Küchenjahre und natürlich der gesellige Part am Abend in der „Manufaktur“ waren die Highlights der AMK-Vereinsmitgliederversammlung an diesem Dienstag in Mannheim. An eine genauere Einschätzung, was heuer auf die Küchenbranche zukommt, wagte sich keiner so recht. Dafür gab's um so mehr Einblicke in die laufenden Projekte der vielen Arbeitsgruppen.

Neun Neu-Mitglieder haben seit der letzten AMK-Vereinsmitgliederversammlung, die erst im Oktober stattfand, beim Mannheimer Branchenverband angedockt. Nach 13 Neuzugängen und drei Abgängen im Jahr 2022 und den Zugängen in diesem Jahr steht die AMK inzwischen bei 155 Mitgliedsunternehmen, ein abermaliger Rekord. Neu dabei sind: Amica, Bora, Doorboost, Elektra, Garantiemax, GfM-Trend, Hans Winkler Design, Häckers Hausgerätevertriebsfirma HK Kitchen Appliances und Kitchen Marketing.
Seit Jahren schon teilen sich die jeweiligen Vorstandssprecher der AMK, aktuell sind das Markus Sander (Häcker) und Frank Jüttner (Miele), die Marktbetrachtung untereinander auf. Mal war die Rückschau der angenehmere Part, mal der Blick nach vorn. Diesmal, klar, war es der Rückblick von Markus Sander, denn 2022 war umsatzmäßig bekanntlich ein weiteres Super-Jahr für die Branche. Trotz der Kostensteigerungen und trotz des Kriegs zeigte sich speziell das Geschäft mit dem Küchenfachhandel robust. Sander veranschaulichte aber auch deutlich, ab wann der Trend kippte: Ab dem Sommer flachte der Auftragseingang etwas ab, was sich im Umsatz verzögert bemerkbar macht. ___STEADY_PAYWALL___
Gute Überleitung zum „schlechten Part“ von Frank Jüttner, der „herausfordernde Zeiten“ prognostizierte, aber auch wieder steigende Verkaufszahlen durch eine Erholung der Konjunktur- und Einkommenserwartungen erwartet.
Laut VDM- und VdDK-Geschäftsführer Jan Kurth weist das VdDK-Auftragspanel in den Monaten Januar und Februar wertmäßig noch Steigerungen aus, während die Mengenentwicklung bereits rückläufig ist. 2022 stieg der AE der meldenden Küchenhersteller in Stück lediglich um 0,7 Prozent auf 23 Mio Schränke (rund 2 Mio Küchen). Der Umsatz erhöhte sich um 9,5 Prozent auf 6,242 Mrd Euro.

Zurück in den September

Elke Meyer (Hettich) als Sprecherin des Marketing-Arbeitskreises durfte die Botschaft überbringen, dass der „Tag der Küche“ nach einem November-Testlauf auf mehrheitlichen Wunsch der Mitglieder in den September zurückkehren wird. In diesem Jahr wird es der 30.9. sein. Weiteres wichtiges Datum: Am 10.5., zur Wirtschaftspressekonferenz der AMK, soll der „Ratgeber Küche“ als Neuauflage erscheinen – „neutral wie die Schweiz“, so AMK-Geschäftsführer Volker Irle. Heißt: Wie immer sind die Hersteller der Produkte nicht erkennbar. Markennamen sind nur auf den Sponsoring-Seiten genannt.
Peter Retemeier von Poggenpohl gab stellvertretend für die Fachgruppe Technik und Normung einen Überblick über die 17 laufenden Projekte, zu denen beispielsweise die Aufgabe zählt, einheitliche Nischenmaße für E-Geräte festzulegen oder eine gemeinsame Daten-Sprache, um Informationen über die Herkunft von Zulieferprodukten über die gesamte Lieferkette hinweg auszutauschen. Neue AMK-Merkblätter zu Möbelfertigteilen und Strängen sowie zu Möbelgriffen sind in Vorbereitung. Letztere seien in der Normung bislang noch überhaupt nicht abgebildet.

Verstärkung fürs Internationale

Einen immer höheren Stellenwert für die AMK-Mitglieder haben in den vergangenen Jahren Internationalisierungsthemen bekommen, bei denen in Zukunft Levin Sandmann als neuer Mitarbeiter in der Geschäftsstelle unterstützen soll. Neben Länderinfotagen – nächste Zielmärkte sind die afrikanischen Staaten Ägypten, Südafrika und Nigeria – gehört auch Unterstützung bei Auslandsmessebeteiligungen zu den Themen der Fachgruppe, die Sprecher André Dorner (Blum) vorstellte. An der Delegationsreise zur KBIS – auch wir Outsider waren ja in Las Vegas – haben 33 Leute teilgenommen; der German Pavilion war bestens gebucht. Klar, dass die KBIS auch im kommenden Jahr (vom 24. bis 27.2.2024) auf dem Plan steht. Gute Chancen hat auch ein Gemeinschaftsstand auf der „chinesischen Ifa“, der AWE in Shanghai.
Apropos China: AMK-China-Statthalter John Zhang sandte ein virtuelles Grußwort und wurde von Volker Irle vertreten. Oberstes Ziel der China-AG: Die deutsche bzw. europäische Küchenindustrie soll ihre Führungsrolle bei Normungsthemen weltweit behalten! In dem Zusammenhang werden die Eigenschaften „moderner Einbauküchen“ von der „AMK Academy“ künftig in zwei- bis fünfminütige Videos (auf deutsch, englisch und chinesisch) erläutert und geschult. Bei einem deutsch-chinesischen Recruiting-Tag wurden zudem in Form eines Speeddatings Studenten und Unternehmen gematcht.

Projektteam Fachkräftemangel

Fachkräfte braucht die Branche natürlich nicht nur in oder aus China. Ein neues AMK-Projetteam gegen den Fachkräftemangel hat erstmals im Januar darüber beratschlagt, wie man die Attraktivität von Berufen in der Küchenbranche steigern kann. Auf der Agenda steht aber auch die Information der Branchenunternehmen darüber, welche Kapitalfehler sie machen können, wenn sie sich um Mitarbeiter bewerben. Denn so rum muss man es ja heutzutage sehen.

KI-Wüste Europa

Als Gastredner hatte die AMK diesmal, passend zum Überthema ChatGPT den KI-Investor und -Experten Fabian Westerheide eingeladen, der seinen Vortrag zwar mit analogen Zetteln bewaffnet hielt, dabei aber sehr deutlich machte, wie stark Europa den USA und China in Sachen Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung hinterherhinkt: 130 Mrd Dollar hat der chinesische Staat vor wenigen Jahren kurzfristig für KI bereitgestellt. Die Methoden werden bereits aktiv eingesetzt, ohne jegliche Rücksicht auf Datenschutz. KI-Supermacht Nummer eins sind laut Westerheide die USA, wo die führenden Unternehmen beheimatet sind. „Wir haben in Deutschland nicht ein vergleichbares Unternehmen“, so der Speaker. Und fast noch schlimmer: „Die Politik in Europa nimmt das Thema nicht ernst. Falls ein Erwachen zu spüren ist, dann ist es ein sehr langsames.“ Um wieder den Bogen zur Küchenbranche zu spannen: Der Branchenverband, der die gesamte KI-Branche repräsentieren soll, hat laut Westerheide drei feste Mitarbeiter. Die AMK hat fünf.

  • Schlagzeile: Der Weg zur Kreislaufwirtschaft
  • H1: Von der Linear- zur Kreislaufwirtschaft: Ein Einwurf von Anna Goldhofer

Auf dem 4. INSIDE Branchen-Gipfel sprach die junge Industrie- und Werkstoffingenieurin Anna Goldhofer darüber, wie sich unsere Wirtschaft verändern muss. „Aktivismus innerhalb der Industrie“ war ihr Vortrag überschrieben, in dem die Münchnerin über ihre Motivation berichtete, ausgerechnet beim Autobauer BMW zu arbeiten. Wie passt das zusammen? Umweltaktivismus und BMW? Goldhofer, geboren 1993 in München, berichtete von ihrer Mission. Sie wolle mithelfen, die Wirtschaft von innen zu verändern. Zum radikalen Wandel zur Kreislaufwirtschaft gäbe es keine Alternative. Und auch, wenn auf dem Gipfel nicht jeder ihrer Meinung war, so wird sich jeder mit dieser Haltung immer öfter konfrontiert sehen. Bei BMW ist die Materialwissenschaftlerin als Expertin für Nachhaltigkeit in der Lieferkette an Bord, sie hat eine erste recycelbare Fußmatte mitentwickelt, die mittlerweile in vielen BMWs liegt. In der Zwischenzeit – seit dem letzten Gipfel – ist viel passiert. Goldhofer hat mit Mitstreitern das Netzwerk Critical Friends gegründet. Man sieht sich als junger, interdisziplinärer Think-Tank, als Plattform für Mentoring und Coaching. „Ich habe auch bei euch auf dem Gipfel gespürt, dass es eine große Bereitschaft bei Unternehmern gibt, nicht nur über Veränderung zu sprechen, sondern sie noch viel aktiver anzugehen. Viele wissen nur nicht, wann und wie sie das machen sollen“, sagt Goldhofer.

Es gibt keine Alternative, auch nicht mitten in der historischen Krise. Wir müssen die Wirtschaft verändern, jeder von uns. Jetzt.

Von Anna Goldhofer

Ich bin Teil einer Generation, die sich ernsthaft um die eigene Zukunft sorgt. Gleichzeitig bin ich Ingenieurin. Ingenieurin bei einem großen Automobilkonzern. Teil einer Industrie, die sowohl im Industrie- als auch im Verkehrssektor maßgeblich Treibhausgase ausstößt. Wie vereint man sowas? Ich nutze meine Unruhe über die Klimakrise und meine Bildung im Bereich Materialwissenschaften, um die Kreislaufwirtschaft voranzutreiben. Ich arbeite seit vier Jahren daran, Kreislaufwirtschaft zu ermöglichen, anfangs mit Fokus auf die Entwicklung kreislauffähiger Innenraumteile, seit einer Weile an Kreislaufwirtschaft für Lieferketten. Ich konnte bereits mehrfach zeigen, dass auch kleine Veränderungen durch große Stückzahlen eine immense Wirkung haben.

Meine Mission ist es, dabei mitzuhelfen, Industrien Richtung Pariser Klimapfad zu transformieren. Da es zahlreiche Industrien gibt und alle Teil des Wandels werden müssen, war ich im Mai auf dem INSIDE Branchen- Gipfel mit einem Impuls dabei – und melde mich hier an dieser Stelle wieder bei Ihnen, in schwierigen Zeiten, in denen Sie viele anderen Stressthemen im Kopf haben.

Doch am Ende ist die Klimakrise größer.

Im Pariser Klimaabkommen hat sich die Weltgemeinschaft verpflichtet, die Erderwärmung im Schnitt auf 1,5 Grad bis zum Jahr 2100 im Vergleich zu 1850 zu begrenzen. Laut Weltklimarat stieg die globale Durchschnittstemperatur bis 2019 bereits um 1,1 Grad. Aktuelle Berichte gehen sogar davon aus, dass das 1,5-Grad-Ziel schon bis 2026 überschritten werden könnte. Die Durchschnittstemperatur von 1,5 Grad bleibt dabei nicht unsere größte Sorge, denn auf Landflächen würde dies sogar eine Erwärmung von 3 Grad bedeuten. Hintergrund sind die starken Temperaturunterschiede verschiedener Regionen, der Jahreszeiten sowie zwischen Land und Wasser. Dass wir uns mitten in der größten menschengemachten Klimakrise befinden, bekommen wir nicht nur durch höhere Wasserpegelstände auf den Malediven zu spüren, sondern auch hier in Deutschland – und zwar heute, mit starken Auswirkungen auf alle Sektoren. Die Grafik des Bundesministeriums für Umweltschutz zeigt die drastischen Folgen und Entwicklungen der Klimakrise seit 1881 auf. Neben heftigen Hitze- und Dürreperioden nehmen auch Starkregen und Winterniederschläge von Jahr zu Jahr zu. Es braucht eine geballte Ladung an Kooperation und entsprechender Kommunikationskonzepte, um den Ernst der Lage richtig zu vermitteln.

UN-Generalsekretär António Guterres brachte es im Juli dieses Jahres so auf den Punkt: „We have a choice. Its either collective action or collective suicide. It is in our hands.”

Schluss mit extrahieren, herstellen, konsumieren, entsorgen

Damit die Minderung der Klimakrise auf globalem Level gelingt, braucht es auch die Wandlungs- und Innovationskraft der Industrie. Der aktuelle Bericht des Weltklimarats (IPCC) zeigt auf, dass sich die Emissionen aller Industrien besonders durch die konsequente Einführung der Kreislaufwirtschaft und die Elektrifizierung von industriellen Prozessen reduzieren können und müssen.

Der aktuell noch beständige Weg unserer Produktions- und Konsummuster gleicht einer Einbahnstraße: extrahieren, herstellen, konsumieren, entsorgen. In der Linearwirtschaft werden Ressourcen und Rohstoffe gefördert, verarbeitet und für einen bestimmten Verwendungszweck genutzt. Nach Ablauf der Produktlebensdauer werden diese Produkte entsorgt, teils thermisch verwertet (verbrannt) oder gar nur deponiert. In einer Welt mit endlichen Ressourcen wird schnell deutlich, dass für diese Wirtschaftsform ein Kollaps vorprogrammiert ist.

Die Produkte, die wir heutzutage noch aus fossilen Rohstoffen produzieren, sind nicht nur begrenzt und für die Wiederverwertung unbrauchbar, sondern auch ihre Gewinnung und Aufbereitung ist gezeichnet von drastischen Umwelt- und Sozialrisiken. Die Mengen an Energie, Wasser und Land gehen somit von Tag zu Tag verloren und schließen sich keinem Kreislauf mehr an. Dass die Primärrohstoffförderung und -verarbeitung dadurch rund 50 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verursacht, wird schnell deutlich.

Weltweit mangelt es durch das lineare Wirtschaftssystem zusätzlich an einer hochwertigen Entsorgung. Tatsächlich werden nur 9 Prozent des weltweiten Plastikmülls recycelt. 12 Prozent werden verbrannt. Die restlichen 79 Prozent verbleiben entweder auf Mülldeponien oder landen fälschlicherweise im Meer. Man denkt dabei oft an klassische Verpackungen, aber es geht auch allgemein um die Prozessschritte in der Industrie, die verschiedenste Abfälle absondern: Verschnitt, Produktionsabfälle, Produktionsüberschüsse, Logistikequipment. Allein in Deutschland bildeten Abfälle aus Produktion und Gewerbe mit rund 50 Mio Tonnen im Jahr 2019 die zweitbedeutendste Abfallgruppe.

Die Auswirkungen der linearen Wirtschaft sind tiefgreifend und heute bereits unumkehrbar, sowohl für die Ökosysteme als auch für die Gesellschaft. Beispiele reichen von der massiven Verschmutzung der Gewässer, Böden und Luft bis zum Zusammenbruch ökologischer Stoffkreisläufe. Hinzu kommt die Verknappung von Rohstoffen, die die Preise steigen lässt und immer wieder Anlass für geopolitische Auseinandersetzungen bietet.

Um unser globales Wirtschaftssystem generationengerecht und klimaneutral zu machen, führt kein Weg an der Circular Economy vorbei. Die Kreislaufwirtschaft ermöglicht einen verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen unseres Planeten und fördert damit den Schutz unserer Gesellschaft und vor weiteren geopolitischen Krisen. Diese Wirtschaftsweise nutzt Ressourcen effizienter und verhilft die Emissionen in allen Stufen der Wertschöpfungskette drastisch zu verringern. Dies geschieht durch die Schließung von Material- und Energiekreisläufen über die Produktion, Nutzungsphase und Verwertung von Produkten, die Steigerung von Material- und Produkteffizienz und die Verlängerung der Lebensdauer von Materialien und Produkten.

Wie gelingt das?

Es gibt eine Vielzahl von Hebeln auf dem Weg in die Circular Economy. Einige Anreize, die auch für die Küchen- und Möbelbranche relevant sind, dort sicher schon eine große Rolle spielen, aber eben nicht bei jedem, will ich an dieser Stelle vorstellen:

1. Grünstrom

Grünstrom ist der größte und direkteste CO2-Hebel, der uns zur Verfügung steht. Auf dem Weg raus aus fossilen Energieträgern hin zu einer klimaneutralen Zukunft müssen auch Unternehmen auf Strom aus erneuerbaren Energien setzen. Die Beschaffung von Grünstrom am Markt ist ein einfacher Schritt, der Aufbau eigener Energiequellen und Effizienzmaßnahmen sowie die Verankerung von Grünstrom in Zulieferverträgen baut darauf auf.

2. Zero-Waste-Design

Durch intelligente Verarbeitungstechniken kann heute bereits viel Verschnitt reduziert werden. Das Prinzip des Zero-Waste- Designs geht einen Schritt weiter und integriert diesen Gedanken bereits in die Designphase. Wie können Produkte so gestaltet werden, dass möglichst wenig oder gar kein Abfall entsteht? Ein Design, das zudem zeitlos ist, das nicht aus der Mode gerät, das bleibt? Das Gegenteil von geplanter Obsoleszenz.

3. Richtige Materialauswahl

Sollten Verschnitt oder Abfall dennoch unvermeidbar sein, ist eine kreislauffähige Materialauswahl essenziell. Bereits in der Design- und Entwicklungsphase von Produkten muss eine verwertungskompatible und damit kreislauffähige Materialauswahl berücksichtigt werden. Kreislauffähige Materialauswahl kann beispielsweise bedeuten, dass Materialien mit dem Zweck der Wiederverwendung eingeschmolzen und aufbereitet werden können. Dies geht typischerweise mit einer starken Reduktion der Materialvielfalt einher. Außerdem ist die Berechnung der CO2-Bilanz bei der Bewertung verschiedener Materialien hilfreich. Stoffe mit schlechter Ökobilanz können dadurch erkannt und durch nachhaltigere Alternativen substituiert werden. Ein Beispiel ist die Substitution von Leder oder Schaum durch innovative, neue Alternativen oder der Einsatz von Sekundärmaterial im Bereich der Metalle.

4. Design for Disassembly

Produkte lassen sich so entwickeln, dass relevante Einzelkomponenten einfach, schnell und wirtschaftlich sinnvoll voneinander lösbar sind. Beispielsweise durch schnell lösbare Verbindungen. Dadurch ist es möglich, hochwertige Teile für einen separaten Verwertungsprozess auszubauen. Auch im Schredder- und Sortierprozess ist so eine maximale, hochwertige Materialausbeute aus den Reststoffen zu erreichen. Ikea verfolgt diesen Ansatz im neukonzipierten, nagelfreien Billy-Regal, das durch Schnappverschlüsse ein einfaches und materialreduziertes Verbindungskonzept darstellt.

5. Reparatur- bzw. Erweiterungsoptionen

Die Integration oben genannter Design-Prinzipien ermöglicht auch vereinfachte Reparatur- und Erweiterungsoptionen. Arbeits- und Ersatzteilkosten können dadurch gering gehalten werden und gewinnen an Attraktivität. Mit entsprechenden Serviceverträgen können Hersteller und andere Anbieter zu einer Verlängerung der Nutzungsdauer beitragen und profitieren dabei von hoher Kundenbindung. Ein Beispiel wäre das Konzept einer „mitwachsenden Küche“, die Veränderung von Geschmack sowie Wohnsituation durch leichte Demontage sowie Update und Erweiterungsmodule inklusive der Serviceleistung zulässt.

6. Rückwärtslogistik

Neben dem Produktentstehungsprozess ist auch der Aufbau eines Rücknahme- und Recyclingnetzwerks unabdingbar für eine funktionierende Circular Economy. Unter Rückwärtslogistik versteht man die Rückführung von Materialien und Produkten zurück zum Hersteller oder Händler mit dem Ziel: Reparatur, Aufbereitung oder Recycling. Vorerst gilt es Ausschüsse der Produktion im Kreislauf zu halten, hier ist der Hebel oft sehr direkt und weniger komplex. Die Rückführung von Produkten vom Ort des Verbrauchs ist heute häufig noch kein Bestandteil der aktuellen Geschäftsmodelle, jedoch nötig, um kreislauffähige Produkte am Ende auch zu recyceln. Die Komplexität lässt sich durch eine enge Zusammenarbeit mit der Recyclingindustrie in den Griff bekommen. In Zeiten von Verfügbarkeitsengpässen und steigenden Preisen bei Primärrohstoffen ist die Etablierung von Kreisläufen ein wirtschaftliches Muss und langfristig kostensparend.

7. Sharing is Caring

Eine funktionierende Rückwärtslogistik existiert oft bereits in Sharing- Modellen. Im Bürobereich wird geteilt durch Mietmodelle und Co-Working-Spaces. Anstatt Produkte zu verkaufen, werden die Funktion und der Nutzwert der Dienstleistung, die das Produkt erbringt, verkauft. Das Produkt wird also lediglich zur Verfügung gestellt und kann so über bisherige Grenzen hinweg zirkulieren. Bekannt sind Modelle wie das Leasing und Pay-per-Use oder Payper- Result. Beim Leasing entrichtet der Leasingnehmer zumeist monatliche Geldbeträge an das Leasingunternehmen, um das Produkt nutzen zu dürfen. Pay-per-Use- oder Pay-per-Result-Modelle sind etwas komplexer in der Umsetzung. Kunden bezahlen dabei nicht nach Zeit, sondern gemessen daran, was tatsächlich verbraucht wurde. Für Kunden sind Mietprodukte bei kurzer Nutzungsdauer preisgünstiger. Der Handel spart Produktionskosten und verdient durch die Mietgebühr an einem Möbelstück gleich mehrere Male. Darüber kann durch Mietverträge eine langfristige Kundenbindung erreicht werden.

Es geht nur zusammen

Um als Industrie eine Circular Economy zu erreichen, ist eine enge Zusammenarbeit der Branchen, aber auch der gesamten Lieferkette nötig. Auch die Integration neuer Partner, Recyclingunternehmen oder digitaler Tools, zum Beispiel zur Kennzeichnung und Rückverfolgung von Produkten, wird das Ziel einer klimagerechten Wirtschaftsweise erreichbarer machen.

Aus Sicht der Verbraucher wird das Angebot von nachhaltigen Produkten in Zukunft kein Alleinstellungsmerkmal mehr sein, sondern ein Muss. Dass auch der Kapitalmarkt nachhaltige Unternehmen präferiert, ist längst kein Geheimnis mehr. Auch am Arbeitsmarkt ist das Thema Nachhaltigkeit angekommen. Studien zeigen, dass insbesondere jüngeren Menschen der Sinn bei der Berufs- und Firmenwahl oftmals wichtiger ist als die Bezahlung.

Und wir sollten positiv bleiben: Der Bericht zeigt, dass es noch möglich ist, das Ziel zu schaffen, die Erderwärmung nicht über 2 Grad steigen zu lassen. Das geht aber nur, wenn sofort gehandelt wird und entsprechende Vorgaben und Richtlinien nicht umgangen werden. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren. Lassen Sie uns also mit aller Kraft in Richtung klimagerechte und generationengerechte Nachhaltigkeit wirken. Handel und Industrie, also Sie, können die nötigen Lösungen schaffen und heute schon nutzen. Jeder und jede kann im direkten Verantwortungsbereich und darüber hinaus Veränderung treiben! Auch kleine Verbesserungen machen sich durch hohe Stückzahlen stark bemerkbar. Große Veränderungen können ganze Märkte aufrütteln. Wir brauchen beides.

Um nochmal auf Guterres‘ Worte zu verweisen, lassen Sie uns die Option „collective action“ wählen. Dafür braucht es Mut, Engagement und vor allem Schnelligkeit auf allen Ebenen sowie die einfache Erkenntnis, dass die Industrie nicht aus irgendwem, sondern uns allen besteht.

 

Critical Friends

Reden  über  Ideen  für  die  Zukunft mit denen, die die Zukunft wirklich betrifft.

29 Jahre ist Anna Goldhofer alt. Sie ist Materialwissenschaftlerin, arbeitet bei BMW, hat als Umweltaktivistin ein großes Netzwerk in den sozialen Medien. Auf dem Gipfel und nun in diesem Spezial haben viele Möbelmacher Goldhofer bereits kennengelernt. Zusammen mit jungen Mitstreitern, die sich allesamt aktiv für neues Denken in der Wirtschaft einsetzen, viele auch in Jobs in großen Unternehmen, ist Goldhofer gerade dabei, eine gemeinnützige Gesellschaft zu gründen, also eine GmbH, die Critical Friends GmbH.

Gesellschaftswissenschaftler:
Jasper Deindl

Wer sind die Critical Friends? Was haben sie vor? Goldhofer sagt es so: „Ich habe das zuletzt sehr oft gespürt und meinen Mitstreitern geht es genauso: Viele Manager und Unternehmer in verantwortlichen Positionen sind mittlerweile durchaus offen für Veränderung. Eigentlich ist es fast jedem klar, dass es so nicht weitergehen kann. Aber viele wissen dann nicht genau, wo sie anfangen sollen. Oder wie sie auf ihrem Weg, den sie bereits eingeschlagen haben, nun besser weiterkommen. Hier würden wir sehr gerne als Sparringspartner helfen. “

Projektleiterin und  Marketingexpertin:
Lena Laaser

Zusammen mit zwei Partnern und zehn weiteren Mitstreitern geht es los. Die Critical Friends sehen sich als Coaching- und Mentoring-Partner, kommen gerne in Firmen zum Gespräch, gehen auf Tour durch die Natur mit Mana-gern, die auf der Suche nach Input und Impulsen sind. Goldhofer: „Wir machen das nicht, weil wir damit Geld verdienen wollen. Das ist eine Non-Pro-fit-Sache. Wir machen das, weil es gebraucht wird, da bin ich mir sicher.“

Ehemalige deutsche UN-Jugenddelegierte für nachhaltige Entwicklung und SDG-Expertin:
Rebecca Freitag

Alle Infos zum neuen Netzwerk finden Sie hier: www.critical-friends.org. Auf ihrer Plattform formulieren Goldhofer und ihre Mitstreiter ihre Motivation so: „Wir stehen vor globalen Herausforderungen, für die wir keine Lösungen kennen. Herausforderungen wie die Klimakrise und ihre Auswirkungen von sozialer Ungleichheit über Krieg, Flucht, Migration und Ressourcenknappheit. Es wird deutlich: Wir haben es nicht geschafft unseren Planeten und alle Lebewesen darauf zu erhalten, um damit unsere Zukunft zu schützen. Diese Herausforderungen erfordern ein neues Denken und Handeln. Sie hebeln Prinzipien der ,alten Weisheit‘ aus. Wir brauchen neue Ideen für unsere gemeinsame Zukunft. Eine Zukunft die der Gen Y, Z, Alpha und allen anderen nachfolgenden jungen Erwachsenen gehört. Sie sind die Wahlberechtigten, Politiker*innen, Entscheider*innen, Arbeitnehmer*innen, Arbeitgeber*innen und Konsumenten*innen von morgen. Heute sind Sie die wert-vollen Impuls- und Ideengeber*innen und weisen neue Wege, um Lösungen zu finden. Critical Friends ist ein Non-Profit und hat sich aus der Vision heraus gegründet, diesen jungen Erwachsenen eine Stimme zu geben. Mit unserem Think Tank, unserem Mentoring & Coaching Programm und unseren Impulsen für Unternehmen ermöglichen wir ihnen einen Sitz am Tisch und fördern zielgerichtetes sowie lösungsorientiertes Denken und Handeln.“

Wirtschaftswissenschaftlerin mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit:
Andrea Kostrowski

  • Schlagzeile: Neue Produktion

Der 2018 gegründete Herforder Plasmafilter-Lieferant Avitana, der unter der Marke „Aira“ namhafte Hauben- bzw. Muldenlüfter-Hersteller beliefert und unter dem Label „by Avitana“ auch komplette Systemlösungen vertreibt, wird die Produktion in diesem Jahr in die Nähe seines Firmensitzes verlegen. „Ein neuer Fertigungsstandort nahe dem Firmensitz steht mit erweiterter Produktion am Start, neue Produkte und Einsatzfelder für Filtersysteme werden vorbereitet“, heißt es dazu aus Herford. Mit Details hält man sich noch bedeckt.

Auf „Europa-Tournee“ gehen will Avitana in diesem Jahr  mit einem Transporter, in dem die Plasmafilter Aira Rondo, Plano, Quadro und Quadro L präsentiert werden.

2022, das erst fünfte Geschäftsjahr, startet mit einer Listungsaktion für die Termacook-Marke Benthaus. Benthaus by Avitana – neben der Partnerschaft zu Galvamet – eine noch junge Markenkooperation für Induktionskochfelder mit und ohne Downdraft-Systeme setzt auf wertige Komplettlösungen im Bereich Kochen. Im Mittelpunkt der Aktion im ersten Quartal stehen die Benthaus-Kochfelder „Kristall“ und „Rubin“, die mit Umluftset und Avitana Aira-Plasmafilter ausgestattet sind.

Avitana hat nach eigenen Angaben jährlich ein Umsatzwachstum im zweistelligen Prozentbereich erzielt.

  • Schlagzeile: Doppelpass
  • H1: Baumann/Hettich: „Unsere Ressourcen sind noch viel zu günstig“

Im vergangenen Jahr waren auf dem Titelbild des INSIDE Spezial Küche 6 zwei ostwestfälische Unternehmer abgedruckt: Dr. Andreas Hettich, Gesellschafter und Beiratsvorsitzender des Beschlagriesen Hettich-Unternehmensgruppe, und Delf Baumann, Inhaber des Küchenmöbelproduzenten Baumann Group.

Beide haben die Geschäftsführung ihrer Firmen früher als man erwarten könnte anderen überlassen und haben in einem großen Doppel-Interview – im Sommer 2021 traf man sich im Hettich Forum in Kirchlengern – über ihre Beweggründe und ihre neuen Aktivitäten gesprochen. Beide haben Interesse an Themen wie regenerative Energien, Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit. Und beide haben Freude daran, neue Ideen anzuschieben.

Das Doppel vom letzten Jahr kam gut an. Im Markt, bei uns in der INSIDE-Redaktion und nicht zuletzt bei den Protagonisten selbst. So gut, dass wir uns entschlossen haben, an diese Konstellation anzuknüpfen. Delf Baumann und Dr. Andreas Hettich sind eines von drei Duos, mit denen die Outsider Eva Ernst und Simon Feldmer für den Titelkomplex des Mitte September erschienenen INSIDE Spezial Küche die Fragen diskutiert haben: Was kommt nach dem Boom? Muss Wirtschaft immer wachsen?

INSIDE: Selbst in konservativen Kreisen ist man inzwischen der Meinung: So wie in den letzten 20 oder 30 Jahren können wir nicht weitermachen. Viele junge Leute wollen nur noch in Unternehmen arbeiten, die eine Mission haben oder zumindest Ökologie und Soziales mit bedenken. Sie sind beide Unternehmer. Wie stellen Sie sich dieser Diskussion? Nehmen Sie die auch so wahr?

Delf Baumann: Diese Diskussion ist wichtig und wird auch permanent geführt. Ich habe vor 42 Jahren Abitur gemacht. Damals haben wir schon den Bericht des Club of Rome gelesen und uns genau mit diesen Fragen beschäftigt. Die Diskussion gibt es also schon viel länger als 20 oder 30 Jahre. Wir wissen alle, dass die Ressourcen, von denen wir leben, begrenzt sind. Da ist es mathematisch logisch, dass es kein unbegrenztes Wachstum geben kann. Deshalb finde ich es auch klasse, dass Sie diese Diskussion anregen und ich jetzt die Möglichkeit habe, mit Dr. Hettich, auch einem Praktiker, Gedanken auszutauschen. Die Frage ist, wie wir dieses Wachstum stoppen können, denn wir wachsen ja nicht um des Wachstums willen, sondern Ziel ist die Existenzsicherung unserer Unternehmen.

Dr. Andreas Hettich: Aus meiner Sicht ist nicht Wachstum das Problem, sondern der Ressourcenverbrauch. Es gibt viele Dinge, die ohne Ressourcenverbrauch wachsen können: Gesundheitsversorgung, erneuerbare Energie, Bildung. Im Übrigen ist Wachstum ein ganz natürliches biologisches Phänomen. Wachstum ist essenziell auf der Einzelebene. Ich glaube schon, dass auch wirtschaftlich die meisten Systeme durchaus wachsen müssen und dass das auch gut so ist. Wachstum heißt auch sich weiterentwickeln, wenn man den Begriff etwas weiterdenkt. Im wirtschaftlichen Sinne kommt alles zusammen – ob ich mehr Müll produziere oder mehr Bildung oder mehr Wohlbefinden, all das geht in die Zahlen ein, unabhängig von der Qualität. Wie Herr Baumann zu Recht sagt, sind die Ressourcen begrenzt. Der größte Ressourcenverbraucher bei uns auf der Erde ist mit Abstand die Bauwirtschaft, sowohl was Materialien angeht als auch was Energieverbrauch angeht.

Das betrifft schon fast unmittelbar die Möbelbranche.

A.H.: Ja. Wenn wir es als Möbelindustrie oder auch Beschlaghersteller schaffen, über intelligente Lösungen den Quadratmeterbedarf pro Person zu senken, weil wir den Raum intelligenter nutzen, würden wir enorm Ressourcen in der Bauwirtschaft einsparen. Das würde bei uns zu Wachstum führen, bei anderen vielleicht zu Schrumpfen.

D.B.: Als ich zu dieser Diskussion eingeladen wurde, habe ich mich gefragt: Woher kommt eigentlich dieser Drang oder gar Zwang zu ständigem Wachstum? Ich frage mich für mein Unternehmen, warum wollen wir immer wachsen? Was würde passieren, wenn ich meinem Vertrieb heute sagte: Einfach nur das halten, was wir heute haben? Die Menge, nicht den Euro. Die würden mich für verrückt erklären, aber damit könnte ich leben. Das Problem ist, dass jedes Unternehmen jedes Jahr auch Umsätze verliert, und kleiner dürfen wir nicht werden. Kleiner werden bedeutet Probleme mit den Fixkosten. Weil ich aber nicht weiß, wie viel ich verliere, muss ich möglichst viel dazugewinnen, um die Verluste zu kompensieren.

Aber das kann ja nicht ewig so weitergehen.

D.B.: Das wird auch nicht ewig so weitergehen. Es wird dann irgendwann eine Veränderung geben. Aber wie das funktioniert, das kann ich nicht sagen.

Oder Sie machen es so, wie Dr. Hettich vorschlägt. Sie wachsen ressourcenschonender und setzen auf Innovationen, die weniger Ressourcen verbrauchen.

D.B.: Auch, wenn ich die Ressourcen schonender verbrauche, komme ich irgendwann an das Ende der Ressourcen.

A.H.: Wachstum ist ja auch ein wettbewerbliches Prinzip. Uns in Deutschland geht es ziemlich gut, aber vielen Menschen auf der Welt eben nicht. Unser Unternehmensziel ist es, möglichst vielen Menschen auf dieser Erde gutes Leben zu ermöglichen, gute Einrichtungen, gute Arbeitsbedingungen. Mit welchen Ressourcen schaffen wir das? Möbel muss ich aus Materialien bauen, das geht nicht digital und ressourcenfrei. Wir können also nur schauen, dass wir mit Ressourcen arbeiten, die nachwachsend oder recyclebar sind. Ich setze relativ stark darauf, dass wir eine Ressourcenverschiebung bekommen. Das Thema Ressourcenkrise – wir tun immer so, als wäre das neu. Vor Hunderten von Jahren stand in England schon die Todesstrafe darauf, einen Baum zu fällen. Damals hatte das Land einen Holzverbrauch pro Jahr, der einem Viertel der Landfläche Englands entsprach. Aus der damaligen Energiekrise ist die Kohleförderung entstanden. Krisen fördern auch immer neue Lösungen.

Gilt das auch für die heutige Lage?

A.H.: Das heutige Energieproblem halte ich für technisch absolut lösbar, wenn wir uns auch organisatorisch an gewissen Stellen schwertun. Es gibt genug Energie, die wir nur nutzen müssen. Auch bei den Ressourcen kommt es darauf an, dass wir sie erst einmal besser nutzen. Ein Grundproblem ist heute – das mögen viele vielleicht nicht hören: Unsere Ressourcen sind nach wie vor viel zu günstig. Recycling lohnt sich heute eigentlich nicht. Je teurer Materialien sind, desto mehr lohnt es sich wirtschaftlich, vernünftig damit umzugehen. Ein weiteres Grundproblem ist, dass die Ressourcen der Welt nicht der Gemeinschaft gehören, sondern wenigen, die durch die aktuellen Preise immer noch unendlich reich sind.

Wie weit sind Sie denn beide in Ihren Unternehmen bei Kreislaufwirtschaft und Recyclingfähigkeit? Seit wann machen Sie sich über solche Themen Gedanken? Und wie sehen Sie da die Szenarien für die nächsten Jahre?

A.H.: Damit beschäftigen wir uns schon länger. Beim Thema stoffliches Recycling haben wir als Beschlaghersteller Glück, dass unser Hauptmaterial Stahl extrem gut recyclingfähig ist. In dem Stahl, den wir einkaufen, ist schon heute ein nicht unerheblicher Schrottanteil enthalten. Die Recycling-Quote bei Metall ist hoch. Beim Blick auf die gesamte Möbelbranche ist die Wiederaufarbeitung deutlich schwieriger. Es gibt recht lange Produktlebenszyklen. Eine aufgearbeitete Küche von vor zwanzig Jahren wird wahrscheinlich deutlich teurer sein als eine neue Küche von heute. Das steht dem im Wege und hat auch mit dem Verhältnis zwischen Kosten für Arbeit und Kosten für Material zu tun.

D.B.: Im Idealfall würden bei einer Küche, die entsorgt wird, die Beschläge aussortiert und recycelt. Unser Hauptrohstoff Holz wächst sogar nach. Aber wir brauchen natürlich auch eine Menge Ressourcen, die eben nicht nachwachsen, etwa Diesel für unsere LKW. Dafür habe ich heute keine Lösung. Natürlich machen wir uns im Unternehmen auch seit einigen Jahren Gedanken zum Thema Fotovoltaik und regenerative Energie und so weiter. Es gibt aber noch keine wirklich befriedigenden Lösungen. Ich hoffe, dass wir in nächster Zeit ein Stück weiterkommen.

Wodurch kommen denn Anstöße für solche Veränderungen? Geht es um die gute Sache oder wäre es wirtschaftlich sinnvoller? Sind es gesetzliche Regelungen?

D.B.: Diese Anstöße kommen, weil ich als Unternehmer und großer Ressourcenverbraucher die Pflicht habe, mich auch mit diesen Dingen auseinandersetzen. Ich erinnere mich an ein Seminar im Studium zu den Kosten des Umweltschutzes. Damals wurde schon sehr leidenschaftlich diskutiert, dass das Bruttoinlandsprodukt eine völlig falsche Maßzahl ist, um die Wirtschaftsfähigkeit oder Leistungsfähigkeit eines Landes zu beurteilen. Mich beschäftigen solche Themen schon immer. Momentan wird das natürlich noch beschleunigt durch die Popularität dieser Gedanken, klar. Und ich habe zwei Kinder, die mich auch fragen, was machst du eigentlich?

A.H.: Die Anstöße kommen aus allen Richtungen. Es gibt Anstöße aus dem regulatorischen Bereich, natürlich auch von Mitarbeitern aus dem Umfeld, aber auch von mir selber. Wir haben schon viel umgesetzt. Wir haben als klares Ziel CO2-neutrale Standorte bis 2025. Für die komplette Supply Chain geht das nicht so schnell. CO2-freien Stahl haben wir schon in ersten Chargen eingesetzt, aber er ist noch nicht ausreichend verfügbar. Wir setzen auch ausschließlich Ökostrom ein in unseren Werken. Aber einen großen Teil des CO2-Abdrucks machen die An- und Abfahrten der Mitarbeiter aus. Der Wandel kann nur gemeinsam gelingen. Ein Unternehmen kann den Mitarbeitern nicht vorschreiben, wie sie zur Arbeit kommen. Ich kann da nur Angebote liefern wie Jobrad oder Ladestationen für Elektroautos. Das Umweltmanagement in der Hettich-Gruppe gibt es seit 30 Jahren. In dieser Zeit haben wir den Energieverbrauch pro Tonne Produkt um über fünfzig Prozent gesenkt. Am Ende müssen wir noch viel weiter, es sind viele langfristige Maßnahmen. Man lernt auch auf dem Weg und ist auch mal in Sackgassen gegangen.

Wo zum Beispiel?

A.H.: Um weniger Material einzusetzen, haben wir Laserschweißen eingesetzt. Dadurch kann mit weniger Stahl Stabilität erreicht werden. Auf der anderen Seite ist es sehr energieintensiv. Deshalb gehen wir jetzt wieder ein Stück weit zurück und nutzen andere Fügeprozesse, die weniger energieintensiv sind, aber wieder etwas mehr Stahl benötigen. Man geht durchaus mal in falsche Richtungen, aber ich bin grundsätzlich optimistisch, dass wir uns nach vorne bewegen. Die ganz großen Lösungen werden wir allerdings nur erreichen, wenn wir stärker in der Gesamtkette arbeiten. Wie Herr Baumann schon sagte: Bei der Logistik gibt es noch viel Luft. Es gibt heute noch nicht wirklich gute Lösungen für durchgängige Transporte.

D.B.: Und wenn man bei einem Küchenhändler in Süddeutschland an der Rampe steht, stehen dort auch mal drei Sattelschlepper mit Herforder Kennzeichen nebeneinander und jeder lädt nur eine oder zwei Küchen ab. Das ist ökologisch eine Katastrophe. Hier könnte man schnell ansetzen, ohne auf technische Innovationen zu warten. Da geht es eher um Organisation und ums Wollen. Aber diese Überlegung in die Praxis umzusetzen, halte ich für sehr schwierig. Dazu braucht es Vertrauen, wenn mehrere Hersteller die Logistik gemeinsam angehen.

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  • Schlagzeile: Virtueller Schnack
  • H1: Berbel: Markus Wegmann und Daniel Bischoff im INSIDE Küche Talk

85 Mio Euro Umsatz mit Dunstabzugshauben, die Mitarbeiterzahl in vier Jahren um 100 aufgestockt. Berbel Ablufttechnik aus Rheine, Tochtergesellschaft der Schweizer Wesco, hat in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung durchgemacht.

Outsiderin Eva Ernst hat sich mit Vertriebsleiter Markus Wegmann und Daniel Bischoff, Leiter der Berbel-Akademie auf einen virtuellen Kaffee getroffen. Hier geht’s zu 15 Minuten Infos und Smalltalk als Podcast. Und hier zum Video:

  • Schlagzeile: Talk zur Lage

Der Abbau von Lagerbeständen im Handel in Kombination mit der Nachfrageabkühlung im Küchenmarkt nach ein paar heißen Jahren sorgen momentan auch bei Blanco für einen Auftragsrückgang im deutschsprachigen Raum. Die Stimmung war trotzdem ganz gut im kurzen INSIDE Küche-Talk zum Jahresstart, für den sich DACH-Chef Torsten Neelen und sein Vertriebskollege Manuel Hopf Anfang dieser Woche Zeit genommen haben.

Aktuell wird Blancos im Herbst vorgestellte Multi Frame Unit an den Handel ausgeliefert. In Oberderdingen hat man festgestellt: Während Standard-Produkte in den Ausstellungen der Händler momentan eher nicht erneuert werden, lassen sich außergewöhnliche, höherwertige Produkte, die für einen guten Durchverkauf sorgen können, durchaus platzieren. Den neuen Wettbewerb im Bereich Wasserplatz sieht man sportlich: Das misst der Produktkategorie zusätzliche Bedeutung bei.

Die Viertelstunde mit Neelen und Hopf auf Zoom gibt’s hier als Podcast und hier im Video:

  • Schlagzeile: Über den Tellerrand

Bora-Gründer Willi Bruckbauer hat den Hausgeräte- und Zubehörmarkt im vergangenen Jahrzehnt mächtig durcheinandergewirbelt. Er hat mit Bora nicht nur viele Fans im Fachhandel gewonnen, sondern sich auch mächtig Gegenwind aus dem Wettbewerbs-Umfeld eingefangen. Wenn man sich den neuen Antritt Bruckbauers im Backofen-Business anschaut, kann man nur einmal mehr das Gefühl haben, dass der Rennrad-Sportler sich genau im Gegenwind besonders wohl fühlt. Ein INSIDE-Interview mit dem kreativen, mutigen, trotzigen und durchtrainierten bayerischen Unternehmer-Wadlbeißer Willi Bruckbauer.

INSIDE:Wir waren im Juni auf denBora Inspiration Days zu Gast in Raubling. Sie haben eine beeindruckende Präsentation abgezogen, inklusive einer ganzen Stunde freie Rede. Über zwei Wochen, jeden Abend für je über 100 Gäste. Wie haben Sie die Inspiration Days in Erinnerung?

Willi Bruckbauer: So lange sind die Inspiration Days noch nicht her. Das war eine tolle Erfahrung, ein neues Erlebnis für uns. Durch Corona hatten wir unsere Partner auch länger nicht mehr alle gesehen. Nun waren viele sogar anderthalb Tage bei uns. Das kannten wir so noch gar nicht. Das war unglaublich intensiv. Ich habe jeden Abend die Gäste persönlich begrüßt, meine Vision und unseren Weg beschrieben. Ja, was soll ich sagen? Das war schon ein Ding. Auch anstrengend, aber am Ende unglaublich bereichernd.

Jetzt sind Sie mit Ihrem Team und neuem Flexbackofen Bora X Bo auf dem Weg zurArea30 in Löhne: Wie sind bislang die Reaktionen auf den neuen Bora-Backofen ausgefallen?

Durchweg gut und ermutigend. Die allermeisten unserer Handelspartner haben den X Bo bereits bestellt und werden ihn bald in der Ausstellung stehen haben.

Angesichts der bekannten Probleme auf dem weiten Feld der Materialien und Zulieferprodukte: War es riskant, die Auslieferung des neuen X Bo den Fachhändlern für vor Weihnachten zuzusagen? Können Sie das halten?

Das meiste, was wir bislang versprochen haben, hat geklappt. Natürlich sind wir auf Zulieferteile angewiesen und müssen uns hier nach der aktuellen Marktsituation richten, was den Liefertermin auf Juni 2022 verschoben hat. Aktuell sind wir dabei, das Feedback aus dem Handel umzusetzen und den X Bo weiter zu optimieren. Wir hören immer gerne zu. Wir sind auf jeden Fall beschäftigt mit dem Finale des X Bo in der Entwicklung und geben alles, damit seine Performance baldmöglichst in den Ausstellungen live erlebt werden kann.

Dann startet die große Kampagne also später und nicht zu Weihnachten, wie ursprünglich geplant.

Wir haben da sehr viel vor. Im Fernsehen, im Netz, auf allen Kanälen. Der Bora X Bo wird für Furore sorgen.

Muss er auch. Ihr iPhone-Backofen kostet 6.000 Euro. Wer ist die Zielgruppe für so einen teuren Ofen?

Jeder, der wieder so gut kochen will wie damals die Oma. Das ist ein Profigerät für den Privathaushalt, natürlich erstmal für eine spitze Zielgruppe. Aber wir haben hier in den nächsten Jahren viel vor und alle Chancen, auch in andere Preissegmente vorzudringen.

Der X Bo wird, wie die klassischen Bora-Produkte, sowohl bei Ihren Partnern aus dem Fachhandel stehen wie auch auf der Großfläche. Wir waren ein wenig erstaunt, dass wir einige Kunden aus der Großfläche auf den Inspiration Days in Raubling gesehen haben. Da sind in den vergangenen sieben Jahren einige dazugekommen, korrekt? Am Anfang war daHöffner. Heute sind das einige mehr aus der Großfläche. Der Spagat gelingt?

Vor sieben Jahren – das schätze ich jetzt mal – war die Firma wahrscheinlich zehn Prozent so groß wie heute. Eine ganz pauschale Schätzung, aber so ganz grob müsste das passen. Und demzufolge sind wir sehr gut gewachsen, natürlich speziell im Fachhandel, aber genauso auch im Möbelhandel. Darauf sind wir auch sehr stolz. Für uns ist jeder Kunde gleich viel wert. Und wir bedienen jeden Kunden mir größtmöglichem Einsatz, egal, wie groß er ist.

Das hört sich nach einem hehren Ziel an. Ist das in der Praxis auch durchzuhalten? Es ist ja oft schon so, dass das im Fachhandel nicht ganz so euphorisch begleitet wird, wenn Großkunden dieselbe Marke führen. Ist das jetzt bei Ihnen kein Problem: Möbelhandel und Fachhandel?

Nein. Wir leben unseren Gleichbehandlungsgrundsatz. Das ist vielleicht auch der Grund, warum wir im Möbelhandel oder in der Großfläche am Anfang vermeintlich nicht so gut vorwärtsgekommen sind. Aber der Endkunde gibt ja den Vertriebskanal vor. Und wenn der Endkunde nach Bora fragt – dann wird auch der großflächige Möbelhandel reagieren. Inzwischen ist es eben so, dass Bora eine dann doch gut bekannte Marke ist und somit auch überall nachgefragt wird. Und das Sortiment wollen wir eben da anbieten, wo der Kunde gedenkt, sich eine Küche zu kaufen.

Wie bekannt ist denn die Marke Bora mittlerweile? 37 Prozent der Deutschen kennen Bora, haben wir im letzten INSIDE Spezial Küche vor einem Jahr geschrieben. Haben Sie aktuelle Zahlen?

Unsere letzten Zahlen sind von Dezember 2020, erhoben von Nielsen und lauten so: Die Markenbekanntheit liegt bei inzwischen 44 Prozent, in der Kernzielgruppe haben wir sogar auf 54 Prozent gesteigert.

Wenn wir mal auf die Zahlen schauen: Wie hat sich Bora in den letzten Monaten zum einen im Fachhandel, zum anderen im Möbelhandel entwickelt?

Wir sind wahrscheinlich – wie die ganze Küchenbranche – Gewinner der Pandemie. Das freut uns sehr. Wir wachsen eigentlich überall. Es gibt kein Land, in dem wir nicht wachsen. Wir sind seit Monaten in erster Linie damit beschäftigt, die Nachfrage zu bewältigen. Auch für uns ist es nicht immer einfach, alles zu liefern, was der Kunde und was der Handelspartner von uns geliefert haben möchte. Auch wir haben unsere Schwierigkeiten, vor allem bei einem Produkt. Aber wir versuchen alles, es irgendwie hinzubringen. Grundsätzlich geht es uns gut, Bora wächst auch in diesem Jahr sehr schnell.

Die einen liefern ihre Geschirrspüler Monate später, andere ihre Küchen, Sie haben Lieferprobleme bei X Pure. Wie ist die Liefersituation bei Bora aktuell?

Wir kämpfen natürlich auch. Aber es sind alle Produkte bis auf X Pure lieferbar. Bei X Pure hat uns ganz einfach die Nachfrage überrannt. Und es gibt manche Bauteile, die werden eben nur ganz selten produziert. Im X Pure ist ein Bauteil verbaut, das nur einmal im Jahr produziert wird. Jetzt müssen wir auf die nächste Produktions-Charge warten. Ansonsten sind wir mit allen Produkten lieferfähig, und das freut uns sehr.

Die 100-Mio-Euro-Umsatz-Marke haben Sie mittlerweile deutlich überschritten.

Zu den absoluten Zahlen sage ich nichts. Aber Ihrer grundsätzlichen Einschätzung will ich nicht widersprechen.

Sie haben auf den Inspiration Days auch die Kompaktlösung Bora S Pure vorgestellt. Mit einer Lösung für die 60er-Unterschränke waren Ihre Marktbegleiter dann zuletzt teilweise sogar schneller.

Das Kompaktgerät war ein klarer Wunsch vom Handel. Mit Basic und Pure haben wir erstklassige Kompaktlösungen im Markt. Aber ja, es war wichtig, endlich auch eine Lösung für 60er-Unterschränke bieten zu können. Unsere Entwickler haben hier einen hervorragenden Job gemacht, um auch alle unsere Anforderungen, die wir an neue Bora-Geräte haben, in der kleineren Kompaktlösung umzusetzen. Wir wissen natürlich auch, dass die meisten Küchen einen 60er-Unterschrank brauchen und nicht einen 90er. Darum sehen wir da sehr gute Chance auf dem Markt für Bora S Pure.

Wieso hat es so lange gedauert, bis Sie eine Lösung für die 60er-Unterschränke gefunden haben?

Bei Bora gibt es immer eine Pflicht- und eine Mussanforderung. Die Mussanforderung heißt: Es gibt kein Bora-Gerät, das höher als 200 mm ist. Und diese 200 mm sind in der Entwicklung nicht so einfach zu realisieren. Wir haben zwei luftführende Ebenen, einmal die Ansaugebene, einmal die Ausblasebene. Ich habe on top eine Steuerungsebene und obendrauf auch noch die Heizkörper und das Glas. Das alles bei einer Bauhöhe von 200 mm zu integrieren, war ein Kraftakt unserer Entwicklungsabteilung. Am Ende war eine relativ komplexe Konstruktion vonnöten. Das war dann auch der Grund, warum wir ein paar Monate länger gebraucht haben, als uns das selbst recht war. Denn lange Entwicklungszeiten lieben wir nicht bei Bora.

Vor allem in Zeiten, in denen der Muldenlüfter-Markt so umkämpft ist wie zuletzt, denken wir uns. Sie sind der unumstrittene Pionier. Sie haben das Feld aufgemacht, waren mutig, gegen viele Widerstände. Sie haben den Markt verändert. Irgendwann kamen dann große und kleine Wettbewerber und haben dieses Segment auch für sich entdeckt, haben dort Gas gegeben. Mal eine persönliche Frage: Wie haben Sie das damals empfunden, als der erste Wettbewerber mit einem Abzugssystem nach unten auf einer Messe aufgetaucht ist?

Jetzt hole ich ein bisschen aus, wenn ich darf.

Gerne.

Ich kann mich gut erinnern. Vor sieben, acht Jahren, als die Ersten gekommen sind. Ich kann das heute schon sagen. Ich habe mich massiv geärgert. Jetzt hätte ich fast ein typisch bayerisches Wort gesagt.

Muss ja nicht.

Nein, muss nicht sein. Mein erstes Gefühl damals war wirklich: Ärger, ja, bisschen Wut. Aber dann bin ich nach Hause gefahren und habe darüber nachgedacht. Meine Gefühlslage hat sich dann schnell geändert. Zum einen war das erste Wettbewerbsgerät eine Bestätigung unserer Idee, und das hat mich wiederum gefreut. Wir hatten da ja schon so einiges erlebt. Am Anfang sind wir belächelt worden. Wir wurden nicht ernst genommen. Dann wurden wir einige Jahre massiv bekämpft. „Das geht doch nicht, der Dampf steigt doch trotzdem nach oben.“ Irgendwann hat der Markt dann gemerkt: Ui, ui ui, ein paar Stück werden von diesem Bora dann wohl doch gekauft. Als dann die ersten Großen der Zunft kamen, ging es bei uns interessanterweise wirklich so richtig nach oben. Das war die finale Bestätigung unserer Idee.

Ihnen gelingt es wirklich, auch aus dem Hauen und Stechen der vergangenen Jahre in diesem Segment das Positive zu ziehen?

Bei uns ging es in den vergangenen Jahren so richtig steil bergauf. Ich bin wirklich nicht traurig darüber, dass die Großen gekommen sind, denn der Markt ist unglaublich groß. Wir sind mit Abstand der Kleinste in der Hausgerätebranche und somit profitieren wir davon, dass die Großen uns und unser System so richtig salonfähig machen.

In Ihrem Vortrag auf den Inspiration Days haben Sie aber sehr lange über Ihre Schutzrechte gesprochen. Was sind die denn wert, wenn sie am Ende keinen Schutz für die Grundidee schaffen?

Wir sind natürlich darauf aus, dass die tolle Idee des Kompaktgerätes bei Bora bleibt. Denn da ist sie auch hergekommen, das ist im Patentregister nachzuschauen. Es gibt eine ganze Menge Schutzrechte unsererseits, und da passen wir auch auf. Wir sind da hinterher. Dennoch muss man eben auch akzeptieren, dass es vor Gericht manchmal ein Unterschied ist, ob man Recht hat oder Recht bekommt.

Wie viele Auseinandersetzungen laufen aktuell?

Wenige, wirklich ganz wenige. Manche Marktbegleiter gehen mit unseren Schutzrechten auch sehr respektvoll um. Das schätzen wir sehr. Darunter sind auch einige der Großen. Wir pflegen hier einen offenen Austausch. Manche wiederum versuchen auf eine sehr respektlose Weise einen Fuß in die Türe dieses dynamischen Segments zu bekommen. Und das lassen wir uns dann nicht gefallen.

Der Markt der Abzugssysteme nach unten ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Ist das auch aktuell so?

Sie kennen unsere Vision: Wir arbeiten für das Ende der Dunstabzugshaube. Aus meiner Sicht haben Dunstabzugshauben keine Zukunft. Denn ein Hausgerät, das keinen Vorteil hat, kann auch keine Zukunft haben. Der Marktanteil für Abzugssysteme nach unten liegt aktuell europaweit, vielleicht sogar weltweit bei ungefähr zehn Prozent. Wenn das so ist, haben wir noch einen gigantischen Spielraum, ein gigantisches Feld vor uns. 90 Prozent der Abzugssysteme hängen noch über dem Herd.

Downdraft wächst weiter und weiter?

Ich kenne den Auftragseingang der Großen nicht. Aber wir liegen im AE deutlich im Plus, ja.

Wenn alles so gut läuft im Stammgeschäft, weshalb dann jetzt der risikoreiche und teure Schritt mittenrein in den Hausgerätemarkt? Weshalb dann jetzt ein Backofen? Kann man es so einfach sagen: Wenn Ihr Wettbewerb Sie in Ihrem Stammsegment ärgert, ärgern Sie ihn eben bei sich daheim. Sie sind ja sehr ehrgeizig, Sie sind ein Bayer aus den Chiemgauer Bergen.

Selbstverständlich gewinnt man lieber und mag es nicht so gern, wenn jemand bei einer guten Idee im Anhänger mitfährt. Im Markt der Abzugssysteme nach unten sehe ich das aber wirklich sehr gelassen. Die einzige Antwort, die wir bringen wollen, ist einfach die des schöneren, des besseren, des performanteren Produkts. Am Ende entscheidet der Kunde.

Zurück zum X Bo.

Ein kleiner Teil Ihrer psychologischen Annäherung war richtig. Ich bin ehrgeizig, ganz klar. Und natürlich stellen wir eines fest: Der Handel hat immer wieder gefragt, wann baut ihr denn einen schönen Backofen. Der Wunsch kam immer wieder auf uns zu. Wir haben lange gesagt, wir sind Spezialisten in der Lüftungstechnik nach unten. Und unser großes Ziel, die Menschen von der Kiste über dem Kopf zu befreien, wenn sie am Herd stehen, treibt uns weiter jeden Tag an. Doch der Wunsch aus dem Handel kam immer wieder: Macht doch einen richtig coolen Backofen, irgendwas, was anders ist. Und dann sind wir hergegangen und haben den Handel gefragt: Wenn du schon einen Wunsch hast, dann sage uns doch bitte, was soll denn ein perfekter Backofen können. Wir haben dann den Handel intensiv befragt. Wir kennen unsere Handelspartner sehr gut und sind stolz darauf, dass auch sie uns mit Ideen füttern. Und so war dann irgendwann klar: Wir machen das, einen schöneren Backofen, einen mit einer besseren Performance, mit einer einfacheren Bedienbarkeit, einen smarten Backofen, der viel mehr kann als ein herkömmlicher Backofen. Jeder ist es leid, mit Elektrogeräten zu arbeiten, die eine schlechte Usability haben. Davon gibt es immer noch sehr viele. Die Smartphone-Hersteller zum Beispiel haben uns da einiges vorgemacht. Das hat uns angetrieben. Wir haben tatsächlich viel in andere Branchen geschaut und uns gefragt, was können die besser? Wie funktioniert Produktentwicklung? Für mich ist ganz klar: Man darf nicht immer nur im eigenen Weiher fischen, in der eigenen Branche. Man muss über den Tellerrand schauen. Was können wir von anderen lernen? Was sucht der Handel? Und was fällt uns bei Bora dazu ein? Der X Bo ist das Ergebnis.

Die Versorgungslage ist das eine, das immer breitere Sortiment das andere: Ist es denn in diesem komplizierten Umfeld ein Vorteil oder ist es ein Nachteil, nicht selbst zu produzieren? Vor allem, wenn man mit einem komplett neuen Produkt auf den Markt kommt?

Ich glaube, das muss man jetzt tiefer legen. Die Situation, dass wir nicht selbst produzieren, ist aus der Not heraus entstanden. Als ich angefangen habe, hat sich die Frage gar nicht gestellt. Denn wo sollte das Kapital herkommen? Jetzt muss ich aber sagen: Wir haben zwei Vorlieferanten seit Tag eins, seit 14 Jahren. Und wir sind extrem zufrieden mit beiden. Wir sprechen offen, es macht beiden Parteien Spaß. Wir arbeiten so gut zusammen, dass wir uns aktuell keine andere Situation wünschen.

Aber kann ein Hersteller, der die Produktion in der eigenen Hand hat, nicht manchmal deutlich schneller agieren?

Wenn es um was Neues geht, gebe ich Ihnen Recht. Da mag es vielleicht so sein. Zusammen mit unseren bestehenden Partnern sind wir jedoch bei allem, was wir tun, superschnell. Wir haben kurze Wege. Wir produzieren alles im 100-Kilometer-Umkreis. Unser größter Zulieferer sitzt sogar in Niederndorf direkt Zaun an Zaun. Unser Entwicklungszentrum steht genau an der Grundstücksgrenze zu unserem Nachbarn. Das macht es unglaublich einfach, unser gemeinsames Wachstum zu stemmen.

Erhöhen Sie denn die Preise in diesem Jahr?

Wir sind im Moment in der Preisfindungsphase. Ich kann noch keine wirkliche Aussage dazu treffen. Aber wenn wir sie erhöhen, dann nur minimal. Wir versuchen den Preisdruck aus der Vorlieferindustrie mit steigenden Stückzahlen zu kompensieren; so haben wir das auch in der Vergangenheit immer gemacht. Das hat 14 Jahre gut geklappt.

Sie haben schon oft gesagt, dass Bora zu den Kleinen im Markt gehört. Wir haben den Verdacht, dass Sie da ein wenig untertreiben. In unserer Hitliste der Hausgerätehersteller haben wir Sie im vergangenen Jahr auf Position 10 bei Einbaugeräten in Deutschland geführt.

Ich empfinde das tatsächlich so, dass wir der Kleinste sind. Unsere Wettbewerber sind meist Milliardenfirmen. Und da sind wir noch ganz weit weg. Aber natürlich sind wir gewachsen, das spürt man auch. Wir denken nicht in Kategorien wie: Wir wollen der Beste, der Größte und der Schnellste sein. Für uns zählt: Was wünscht sich der Kunde? Der Rest ergibt sich von alleine.

  • Schlagzeile: Endlich angekommen

Mit dem ersten Auftritt auf der Küchenmeile reiht sich Bosch Hausgeräte endlich ein in die Idee der Küchenmeile. Es hat lange gedauert, war ein weiter Weg. Deutlich schneller war Bosch auf der Marathonstrecke der letzten zehn Jahre unterwegs – auf dem Weg zur Nummer 2 im Möbelhandel und zur Nummer 3 im Küchenfachhandel. Ein Besuch an den Wurzeln der Marke Bosch.

Ditmar Krusenbaum, einst legendärer Vertriebschef der BSH in München, war bekanntlich nicht so der Fan von Ostwestfalen. Die Geschichte ist seit Jahren tausendmal erzählt, wie Krusenbaum einst auf Gut Böckel im Parkplatz-Schlamm nicht wirklich gut draufkam. Die Idee, die Marken der BSH, immerhin des deutschen Hausgeräte-Marktführers, auf die Küchenmeile zu bringen, die war damit schon gestorben, schon bevor die Küchenmeile vor zwanzig Jahren so richtig Fahrt aufnehmen konnte.

So war das dann auch. Die Leitmesse der BSH war die IFA. Berlin, Metropole. Glamour, Journalisten, Fernsehen, globale Reichweite. Nur? Immer weniger Kunden aus der Küchenszene gingen nach Berlin. Die Küchenmeile wurde wichtiger und wichtiger. Und die BSH in München? Blieb mit ihren Marken, mit Ausnahme von Neff und Gaggenau, auf der IFA.

Industriehistorie pur: Das Robert-Bosch-Haus in Stuttgart

Lange her. Aber in einer Geschichte zur Historie der Marke Bosch, zur Bosch-Rallye der letzten zehn Jahre im Hausgerätemarkt, zum bemerkenswerten Aufstieg zur Nummer 2 im Möbelhandel und zur Nummer 3 im Küchenfachhandel, gehört eben auch diese Geschichte. Denn, wo sich Bosch in den vergangenen Jahren im BSH-internen Wettstreit bestens geschlagen hat, so zäh war der Bosch-Weg nach OWL. Neff ist schon Jahre im House4Kitchen an einem der besten Orte der Messe unter dem Schüller-Dach vertreten. Siemens macht das IDF34 seit letztem Jahr zur Bühne und baut die Präsenz dort kontinuierlich aus. Und Bosch? Ist nun auch endlich da.

Auch noch in der 1a-Location Architekturwerkstatt in Löhne, zusammen mit Leicht Küchen und Hausgeräte-Playern wie Liebherr und V-Zug, was für Leicht-Boss

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BSH

  • Schlagzeile: Rekorde und Rekordlieferzeiten

Die neue BSH-Chefin Dr. Carla Kriwet konnte bei ihrem Bilanz-PK-Debut am Dienstag jede Menge gute Botschaften überbringen. Es gab aber auch weniger gute. Zumindest für den auf Gerätelieferungen wartenden Handel.

Anfangs fühlte man sich wie auf einer Werbeveranstaltung in der knapp zwei stündigen BSH-Pressekonferenz. Es war viel von Erfolgen die Rede. Von vielen Erfolgen. Und immer wieder gab es positive Beispiele von der Konzernmarke Bosch, die offenbar nochmal erfolgreicher ist als die erfolgreichen anderen. Die Kampagne #likeabosch, der „Cookit“ (gebrannte Mandeln aus dem Cookit sollen der Renner sein) oder der Mietservice „Bluemovement powered by Bosch“. Ganz ohne Häme muss man natürlich sagen: Rekordumsatz und Rekordergebnis kann man schon auch als Erfolg werten.

Die „Herausforderungen“, die all diese Rekorde mit sich bringen, nämlich die bei einigen Produktgruppen viel zu langen Lieferzeiten, wurden im Präsentationsteil nur am Rande gestreift. Wie ernst die Lage ist, machte in der anschließenden Frage-Antwort-Runde eine Aussage von COO Silke Maurer deutlich: Bei Kühlschränken und Waschmaschinen könnten die Lieferrückstände voraussichtlich in diesem Jahr (sic!) aufgeholt werden. Bei Geschirrspülern und Öfen hingegen, da kämpfe man um jede Einheit. - Hört sich nicht so an, als würde sich die Lage für den Handel in absehbarer Zeit entspannen.

Das starke zweistellige Wachstum seit dem zweiten Halbjahr 2020 war nicht der einzige Auslöser für die schwierige Liefersituation. Fast alle Werke in nahezu allen Regionen fahren schon deutlich oberhalb der normalen Kapazitätsauslastung, die eigenen Läger sind leer. Die Geräteindustrie ihrerseits hat mit Beschaffungsschwierigkeiten bei verschiedenen Materialien zu kämpfen, hinzu kommen pandemiebedingte logistische Herausforderungen, sagte Maurer. „Eine sehr unbefriedigende Situation, für die wir versuchen Lösungen zu finden“ Die Lieferprobleme wirken sich auch auf die Marktanteile aus, die von Monat zu Monat starken Schwankungen unterworfen seien. „Marktanteile gewinnt ganz einfach, wer liefern kann“, so CFO Dr. Gerhard Dambach. Laut Vertriebsgeschäftsführer Matthias Ginthum „oszilliere“ der BSH-Marktanteil in Europa um die 25 Prozent herum. In Deutschland waren es in der Vergangenheit knapp 40 Prozent.

CEO Dr. Carla Kriwet, seit letztem Sommer im Amt hatte ihren ersten größeren Presseauftritt als BSH-Chefin und präsentierte das Zahlenwerk der Münchner. Im ersten Pandemiejahr 2020 hat die BSH den Konzernumsatz um 5,3 Prozent auf 13,9 Mrd Euro ausgebaut, der Einbruch durch den Lockdown im April konnte ab Mai wieder ausgeglichen bzw. überkompensiert werden. Wechselkursbereinigt gab es 2020 sogar ein Plus von 8,5 Prozent. Das Wachstum kam aus allen Regionen und allen Produktgruppen. Und auch das operative Ergebnis ist gestiegen. Details dazu wurden nicht rausgelassen, das ist Sache der Konzernmutter Bosch. Wie 2020 soll es auch 2021 weiter gehen. „Ich bin überzeugt, dass wir auch in 2021 die positive Entwicklung des vergangenen Jahres fortsetzen können“, so Kriwet in der Pressekonferenz.

 

  • Schlagzeile: Outside mit … Marc Eckert
  • H1: Bulthaup: Marc Eckert unterwegs mit INSIDE

Man muss heutzutage mit allem rechnen, immer und ständig. „Das Dauerhafte ist Vergangenheit, es ist vorbei. Auch wir Unternehmer müssen uns darauf einstellen, in einem ständigen Provisorium zu agieren, vielleicht für sehr lange Zeit, vielleicht für immer“, sagt Marc Eckert. Outsider Simon Feldmer war mit dem Bulthaup-Inhaber Anfang Juli ein Wochenende im Engadin. 16 Kilometer ging`s rauf und runter, immer die beeindruckenden 4.000er im Blick: von der Mittelstation am Corvatsch über die Fuorcla Surlej zur Coaz-Hütte, vorbei am Roseg-See, an dem Eckert und der Outsider nach einem langen Tag in den Bergschuhen gerne eingeschlafen wären. Auf den letzten Metern dann dank charmanter Hüttenwirte in einem alten Suzuki Swift bis nach Pontresina. Seitdem ist viel passiert. Eine historische Krise ist auf dem Weg. Keiner weiß, was kommt. Und über allem steht die große Transformation. Eckert: „Es werden in Zukunft nur die wirklich nachhaltigen Unternehmen bestehen können.“

Von Simon Feldmer

„Die Musik hat aufgehört zu spielen. Wir stehen vor so fundamentalen Veränderungen, wie wir sie alle noch nicht erlebt haben.“ Es ist der 2. Juli. Marc Eckert, 51 Jahre alt, Hauptgesellschafter der Bulthaup GmbH & Co KG im niederbayrischen Aich, und der Reporter sitzen auf der Fuorcla Surlej. Wir haben die ersten Höhenmeter hinter uns. Wir machen eine kurze Pause mit Blick in die Engadiner Bergwelt.

Ein Kaffee, ein erstes rettendes und gut gekühltes Sprudelwasser mit Zitrone. Es hat schon 30 Grad um 10 Uhr am Vormittag. Ein Bergmarathonläufer nach dem anderen kommt vorbei. Die ersten unfassbar schnell, die hinteren tapfer schnaufend und immer noch scheinbar kompromisslos gewillt, das Ding zu Ende zu bringen. Rund um den Corvatsch, rund um diese massive Erhebung bei Sankt Moritz, geht das Rennen. Eckert und der Reporter haben etwas anderes vor. Keinen Bergmarathon, aber ein Marathongespräch. Über die Welt, die Wirtschaft – und Bulthaup. Über diese Marke, die in Deutschland wohl eigentlich jeder kennt. Und von der fast jeder glaubt, dass er sie sich nie leisten können wird. Vielleicht ist das genau das Thema, um das es eigentlich geht an diesem Tag. Schon beim ersten Kaffee ist klar: Der Weg, den Eckert sich vorgenommen hat, ist viel weiter als der bis Pontresina.

Für wen gibt es eigentlich Bulthaup? Für die Elite? Die Reichen? Für die Bulthaup-Mitarbeiter? Oder für die Unternehmerfamilie, also für Eckert? Für wen gibt es Bulthaup, Herr Eckert? Eine gemeine Frage, denn der Reporter weiß, dass Eckert nichts so sehr hasst wie das Gerede über Luxus, über Produkte für die oberen Zehntausend. Für wen gibt es also Bulthaup? Eckert: „Es geht nicht darum, für wen es Bulthaup gibt. Es geht um die Frage, wer mit Bulthaup was verbindet. Und ich würde mir wünschen, dass jeder, der ein gutes Lebensgefühl mit der Marke Bulthaup verbindet, es sich auch leisten kann, sich diese Welt nach Hause zu holen. Und wenn es nur ein Schneidebrett und ein Messer von uns sind.“

Wir schauen auf 4.000er, auf Gletscher, die keine mehr sind. Hinter den Bergen liegt irgendwo Italien. Die ganze Dramatik der Energiekrise ist in Sicht, aber noch nicht so massiv da Anfang Juli. Eckert macht sich Sorgen. Um den Standort Deutschland, um den Mittelstand. Wir sprechen über die Auswüchse in Konzernen wie Lufthansa oder sonstwo, wo Manager mit Fünfjahresverträgen ausgestattet mehr an sich und ihre Boni denken als an die Mitarbeiter.

Unternehmergespräche in diesen Zeiten sind Krisengespräche. Gespräche über das, was kommt. Was alles nicht mehr so ist, wie es mal war. Eckert ist Volljurist, hat viele Jahre als Anwalt gearbeitet. Schwerpunkt Wirtschaftsrecht. Mit 38 Jahren ist er in Aich als Geschäftsführer eingestiegen. 2009 an einem Montag im Oktober war das. Bulthaup, die Topmarke unter den deutschen Küchenmarken, sie war in einer tiefen Krise.

Über Generationen war Bulthaup zu dem geworden, was Bulthaup noch heute ist. Gegründet von Martin Bulthaup im Jahr 1949 als Martin Bulthaup Möbelfabrik. Vom kongenialen Duo Otl Aicher und Gerd Bulthaup in den 80er Jahren unsterblich gemacht. Eigentlich. Denn 2009, da war in Aich Krise, große Krise. Nach vielen externen Managern hatte die Familie sich entschieden, besser gesagt, Eckert hat sich entschieden, es zu machen. Er ging nach Aich, vor genau 13 Jahren. „Für mich war klar, wenn ich das mache, dann nach meinen Regeln und Überzeugungen“, sagt Eckert heute. „Das war ein All-in mit Haut und Haar.“

140 Mitarbeiter mussten entlassen werden. Und die verbliebenen Mitarbeiter glaubten nicht mehr an die Zukunft. Kann man sich heute nicht mehr vorstellen. Ist noch nicht so lange her. Als Eckert auf dem 1. INSIDE Branchen-Gipfel – im Dezember 2016 war das – im Literaturhaus auf der Bühne stand, hat ein anderer Podiumsgast (es war der heutige Nolte-Geschäftsführer Oliver Bialowons, damals als Hülsta-Sanierer am Start) gesagt, er zeige seinen Gesellschaftern immer die Bulthaup-Bilanz, wenn er ein Paradebeispiel für gute und verantwortungsbewusste Führung aufzeigen wolle. Das war sieben Jahre nach der großen Krise in Aich. Eckert hatte sie in zwei Jahren pulverisiert. Schon 2011 konnte Bulthaup wieder eine Top-Bilanz vorlegen. B1 war auf den absoluten Kern reduziert, ein neues Führungsteam gebaut. Eckert hatte sich in kurzer Zeit viele Freunde und auch einige Feinde gemacht.

Heute beschäftigt der Küchenhersteller im lohnintensiven Bayern mehr Mitarbeiter als vor den tiefen Einschnitten in der Bulthaup-Krise 2009. 650 sind es. Und Eckert setzt alles daran, dass diese Mannschaft auch durch die nächste Krise kommt. „Das bewegt mich, dafür kämpfe ich. Und dafür stelle ich alles in Frage, wirklich alles.“ Sagt Eckert. Der Kaffee ist leer. Wir schnallen die Rucksäcke auf. Die Bergschuhe fangen an zu drücken. Wir haben noch gut 15 Kilometer Wegstrecke vor uns, nicht steil nach oben, eher auf 3.000 Meter immer wieder rauf und runter. Mitten durchs Paradies. Um uns herum die Berge, aber eigentlich die Welt, wie sie ist. Kompliziert, vielfach einfach nur scheiße. Krieg, Klima, was für eine Zukunft für unsere Kinder: Themen, die uns den ganzen Tag treiben.

Vielleicht muss man für ein Gespräch, um es so gnadenlos offen zu führen, dass man vieles davon nicht aufschreiben will in einer Welt, in der jede Äußerung, jede vielleicht zu pointierte Aussage, im öffentlichen Diskurs zerrissen wird, vielleicht muss man für so ein Gespräch wirklich lange wandern. Die Berge im Oberengadin kann der Reporter für so eine Tour auf jeden Fall empfehlen. So schön wie hier ist es an nicht vielen anderen Orten auf diesem Planeten. Und Eckert, der Markenpoet und harte Unternehmer, ist ein Typ, den es auch nicht zwei Mal gibt. Langeweile-Sätze und Allerwelts-Phrasen: Sind nicht sein Ding. Langweilige Fragen sind es auch nicht. Eckert nimmt sich, auch wenn ihm das manchmal unterstellt wird, nicht wichtig. Er ordnet alles einem Ziel unter: die Marke Bulthaup für die Zukunft zu sichern.

Dieses Ziel kann man sicher auf verschiedenen Wegen erreichen. Eckert hält es mit Miles Davis. „Man, sometimes it takes you a long time to sound like yourself.” Eine Miles-Davis-Zeile ist Eckerts Leitmotiv. Eckert macht es, wie er es für richtig hält. Heute. Nach bald 13 Jahren Bulthaup. Das kann der eine blöd finden unter den vielen Machern im Küchenmarkt. Andere halten den Weg vielleicht auch für falsch. Eckert kann aber nur so. „Ich bin, wie ich bin. Mich haben immer Unternehmer begeistert, die ihren eigenen Weg gehen“, sagt er. Und am Ende zählt, was in der Bilanz steht. Bulthaup hat dank Eckerts Koordinatensystem beeindruckende Jahre hinter sich. Und Bulthaup hat, wenn man das so sagen kann, ohne zu sehr mit großen Worten zu spielen, einen Unternehmer an der Spitze, der eine Vision hat. „Wir sind kein Spanplattenverarbeiter, und die Marke Bulthaup ist kein Label, sondern eine Idee, eine Idee für die Küche der Zukunft.“

Die Küche der Zukunft, sie steht für Eckert nicht allein in der Küche. „Wir müssen die Küche von der Architektur lösen, wir müssen sie aus dem klassischen Denken in Küchenblöcken lösen. Die Küche der Zukunft, sie findet überall statt, wo die Menschen zu Hause sind“, sagt der Bulthaup-Chef. Die Küche der Zukunft muss für Eckert auch nicht aus Holz sein. In Aich arbeitet man an Alternativen zur Spanplatte. „Und die Küche der Zukunft ist nicht ein Bild von einer weißen Küche in einer weißen Villa. Oder in einem modernen Industrial-Ambiente. Wir müssen wieder mehr darüber nachdenken, wofür die Menschen eine Küche wirklich brauchen – und nicht mehr so viel darüber, wie sie an der Oberfläche aussieht.“ Der einzige Sinn von Design sei heute, sagt Eckert, den Menschen Stress zu nehmen, ihnen das Leben wohliger zu machen, sie zu entlasten.

Mit solchen Sätzen können so manche im Küchenmarkt wenig anfangen, die ihre Rezepte in den vergangenen Boomjahren perfektioniert haben, die sich von Plus zu Plus geschraubt haben. Aber das ist dem Bulthaup-Boss herzlich wurscht. Natürlich muss auch Bulthaup Umsatz machen, Geld verdienen, Küchen verkaufen. An die 9.000 Küchen werden im Jahr in Aich produziert, viel ist automatisiert, viel noch Handarbeit. Doch wenn es Eckert je um Umsatz gegangen wäre, dann hätte er viele Möglichkeiten gehabt, ihn zu machen.

Da gab es mal die ausgearbeitete Idee, ins absolute Luxussegment zu gehen, vor eben 13 Jahren. Das Konzept war fertig. Eine Küche ab 150.000 Euro aufwärts wäre bei dem Plan herausgekommen. „Wir wären eine Oligarchenmarke geworden“, sagt Eckert heute. Er hat die Idee damals schnell abgesägt, als er da war. Eckert hat oft Nein gesagt, für viele Mitstreiter nervigerweise wohl wirklich sehr oft. Vor noch nicht allzu langer Zeit hat er sich gegen die große Expansion in China entschieden. „Ich habe lange darüber nachgedacht. Aber irgendwann war mir klar. China kann nicht unsere große Zukunft sein. China ist ein Markt, aber nie unser Hauptzielmarkt.“ Bulthaup ist lieber klein geblieben, wenn man das über ein Unternehmen, das weit über 100 Mio Umsatz macht, so sagen kann. Besser: vergleichsweise klein. Eckert: „Aber wir sind beweglich, flexibel, auf dem Weg, immer autonomer zu werden. Unser Netzwerk ist unser Netzwerk. Es besteht aus unseren Lieferanten, unseren Ideen und unseren Mitarbeitern, unseren Partnern im Handel und unseren Monteuren und Kunden. Nur so haben wir eine Chance.“

Der Weg führt mittlerweile nach einem Hüttenstopp auf der Coaz mit Blick auf den abgeschmolzenen Roseg-Gletscher hinunter zum Roseg-See. Die Schuhe drücken. Wir sind nahezu alleine unterwegs, über Stunden kommt uns kein anderer Wanderer entgegen. Thema Partner im deutschen Handel. Eckert weiß selbst, dass er hier bei 80 Prozent Exportquote als deutsche Marke eine offene Flanke mit sich herumträgt. Und er gibt das auch zu. „Wir sind in unserem Heimatmarkt zu wenig sichtbar. Das müssen wir und das werden wir ändern.“

Rund 80 Partner hat Bulthaup in Deutschland. Für eine Marke mit dieser Strahlkraft ist das zu wenig. Der Reporter erzählt die Geschichte, dass ihn seine erste Freundin viele Jahre später angerufen habe, weil sie im Flugzeug neben Gerd Bulthaup gesessen ist. Bulthaup: So viele deutsche Marken mit dieser Aura gibt es nicht. Eckert weiß das. Klar. Umso mehr stellt sich die Frage, weshalb Bulthaup in Deutschland nicht viel stärker ist. Eckert sagt, eine Marke wie Bulthaup sei im eigenen Land Fluch und Segen zugleich. Man habe auf der ganzen Welt alle Chancen, versuche immer im richtigen Moment auf den Märkten dieser Welt das Richtige zu machen. Der Heimatmarkt, er ist dann vielleicht manchmal gedanklich zu nah, um genug Neugierde zu binden? Eckert widerspricht, nur so halb.

An der Sichtbarkeit in Deutschland hat auch die Bulthaup-Strategie der letzten Jahre ihren Anteil. Ein Bulthaup-Händler muss die Bulthaup-Idee leben. Sagen wir es so: Er darf nicht nur Bulthaup-Küchen verkaufen. Er darf sich in Eckerts Augen vor allem nicht mit Bulthaup nur schmücken. Es hat deshalb immer mal wieder gekracht, zwischen Eckert und Bulthaup-Händlern, heute dann meist ehemaligen. Und das findet im Fachhandel dann eben so mancher auch nicht so gut. Eckert weiß das. Und sagt: „Wir setzen konsequent auf Qualität statt auf Quantität. Unsere große Herausforderung ist, die neue Generation von Bulthaup-Partnern zu finden, die anders, die ums Eck denken, die agil und die bereit sind, die Dinge im Handel anders zu machen, die eingetretene Pfade verlassen.“

Weltweit hat Bulthaup heute 300 Partner. Auf dem US-Markt sind die Aicher die Nummer 1. In vielen Märkten hat Bulthaup eine Zugkraft wie kaum eine andere der deutschen Küchenmarken. Der Bulthaup-Chef weiß, dass er sich davon alleine in Zukunft nichts mehr kaufen kann. Eckert: „Früher haben die Großen die Kleinen gefressen, dann die Schnellen die Langsamen. Morgen fressen die Nachhaltigen die, die nur so tun, als wären sie es.“ CO2-Bilanzen werden über Wohl und Wehe eines Unternehmens entscheiden in Zukunft, sagt er. Entsprechend will Eckert mit seinem Team an seinem Unternehmen arbeiten, nicht nur im Unternehmen.

Wir sind auf den letzten Metern, kurz vor der Hütte am Roseg-See. Dort wollen wir uns Fahrräder mieten, die letzten zehn Kilometer nach Pontresina radeln. Wir setzen uns. Eckert bestellt ein Glas Lieblingsweißwein, der Outsider erstmal ein großes Bier. Fahrräder gibt es an diesem Abend nur keine mehr zu mieten. Der nette Hüttenwirt fragt seine Tochter, ob sie die beiden Münchner später den Feldweg bis runter nach Pontresina fahren könnte. Er selbst muss bedienen, kochen. Wir essen, trinken noch einen – und steigen ein. Es kommt anders als ursprünglich geplant. Auto statt Fahrrad. Wie kann man so etwas heute gut finden. Doch es wird eine kuriose Fahrt – einen auch durch die Fenster des alten Suzuki paradiesischen Weg entlang. „Menschen suchen einen Ort, der eben nicht immer nur perfekt ist“, hatte Eckert zehn Stunden davor gesagt, als der Tag losging. Alles immer nur perfekt, ist auch in der Küche langweilig. Und viel zu wenig in der für alle so unvorhersehbaren Zukunft.

Cap

  • Schlagzeile: Nichts ist unmöglich
  • H1: Cap: "Andere sagen, wir sind verrückt"

Manche Kunden sagen C-A-P, andere Cap (wie Mütze auf Englisch) und die Italiener sprechen den Firmennamen passend dazu auch mal „Kappe“ aus. Helga Schwert, Inhaberin der Cap. GmbH, und ihrem Mann Freimut Stehling, kreativer Kopf bei Cap in Löhne, ist die Aussprache relativ egal.

Als Schwert das Unternehmen, heute Küchenmanufaktur und Zulieferer für diverse Bereiche der Inneneinrichtung, vor 25 Jahren in Hamburg gegründet hat, stand das C in Cap für „Communication & PR“. Helga Schwert hat Kommunikation gelernt. Über eine Tätigkeit beim Design Zentrum NRW (Red Dot) kam sie zum Design.

„Kurz nach meinem Start in die Selbstständigkeit kam mein Freund dazu, heute mein Mann“, erzählt Helga Schwert. Der wiederum sorgte für das P wie „Production“. Das A in der Mitte, man kann es sich denken, steht für „and“.

Nach Ostwestfalen, sagt Stehling, seien seine Frau und er quasi zwangsversetzt worden, nachdem sie gemerkt hätten: Hier spielt die Musik. Die beiden zogen zunächst nach Kirchlengern, später privat an den Bodensee. Der Firmensitz der Cap. GmbH ist seit 2018 in Löhne, wo das Unternehmen sich während der Küchenmeile im IDF34 präsentierte. Eine weitere Reise mussten Schwert und Stehling dafür nicht auf sich nehmen, denn Cap hat Fertigung, Büroräume und sogar ein eigenes Fotostudio in derselben Immobilie. So bekommt, wer mag, beim Messebesuch gleich noch eine Firmenführung durch den 27-Mitarbeiter-Betrieb.

Premiumküchenbauer wie Poggenpohl, Leicht, Eggersmann, die Italiener Poliform, Minotti und Arclinea sowie der Luxusküchenbauer BT45 zählen zu den Kunden von Cap. Mit ihnen werden circa 90 Prozent des Umsatzes erzielt, vor allem mit sehr individuellen Entwicklungen. Inzwischen versuchen sie bei Cap aber auch, für Küchenstudios sichtbarer zu werden. Das Produktportfolio ist kaum zu überschauen. Schwert: „Wir lieben karierte Gänseblümchen. Andere sagen, wir sind verrückt, aber wir sind in einer Nische.“

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  • Schlagzeile: Linoleum-Trend bei Küchenmöbeln
  • H1: Comeback eines Klassikers: Linoleum-Trend bei Küchenmöbeln

Seit etwa einem halben Jahr setzt die Bartmann Berlin GmbH auf Möbel-Linoleum. „Nachfragen von Kunden gab es damals keine, sondern wir haben das Angebot proaktiv geschaffen. Denn Linoleum ist, was das Thema Beschichtung angeht, fast konkurrenzlos“, erinnert sich Sebastian Kunath, einer der drei Geschäftsführer. Wie sein Kompagnon Lasse Schnack hat er vor Urzeiten eine Tischlerlehre gemacht – bei Franz Faust, als der noch in Berlin seinen Betrieb hatte. Ende der 1990er war das. Da begann die damalige Innenausbaufirma, erstmals mit Möbel-Linoleum zu arbeiten. „Da wurden wir schon angefixt“, sagt Kunath lachend. Faust und Linoleum gehören zusammen, seit einigen Jahren auch als Firma Faust Linoleum im bayerischen Huglfing

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  • Schlagzeile: Wetten auf Vegas
  • H1: Cubic geht auf die KBIS

Warum sollten Küchenhändler die Flaute im Markt und die dadurch gewonnene Zeit nicht nutzen, um einen weiteren Geschäftszweig für sich zu entdecken: Outdoorküchen. So sieht das Christian Müller, Head of Sales beim bayerischen Outdoorküchen-Hersteller Cubic mit Sitz in Weißenbach. Müller ist einer von 35 Mitarbeitern. 20 davon arbeiten in der eigenen Produktion in Unterfranken. Seit 2016 fertigt Cubic Outdoorküchen.

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