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INSIDE Küche

  • Schlagzeile: Forecast für die Branche
  • H1: Küchenfinder: Ein Forecast für die Branche

Thomas Gabriel hat mit seiner Molindo GmbH die bekannten Portale songtexte.com und setlist.fm aufgebaut, bevor er als frustrierter Endverbraucher auf Küchensuche den Weg in die Küchenbranche gefunden hat und die Plattform kuechenfinder. com gründete. Jetzt arbeitet das Vorarlberger Digitalunternehmen an einem Forecasting für die Küchenbranche.

Rund 6 Mio Zugriffe hat Küchenfinder im vergangenen Jahr gezählt, davon mit etwa 80 Prozent der Großteil aus Deutschland, gefolgt von Österreich und der Schweiz. Leute, die sich auf der Plattform tummeln, befinden sich laut Gabriel ganz am Anfang ihrer Customer Journey. Sie lassen sich über Bilder inspirieren und informieren sich über die Vorteile oder Nachteile von Arbeitsplattenmaterialien. „Auf die Suche nach einem Küchenstudio machen sie sich erst später“, so Gabriel.

Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass die Anzahl der Zugriffe auf dem Endverbraucherportal sich mit circa sechs Monaten Verzögerung in den Auftragseingängen der Lieferanten wiederfindet. Gabriel: „Viele haben mit ein paar Monaten Verzögerung genau die gleichen Kurven.“ Er merkt, dass das die Akteure triggert. Sie bräuchten Forecasts, zum Beispiel, weil sie Investitionsentscheidungen treffen müssen.

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Aus 6 Mio Besuchen lassen sich schon Schlüsse ziehen auf das, was Endverbraucher wollen. Im Moment sind das leider immer seltener Küchen. Der „Kitchen Consumer Index“, den das Unternehmen aus Dornbirn/Vorarlberg bereits Industriepartnern zur Verfügung stellt, hat sich seit Januar 2021 (100 Zähler) – unter Ausnahme saisonaler Veränderungen – stetig abgeschwächt. Im Mai 2023 lag der Wert nur mehr bei 28 Zählern. Nun ist es ohnehin eine eher schwache Zeit, doch auch schon der Januar 2023 fiel mit 58 Punkten nicht gut aus. Man bewegt sich aktuell etwa auf dem Niveau von 2019. Normalerweise zieht es ab September wieder richtig an. Nach dem Sommerurlaub gucken die Leute nach Küchen, ab Ende September machen sie dann Termine, sagt Gabriel.

Seine Einschätzung aus den eigenen Zahlen und aus Gesprächen mit Herstellern und Zulieferern: Im Export ist die Talsohle erreicht, die exportorientierte Küchenindustrie könne dahingehend aufatmen. Aber: „Für den DACH-Raum gilt das nicht. Da wird es erst noch richtig knallen.“ Abgefragt wird bei den Besuchern von Küchenfinder – bei zwischen 500 und 1.000 Menschen, die in der Anfangsphase des Küchenkaufs stehen – halbjährlich auch die Bekanntheit von Hausgerätemarken. Was sich da bei den Top 20 gegenüber dem Vorjahr getan hat, darüber berichten wir demnächst hier auf www.inside-kueche.de.

Thomas Gabriels These: „Die Küchenindustrie hat den Zugang zum Endkunden komplett verloren.“ Sein innerer Antrieb, sagt er, sei es, Endverbraucher zufriedenzustellen. Finanziert wird Küchenfinder zum einen über Werbung, zum anderen über Kooperationen mit Markenherstellern, die eigene Brand Pages erstellen, und auch über Küchenstudios, die in der Auflistung besonders hervorgehoben werden wollen.

  • Schlagzeile: A oder B?
  • H1: Performance Marketing bei Küchenheld

Nicht rätseln, sondern aktiv testen, was den Kunden gefällt. So macht es das Digitalunternehmen Küchenheld inzwischen standardmäßig. Auch bei der Lead-Generierung verlassen sich die Berliner nicht einfach darauf, dass schon ein paar gute Leads dabei sein werden. Mithilfe eines dynamischen Fragebogens werden Interessenten so gelenkt, dass am Ende ein großer Teil aus der gewünschten Zielgruppe übrigbleibt. Küchenheld-Co-Founder Dr. Love Edquist und seine Kollegin Hannah Gödeke haben ihren Bildschirm mit uns geteilt.

„Wir wollen nicht so viele Kunden wie möglich, sondern die richtigen Kunden“, sagt Love Edquist, gemeinsam mit Ivo Wissler Gründer und Geschäftsführer von Küchenheld. An diese „richtigen“ Kunden zu kommen und schon ganz am Anfang vom Prozess diejenigen in den Funnel zu bringen, deren Budget nach Möglichkeit über 15.000 Euro liegt, das ist der Job von Hannah Gödeke, bei Küchenheld zuständig für Performance Marketing.

Den durchschnittlichen VK-Preis gibt Edquist inzwischen mit 25.000 Euro an. Natürlich ist dieser Anstieg – gestartet war man seinerzeit mit 12.000 Euro – auch dem branchenweiten Einbruch in den unteren Preissegmenten geschuldet. Doch auch die Performance-Marketing-Maßnahmen haben dazu beigetragen.

30 Prozent der Küchenheld-Kunden geben sogar mehr als 30.000 Euro für ihre Küche aus. Will man an solche Leads ran, ist der CPL (costs per lead) nicht die geeignete Messzahl, denn auch viele „falsche“ Leads können einen niedrigen CPL haben. Küchenheld hat deshalb den ESPL (estimated sales per lead) als Performance-Kennzahl eingeführt. Ziel: Leads zu generieren, die einen möglichst hohen Umsatz bringen. Hannah muss also Kunden finden, die sehr wahrscheinlich auch tatsächlich eine Küche bei Küchenheld kaufen werden. Und das möglichst hochwertig.

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  • Schlagzeile: Steil durch die Decke
  • H1: Zu Besuch beim Küchenheld

Wir waren kurz vor Jahresende noch in Berlin, zu Besuch beim Küchenhändler Küchenheld. Frank Haubold und die beiden Co-Gründer Ivo Wissler und Dr. Love Edquist berichteten über die Fortschritte des Berliner Start-ups im dritten Geschäftsjahr.

Rund 1.000 Küchen wurden in diesem Jahr verkauft. Neben Häcker (Hauptlieferant) und Bauformat/ Burger ist seit diesem Sommer auch Schüller Lieferant beim Küchenheld. Küchenheld in Hamburg ging rein mit Next125 ans Netz. Im Hausgeräte-Segment ist Bosch stark vertreten, auch Siemens und Miele sowie bei den Mulden und Abzügen Berbel und Bora. Der Nettoumsatz hat in diesem Jahr die 10-Mio-Euro-Marke geknackt. 3 Mio Euro waren es im Jahr davor. Die Durchschnittswerte der Küchenheld-Küchen liegen bei knapp über 15.000 Euro – was für einen Anbieter, der die Anbahnung rein digital aufgesetzt hat und bei dem 40 Prozent der Kunden nicht mal zum Abschluss persönlich in einem der so genannten Smartrooms vorbeikommen, doch viel ist.

Im Januar geht München ans Netz, in München-Schwabing, nicht weit weg vom INSIDE-Verlag. Wir werden nochmal vorbeischauen. Im großen Stil aus der Hüfte gefilmt haben wir schon in der Charlottenstraße am Gendarmenmarkt in Berlin beim Kreis-Mitglied, bei dem in diesem Jahr auch Familie Martin (Möbel Martin) als Investor eingestiegen ist, für eine Multimediareportage auf INSIDE Küche. Neue kleine Dependancen sind in Stuttgart, Hannover und Leipzig geplant.

  • Schlagzeile: Finanzierungsrunde eingetütet
  • H1: Küchenheld: Finanzierungsrunde durch

Das Berliner Digitalunternehmen Küchenheld hat es geschafft, eine weitere Finanzierungsrunde abzuschließen – woran einige Start-ups in den letzten Monaten gescheitert waren.

Mit angeschoben bei Küchenheld haben

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  • Schlagzeile: Ab nach oben im Netz
  • H1: Küchenheld

Viel ist davon die Rede, dass die Menschen längst bereit sind, deutlich mehr für Möbel im Netz auszugeben. Das ist auch bei Küchen so. Ein Besuch beim Küchen-Start-up Küchenheld in Berlin und München.

Von außen kann man ihn nicht erkennen, den Smartroom des Küchenhändlers Küchenheld in Berlin in der Charlottenstraße nahe Gendarmenmarkt. Der Outsider ist auch glatt bisschen zu doof und latscht erst mal dran vorbei. Der so genannte Smartroom hat gar keine Ladenfront, ist im zweiten Stock und verfügt an der Haustüre unten an der Charlottenstraße grad mal über ein Klingelschild.

Laufkunden sind nicht die Zielkunden der Küchenheld-Geschäftsführer Dr. Love Edquist und Ivo Wissler und ihrem Team (knapp über 100 Leute mittlerweile). Leads werden im Netz gemacht. 40 Prozent der Kunden kommen auch kein einziges Mal in einen der mittlerweile sechs Showrooms des 2019 gegründeten Digitalanbieters, der Mitglied bei Der Kreis ist. Sitz der Gesellschaft ist Mainz. Im Mainzer Umfeld sind auch die ersten Küchenheld-Investitionsrunden gelaufen. Der bestens aufgestellte Kreis-Filialist Stefan Pallesch (Küche Creative mit Stammhaus in Bad Kreuznach und Hauptlieferanten wie Leicht, Beckermann, Häcker, Schüller) ist früh eingestiegen und bisher jede Kapitalerhöhung mitgegangen. Die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) hat sich vor zwei Jahren an der Küchenheld GmbH beteiligt. Zuletzt auch Möbel-Martin-Inhaberfamilie Martin. Küchenheld gilt für viele – auch aus der Industrie – als Kreativlabor und kleines Versprechen in die digitale Küchenzukunft. Auch für Möbelmacher ist die Idee relevant und bei einigen nach und nach stärker im Fokus. Denn Küchenheld zeigt: Kunden geben im Netz viel Geld aus, für Möbel, für Küchen. Man kann sagen: jedes Jahr mehr. Bei Küchenheld stiegen die Warenkörbe seit dem Gründungsjahr 2019 jedes Jahr: von 12.000 Euro (2019) auf 20.000 Euro im vergangenen Jahr.

Zur Idee, zur Grundhaltung und zu ihren weiteren Plänen haben wir uns zwei Mal mit den Co-Gründern Edquist und Wissler getroffen. Einmal im Dezember in Berlin. Und im Januar im neuen Smartroom in München-Schwabing.

Klar ist: Das Internet ist längst kein Kanal mehr allein für den Preiseinstieg. Die Warenkörbe sind bei Sofas, Betten, Kommoden deutlich nach oben gegangen in den vergangenen zwei Jahren. Und die Kun-den haben damit offenkundig nicht nur schlechte Erfahrungen gemacht. Noch fehlt in vielen Onlineshops die Idee, wie man online echte Erlebnisse schaffen kann. Doch auch mit ein paar Bildchen und oft noch unausgereiften Konfiguratoren gingen die Durchschnittsbons nach oben. Wir wagen an dieser Stelle die Prognose: Sie werden nicht wieder sinken.

 
Thema Industrie (1)

Thema Lieferung, Logistik

Thema Industrie (2)

Thema Marke

Thema Leads

Thema Daten

Edquist beschreibt die Küchenheld-Idee so: „Es gab eine Marktlücke. Der Kunde in der Großstadt, der vorwiegend digital unterwegs ist, gut verdient oder geerbt hat und eine Küche sucht, der wurde nicht bedient. In die Marktlücke sind wir gesprungen, nicht gegen den Markt. Es wird den Küchenfachhandel weiter brauchen. Doch es gibt eben immer mehr Kunden, die digital unterwegs sind und die auch bereit sind, ihr Geld im Netz auszugeben. Wir sind uns sicher: Man muss das Geschäft für eine bestimmte Kundenschicht so digital wie möglich denken.“ Auch hochwertige Luxusgüter wie Autos oder Uhren werden im Netz gekauft. Immer öfter, immer bedenkenloser. Noch brauche es aber stationäre Touchpoints, sagen Edquist und sein Partner Wissler. Nach der Eröffnung in München wird Küchenheld in diesem Jahr weitere Smartrooms eröffnen, die dann auf ein paar Quadratmetern den Kunden auf der letzten Meile des Customer Journey abholen sollen: Leipzig kommt jetzt, Düsseldorf bald. Freiburg, Stuttgart, Hannover stehen auf der Liste.

Wie funktioniert die Idee? Der Lead wird im Netz generiert, die Anfrage geht bei Küchenheld ein. Nach der Budgetabfrage geht es in die Planung, durch eine persönliche Online-Beratung. Am Ende der Planung steht ein Angebot, in dem transparent – fast wie bei Ikea – dargelegt wird, was Unterschränke, Oberschränke, Arbeitsplatte und alle Teile inklusive der E-Geräte kosten. „Und dann verhandeln wir nicht“, sagt Edquist. „Unsere Preise sind transparent. Wenn der Kunden weniger ausgeben will, bieten wir Alternativen im Produkt.“ Starke Küchenheld-Partner sind Häcker, Schüller/ Next125, Baumann, Siemens, Bosch, Miele, Quooker, Bora. Rund ein Drittel der Küchenheld-Kunden nimmt die Küche heute mit Muldenlüfter. Küchenheld funktioniert dabei auch ein bisschen wie ein Markenlabor. Frank Haubold, bei Küchenheld als Director Einkauf und Fulfillment an Bord: „Viele Küchenhersteller sagen ja heute noch, dass Marke keine große Rolle spiele. Wir können das nicht bestätigen. Unsere Kunden wissen viel über die Marken und fragen gezielt, kennen die Instagram-Story – oder wissen zum Beispiel auch, wenn es da keine Story gibt.“

 

Thema Digitalisierung

Die Warenkörbe im Netz steigen. Wir werden dazu in der großen Befragung mit Infas 360, die wir auf dem 4. INSIDE Branchen-Gipfel präsentieren (siehe INSIDE Spezial Neue Ideen Nr. 3), exklusive neue Zahlen und Daten liefern. Und wir werden dazu weiter auch die Datenbank von moebel.de befragen. Zur Frage, wie stark die Warenkörbe der moebel.de-Partnershops in den vergangenen zwei Jahren angewachsen sind, liefert eine aktuelle moebel.de-Auswertung für uns spannende Zahlen (siehe Kasten).

Geld verdienen sie bei Küchenheld noch keins. Muss man daraus schließen, dass die Idee keine gute ist? Edquist und Wissler sagen, was Start-up-Unternehmer auf die Frage nach den schwarzen Zahlen oft so sagen. Botschaft: Die Rendite werde kommen, erstmal sei jetzt aber der Markt dran. Edquist: „Bisher haben wir alle Ziele erreicht. Falsch. Wir liegen deutlich über unseren Zielen.“

2021 generierte Küchenheld im dritten Jahr nach der Gründung nach Angaben der Gründer ein Nettoauftragsvolumen von 10 Mio Euro. 650 Küchen wurden verkauft. Im laufenden Jahr will man das Nettoauftragsvolumen schon wieder mindestens verdoppeln. Die Idee macht die Runde. Wir werden sie weiter beobachten. 

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  • Schlagzeile: Digitaler Arm für Möbel Martin
  • H1: Digitaler Arm für Möbel Martin

Seit Montagabend ist raus: Die Saarländer Unternehmerfamilie Martin und der ebenfalls in Saarbrücken beheimatete Investor David Zimmer mit seiner Investmentfirma Kalodion werden das junge Digitalunternehmen Küchenheld zu gleichen Teilen übernehmen und die übrigen Investoren ablösen. Die Notarverträge sind schon unterzeichnet. Beide Investoren sind bereits seit Längerem an Küchenheld beteiligt: Kalodion hatte im Zuge der letzten Finanzierungsrunde auf gut 45 Prozent aufgestockt; Möbel Martin hielt bislang einen eher symbolischen Anteil von gut 5,5 Prozent.

Gegründet hatten Dr. Love Edquist und Ivo Wissler, die auch nach dem Deal als Geschäftsführer an Bord bleiben werden, Küchenheld seinerzeit mit Schützenhilfe des Kreis-Händlers Stefan Pallesch (Küche Creativ, Bad Kreuznach) und hatten sich deshalb auch dem Kreis angeschlossen.

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  • Schlagzeile: Stimmung, News und E-Auto-Prämie
  • H1: Küchenherbst in OWL im INSIDE-Raffer: Stimmung, News und E-Auto-Prämie

Auf den Küchenmessen in OWL wird die Stimmung seit ihrem Start Ende letzter Woche konstant hochgehalten. Und das, obwohl inzwischen wirklich auch der letzte die Meinung aufgegeben hat, dass es in absehbarer Zeit konjunkturellen Rückenwind geben wird.

Ohne politischen Einsatz im Hinblick auf den kranken Wohnungsbau wird das nicht kommen, das ist inzwischen jedem klar. So ist auch die diskutierte neue Förderung für E-Autos, durch die nach der Wärmepumpe wiederum Konsumentengelder in andere Bereiche als Küche, Möbel und Wohnen gelenkt werden könnten, eines der Haupt-Aufreger-Themen in den Messezentren. Nobilia-Chef Dr. Lars Bopf prägte gleich zum Messeauftakt den Satz „Jeder wohnt, aber nicht jeder fährt Auto“, den auch MHK-Boss Volker Klodwig beim Branchenabend am Montag zitierte.

Dennoch: Lange Gesichter sind die absolute Ausnahme entlang der Meile. Auch die Besucherzahlen haben nicht wirklich gelitten, beim dem einen wie Häcker oder Nobilia mit ihren weitreichenden Produkt-Umstellungen bzw. Erweiterungen oder auch bei Ballerina, Rotpunkt und Pronorm sind es mehr Händler, bei anderen ein paar weniger, die durch die Ausstellungen strömen. Im Großen und Ganzen ist es halt wie immer, wenn Küchenmeile ist: Die Messezentren sind voll. Und jedes Jahr muss man mehr Zeit mitbringen, denn nach Bora und Siemens hat ja nun auch Bosch in der Architekturwerkstatt eine neue Heimat an der A30 gefunden.

Aus der anhaltend miesen wirtschaftlichen Lage werden ganz unterschiedliche Schlüsse gezogen. Einige Aussteller geben nun gerade Gas bei ihren Neuheiten, andere zeigen ganz gezielt kaum welche. Argumente kann man für alles finden.

Aus Küche wird Wohnen

Großes Thema nicht nur in den Küchen-Ausstellungszentren: Aus Küche wird jetzt wirklich Wohnen. Gilt speziell für den Marktführer, der in Verl nun auch Echtholzfurnier im Wohnen aufgenommen hat und mit dem neuen Schubkasten N-Box auch im Living-Bereich ernsthaft mitspielen kann, aber auch für andere. Vorkonfigurierte Sets gibt’s nun zum Beispiel auch bei Pronorm. Verlängerte Fronten lassen überall die Schränke wohnlicher wirken.

News im Raffer

Ein paar News in Kürze:

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  • Schlagzeile: Preisanhebungs-Fragen
  • H1: Küchenmarkt vor unterjährigen Preiseröhungen

Fast alle Umsatzrekordmeldungen aus der Küchenmöbelindustrie, die in den letzten Tagen in den Äther geblasen wurden, kamen mit Appendix: Kurze bis längere Einlassungen zu den sich in ungeahnte Höhen aufschwingenden Kosten und zum Dauerthema Materialversorgung. Wir haben uns in diesen Tagen durch den Markt telefoniert: Auftragsseitig scheint auch weiterhin die Sonne für die deutsche Küche. Wäre da nur nicht die Preisfrage.

Ausgehend vom Rekordniveau des Vorjahres haben die deutschen Küchenmöbelbauer im vergangenen Jahr nochmal um 8,7 Prozent beim Umsatz zugelegt und 5,708 Mrd Euro auf die Waage gebracht. Auch für den Handel mit Küchen in der Republik hat der BVDM Anfang dieser Woche für 2021 ein Wachstum von 8 Prozent auf 14 Mrd Euro hochgerechnet. Das sind mehr als 40 Prozent Anteil am Einrichtungsmarkt.

Mit der Auftragslage in den ersten Wochen des neuen Jahres sind die meisten ebenfalls zufrieden. „Noch immer ist die Nachfrage hoch. Wir haben das Problem, dass wir das kaum bewerkstelligen können“, sagt beispielsweise Christine Zinner vom Münchner Premium-Händler Gienger Küchen und erklärt: „Das liegt aber auch daran, dass immer wieder Mitarbeiter ausfallen, weil sie sich in Quarantäne befinden.“ Mit Blick auf die kommenden Monate meint sie: „Viele Kunden warten, dass sich die Zinsen ein wenig erhöhen. Solange es so ist, dass die Menschen Strafzinsen zahlen müssen, investieren sie lieber in ihr Heim. Das sind feste Werte."

Michael Freckmann vom EMV-Mitglied Freckmann Küchen hat in den ersten beiden Monaten weiter gut verkauft und rechnet damit, dass das auch erstmal so bleibt: „Küche wird auch 2022 weiter boomen." Denkt auch Martin Breitschopf vom Direktvermarkter Breitschopf Küchen aus Österreich. „Es wird weiterhin viel gebaut“, sagt er. „Das bedeutet wohl auch weiter gute Aufträge für Küchenanbieter. Da der Bauboom anhält, rechnen wir mit einem guten Jahr 2022. 2023 könnte es eventuell dann eine Spur weniger werden.“

„Im Moment geht es ebenso gut weiter, wie das letzte Jahr aufgehört hat“, sagt Rotpunkt-Geschäftsführer Andreas Wagner, der für den Januar über 23 Prozent Umsatzplus berichten kann und auch im Januar und Februar über ein zweistelliges Wachstum beim Auftragseingang. Und Häcker-Geschäftsführer Markus Sander: „Auch bei uns hat das Jahr auftragsmäßig extrem gut angefangen, wobei man natürlich sehen muss, dass vor einem Jahr viele Geschäfte geschlossen waren.“ In Rödinghausen übertreffen sie allerdings auch das 2019er Niveau, was Häcker zum Teil auf die Neueinführung von Concept130 zurückführt. Schüller meldet aus Herrieden: „Die Nachfrage nach Küchenmöbeln ist für Schüller auf einem nach wie vor hohen Niveau.“ Zufriedene Stimmen zur Auslastung auch von Störmer und Nolte.

Nolte- und Express-Küchen-Geschäftsführer Eckhard Wefing sieht gute Auftragseingänge aktuell „im Markt querbeet“ – im Inland und im Ausland, in allen Absatzkanälen von Studio über den mittelständischen Möbelhandel bis zur Großfläche. Express Küchen ist trotz eines Schwerpunkts im momentan eher schwächer laufenden Discountmarkt nach wie vor gut ausgelastet und hat verlängerte Lieferzeiten. Fürs zweite Halbjahr sieht Wefing „eine Menge Nebel“ – sowohl bei der Marktentwicklung als auch bei den Kosten. Für Pino-Geschäftsführer Jörg Deutschmann läuft es „besser als befürchtet, wenn auch weniger als erhofft.“ Und Ulrich Spleth, Geschäftsleiter Vertrieb von Impuls bezeichnet den Start ins Jahr als „durchwachsen“. Nahezu bombig läuft es im Geschäft mit den Küchenspezialisten, während der Discount sich erheblich schwerer tut. Doch klar: Auch die Discount-Lieferanten liegen über Vorjahr, schließlich waren vor einem Jahr die Läden geschlossen und gerade Großfläche und SB in dieser Zeit schwer getroffen.

Während der Export der deutschen Küchenmöbelproduzenten im letzten Jahr um 18,6 Prozent zulegte, damit die Delle des ersten Corona-Jahres mehr als kompensierte und die Exportquote auf knapp 44 Prozent steigen ließ, betrug das Umsatzplus im Inland lediglich 2,1 Prozent – von August bis Dezember waren sogar rückläufige Umsätze zu beobachten –, allerdings auch gegen die enormen Vorjahreswerte. Dass im deutschen Markt vielleicht bald eine Sättigung erreicht sein könnte und die Jahre des ewigen Wachstums hierzulande bald vorbei sind, das vermuten einige aus der Branche. Allerdings vermutet man das ja auch schon länger. Wäre ein Grund mehr, sich in Richtung Export zu orientieren. Die Küchenmöbelindustrie ist gerüstet.

So viel zu den positiven Themen im Markt. In den Gesprächen, die man dieser Tage führt, überwiegen die anderen. Die Herausforderungen sind vielschichtig und reichen von Materialverfügbarkeit über die drastische Kostenentwicklung bis hin zur Krankheitsquote. Laut Nolte-Geschäftsführer Wefing war die krankheits- und quarantänebedingte Ausfallquote in den Betrieben noch nie so hoch.

Kosten und Preise

Womit man vielleicht hätte rechnen können oder müssen – es aber ganz sicher nicht präventiv hätte einkalkulieren können: Seit Jahresanfang wurden die Preise für Vorprodukte und, ach, überhaupt alles, mit enger Taktzahl weiter erhöht. Die Frage, wie man mit den erneuten Kostensteigerungen nun umgehen soll, lässt intern in den Chefetagen der Industrie die Köpfe rauchen. Störmer-Chef Christoph Fughe: „Ich habe gedacht, dass ich in den letzten Jahren wirklich jedes Problem schon gesehen habe. Dass Lieferanten aber im Vier-Wochen- Takt auf der Matte stehen würden und die Preise erhöhen, damit habe ich nicht gerechnet. 35 Prozent mehr für ein neues Korpusdekor, das gerade erst eingeführt wurde, sind einfach nicht drin.“ „Das Kostenthema hört nicht auf“, sagt Häcker-Vertriebsgeschäftsführer Markus Sander und auch Nobilia-Boss Dr. Lars Bopf beschreibt die jüngsten Preisrunden der Vorlieferanten als „extrem belastend“. „Wir sind ganz gut ausgelastet, aber was kommt jetzt?“, fragt Pino-Mann Jörg Deutschmann. „Verfügbarkeit und Kosten sind unberechenbar.“

Wie viel teurer?

In der E-Geräte-Industrie ist mindestens einer der großen E-Gerätebauer schon mit einer saftigen Preiserhöhungsankündigung rausgegangen, andere haben Kunden mündlich vorbereitet: Zwischen 7 und 10 Prozent müssen Abnehmer einkalkulieren, spätestens fürs zweite Halbjahr. Aber – dieser Seitenhieb muss erlaubt sein – früher werden die meisten Geräte ja wahrscheinlich auch gar nicht geliefert. Auch beim Holz wird der Küchenhandel sich, das ist ziemlich sicher, im späten Frühjahr auf Teuerungszuschläge einstellen müssen. „Die Kostensteigerungen kann keiner stemmen, ohne sie weiterzugeben“, meint einer der ganz großen Küchenmöbelbauer. Christoph Fughe sagt es so: „Sich die Mehrkosten auf Dauer von der Marge abzusparen kann nicht die Lösung sein.“ Die Marge muss man ja auch erstmal haben. Rotpunkt-Chef Wagner: „Wir müssen auch an morgen und an übermorgen denken. Kein Schrank darf das Werk verlassen, an dem kein Geld verdient wird.“ „Temporär kann man es schlucken, aber auf Dauer kann es nicht so weitergehen, das ist ein wirtschaftliches Gesetz“, sagt einer, der nicht namentlich zitiert werden will.

Der Tenor ist schon ziemlich einheitlich: Ohne unterjährige Preiserhöhungen wird es nicht laufen, wenn nicht die Kosten wieder sinken, womit kaum zu rechnen ist. Nur wann und wie viel? Und wie macht man das mit Gespür?

Mit einer Ankündigung von +2,9 Prozent zum 1.6. hat ein nicht ganz so Großer kürzlich den Anfang gemacht. Das machte schnell die Runde. Obwohl es den meisten anderen nicht einmal ausreichen würde – benötigt werden überwiegend zwischen 4 und 7 Prozent –, wird mehrheitlich noch abgewartet. Die großen Küchenmöbelhersteller halten sich noch bedeckt. Keiner will der Erste sein. „Wie im letzten Herbst spielen wir Mikado. Alle warten eigentlich darauf, dass einer der Großen, eigentlich der Größte, sich bewegt“, sagt jemand.

Und wann?

Im Laufe des März, spätestens Anfang April, werden Entscheidungen getroffen sein. Wie genau dann die Umsetzung erfolgt? Die Systeme der Küchenmöbler sind komplex, die neuen Verkaufshandbücher gerade draußen. Für den Handel sei es schwierig Anhebungen „kalkulativ abzufrühstücken“. Aber: Dass nur einmal im Jahr mit den neuen Verkaufshandbüchern die Preise angepasst werden könnten, von dieser Denke müsse man sich lösen. Teuerungszuschläge seien inzwischen geübte Praxis. Die Pandemie hat einiges verändert. Offenbar auch die Praxis der „Jahresabkommen“.

Natürlich schwingt bei einigen Herstellern auch die Sorge mit, dass man mit Preiserhöhungen vielleicht den Konsum abdreht. Doch vielleicht sind höhere Preise gar nicht so wild? In der Küchenmöbelindustrie hat so ziemlich jeder gelesen, welche Preiserhöhung Ikea – ziemlich beiläufig eigentlich über ein in der internationalen Presse erschienenes Interview – durchgegeben hatte: Um die 9 Prozent sollten es „weltweit im Schnitt“ sein. Wer die Möglichkeit hat zu vergleichen, sieht allerdings, dass daraus zumindest bei in Deutschland verkauften Küchen erheblich mehr geworden ist. Und hat man davon in den letzten Wochen nochmal etwas gehört? Sind Endverbraucher Sturm gelaufen? Eher nicht. Die dürften das mehrheitlich gar nicht mitbekommen haben, weil sie kein Gespür für Küchen-Preise haben.

Gienger-Chefin Christine Zinner: „Wir haben mit Preiserhöhungen zu tun, die gab es bislang in der Branche nicht. Aber die Kunden sind auch vielfach nicht mehr ganz überrascht, wenn sie aufmerksam die Presse verfolgen.“ Die Preiserhöhungen der Industrie, sofern sie rechtzeitig angekündigt wurden, reichen Händler natürlich soweit es möglich ist an Endverbraucher durch.

Problem-Thema Geräte

Im Gespräch mit Küchenhändlern ist das Brennpunktthema nach wie vor die Lieferzeitenproblematik der E-Geräteindustrie, die sich teils sogar noch verschärft hat. „Das ist schlimmer geworden“, berichtet der oberfränkische Garant-Händler Marco Häfner. Ein anderer erzählt vom Kunden, der 27.000 Euro einbehält, weil der Kochfeldabzug nicht zum versprochenen Termin geliefert wurde und auch in absehbarer Zeit gar nicht in Sicht ist. Da platzt manchem Händler die Hutschnur. Nicht nur, weil es auf die Liquidität geht, sondern vor allem, weil es – das kommt in Gesprächen immer wieder durch – an vielen Stellen an der Kommunikation zu haken scheint. „Die E-Gerätehersteller sitzen teilweise auf einem sehr hohen Ross“, findet Michael Freckmann nicht als Einziger. Die Lieferproblematik bei Geschirrspülern hat er durch Bevorratung in den Griff gekriegt: „Wir haben ein 600-qm-Lager. Das hilft uns. Wir haben 2019 hundert Geschirrspüler eingekauft. Seitdem immer wieder nachbestellt. Davon leben wir jetzt.“

Ärgerlicherweise sind zuletzt Kühlschränke neu zu den Problemkindern dazugekommen, und immer wieder fehlen auch Mikrowellen, sagt Martin Breitschopf. Auch Breitschopf hat ein kleines Lager aufgebaut. Natürlich haben den Geräte-Stress, der bekanntlich auch oft mit mehrfachen Anfahrten zum Endkunden verbunden ist, auch die Verbände nicht erst seit gestern auf dem Schirm. Der Mehraufwand durch zusätzliche Montagetermine aufgrund von Fehlteilen dürfe nicht allein zulasten des Handels gehen, machte beispielsweise auch Ernst-Martin Schaible, geschäftsführender Gesellschafter von Der Kreis, kürzlich nochmal bei einer Verwaltungsratssitzung deutlich.

  • Schlagzeile: Podcast für Küchenkäufer
  • H1: Küchenliebe: Neuer Podcast für Küchenkäufer

Die Branchen-Insider Sascha Wollschläger (Küchensachverständiger und Ex-Küchenhändler) und Gérard Alsdorf (als Handelsvertreter für einen großen Küchenbauer unterwegs) sind in der vergangenen Woche mit einem neuen Podcast an den Start gegangen. Neue Folgen soll es künftig alle zwei Wochen geben.

Der Podcast „Küchenliebe“  richtet sich grundsätzlich an Endkunden, die eine Küche kaufen wollen. „Wir wollen aber auch Händler mit ins Boot holen“, sagt Alsdorf. Sprich: Der Handel soll seinen Kunden den Podcast empfehlen – zum Beispiel vorm ersten Beratungstermin. Gleich in der ersten Folge ging es nämlich unter anderem darum, was man als Küchenkunde denn so mitbringen soll zur Küchenplanung.

Bei der Produktion haben die beiden mit Murmel Productions zusammengearbeitet, einer Agentur, die auch von Promis wie Elton oder Atze Schröder engagiert wird. Entsprechend professionell kommt schon der Opener daher: Das Intro wurde von MHK-Küchenstimme Martin Hecht eingesprochen, als Jingle folgt der Reinhard-Mey-Song „Ich liebe meine Küche“.

Wie Alsdorf und Wollschläger an Hörer kommen wollen? „Einfach mal laufen lassen“, sagt Alsdorf. Feedback nach der ersten Episode kam in erster Linie aus dem Küchenhandel. Wichtig: Der Podcast soll neutral bleiben, es werden also weder Küchenhersteller noch Händler explizit empfohlen.

In der zweiten Folge nächste Woche wird es unter dem Titel „Der Preis ist heiß“ um Verkaufspreise gehen. Und zwar nicht nur darum, was Endkunden in Sachen Preiserhöhungen zu erwarten haben, sondern auch darum, wie der Preis sich zusammensetzt – nämlich nicht nur aus den Materialkosten.

  • Schlagzeile: Die Podcastmacher im Talk
  • H1: Küchenliebe: Die Podcastmacher im INSIDE Küche-Talk

Vor knapp zwei Jahren haben Gérard Alsdorf und Sascha Wollschläger mit ihrem Podcast Küchenliebe ein Herzensprojekt begonnen.

Seit dem Start informieren die beiden, verpackt in kurzweiligem Geplauder und mit viel Herzblut für die Sache, regelmäßig potenzielle Küchenkäufer, aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Handel, über technische Finessen. Anfang August waren sie selbst Talk-Gäste bei Outsiderin Eva Ernst.

Den Talk gibt's hieroder auf den gängigen Podcastplattformen (Stichwort: INSIDE hören) auch als „audio only".

 

  • Schlagzeile: Das Glas ist halb voll
  • H1: Das Glas ist immer halb voll - die Küchenbranche macht sich Mut

„Die Gesamt-Gemengelage bleibt angespannt. Aber nicht so schlimm, wie es in der Bild-Zeitung steht.“ Das Zitat eines Managers aus der Küchenmöbelindustrie fasst ganz gut zusammen, was uns bei einem ersten Rundruf durch den Küchenmarkt zum Jahresstart als Stimmungsbild entgegenschlug. Zwischen eingeschlafenem Auftragseingang und neuen, vielfach nicht ausgelasteten Kapazitäten hat die Küchenbranche ihren Optimismus nicht verloren.

Viele haben in den Gesprächen dieser Tage darauf hingewiesen – und wenn man mal an die Jahre vor Corona und auch vor der kapazitätsverknappenden Alno-Insolvenz zurückdenkt, war das auch so: Der Jahresanfang war traditionell immer schwach im Küchenbusiness. In der Industrie wurden Zeitkonten abgebaut; und wenn Kurzarbeit angemeldet werden musste, dann im ersten Quartal. Sobald die Tage länger wurden, spätestens um Ostern herum, dann wurde die Branche wieder von einer guten Auftragslage überrascht. Und das kurioserweise jedes Jahr aufs Neue.

So sieht das auch Andreas Wagner, Chef des Küchenbauers Rotpunkt-Küchen, der in Bünde gerade 80 französische Kunden zu einer kleinen Hausmesse außer der Reihe zusammengetrommelt hat: „Bei uns selbst wird der Januar umsatzseitig besser als 2022, auch preisbereinigt. Auf der anderen Seite sehe ich jetzt, dass die Küchenbranche in die normale Saisonkurve zurückkehrt, die wir vor der Pandemie kannten. Und wenn ich die Kurve beispielsweise über die von 2017 lege, sehe ich denselben Verlauf – nur höher.“ In dasselbe Horn stößt Nobilia-Geschäftsführer Dr. Lars Bopf: „Die Corona-Jahre waren besondere Jahre. Alle Schwankungen, die man sonst im Jahresverlauf hat, waren verändert. Jetzt bewegen wir uns wieder im normalen Muster.“ Bopf legt allerdings ein Aber nach: „Dieses Jahr ist alles sensibler zu betrachten, weil bei vielen Verbrauchern ein extrem hohes Maß an Unsicherheit geherrscht hat. Diese Unsicherheit wird allmählich abgebaut, aber sie ist noch nicht ganz weg. Die Dynamik steigert sich hoffentlich. Ab Ostern geht es weiter.“ Bis dahin gelte es, „anspruchsvolle erste Wochen“ zu überbrücken.___STEADY_PAYWALL___

„Die Verunsicherung wird sich lösen“, ist sich auch Schüller-Vertriebsleiter Frank Bayer sicher. „Ich bin für 2023 nicht so pessimistisch, weil viele Dinge jetzt wieder berechenbarer werden.“ Bei der Vertriebstagung neulich hat Bayer seiner Mannschaft eingebläut: „Wir bleiben chronisch euphorisch.“

Jetzt im Januar bekommen Endverbraucher ihre Stromabrechnungen und können ihre finanzielle Lage allmählich besser einschätzen. Was allerdings im ungünstigen Fall auch heißen kann: Es ist kein Geld mehr übrig. Je niedriger das Budget für die Küche, umso härter sind die jeweiligen Kunden von der Inflation betroffen. „Das Drama liegt im Einstieg, unterhalb der Mitte“, sagt ein Handelsmanager. In diesem Segment wird auch mit einer längeren Erholungszeit gerechnet, selbst wenn es neben Szenario eins („Keine neue Küche“) auch ein zweites Szenario gibt: „Preiseinstieg statt Mitte“, wovon dann die Hersteller sehr preisgünstiger Küchen wiederum profitieren würden.

Baumann-Geschäftsführer Matthias Berens, der über die Marken Bauformat und Burger einen Blick sowohl auf das höherwertige Segment als auch den Preiseinstieg hat, sagt es so: „Schon nach den Sommerferien war im unteren Bereich die Goldgräberstimmung vorbei. Der Preiseinstieg war wie abgeschnitten. Küchen bis 5.000 oder 6.000 Euro finden eigentlich kaum noch statt im Markt. Dass der Küchendurchschnittswert zuletzt noch mehr gestiegen ist, liegt nicht nur an den Preiserhöhungen, sondern auch daran, dass im unteren Bereich kaum noch gekauft wird.“ Mit Burger hat man sich in den letzten Jahren zwar mehr ins mittlere Preissegment reinbewegt, spürt die Tendenz aber dennoch dort, wo man im SB-Bereich noch vertreten ist.

Während bei der Kundschaft für die preiswerten Küchen schlicht das Geld knapp ist, steht der Küchenkauf im höheren Preisbereich in Konkurrenz mit anderen Ausgaben wie beispielsweise der energetischen Sanierung. Der Markt hat sich wieder in einen Käufermarkt gedreht. Überlange Lieferzeiten ade. Auch im höherwertigen Bereich wird teilweise von zweistelligen mengenmäßigen Auftragsrückgängen berichtet. Die Umsatzeinbrüche halten sich hier wegen der Preiserhöhungen in Grenzen.

Nolte- und Express-Geschäftsführerin Melanie Thomann-Bopp sagt es recht konkret: „Wir gehen nicht davon aus, dass wir bei den Mengen in den nächsten Wochen auf dem Vorjahresniveau unterwegs sein werden. Mengenmäßig planen wir eher auf dem Niveau von 2019.“ Die Entwicklung von Nolte und Express laufe dabei recht parallel und es können bislang auch keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Absatzkanälen erkannt werden. Hier dürfte die Gruppe allerdings in einer Sondersituation sein, da die im Preiseinstieg aktive Firma Express die Preise nicht im vergleichbaren Maß angehoben hatte wie direkte Wettbewerber.

Kehrt der Preiskrieg zurück?

Die an fast allen Stellen erweiterten Kapazitäten müssen gefüllt werden. Es werden Volumina gebraucht, um die sich der ein oder andere aus dem konsumigen Segment auch mit dem ein oder anderen Aktionsangebot bemüht. Das ist bei großen Handelsorganisationen durchaus angekommen. „Wir merken schon an den Aktionsangeboten, dass die Auslastung nicht so gut ist“, sagt ein Verbandsgeschäftsführer.

Dass wie in der Vergangenheit versucht würde, Maschinenfutter um jeden Preis zu erkaufen, das ist aber nicht der Fall. So geht man nur vor, wenn Personalabbau droht oder gar Existenzängste, was zumindest auf die großen Küchenbauer nicht zutrifft. Zu den Wackelkandidaten werden aktuell eher kleinere Unternehmen gezählt. Und selbst dort hört man zum Teil (Zweck-)Optimismus raus. Natürlich off-record: „In so einer Lage traut man sich vielleicht wenigstens, neue Vertriebsformen anzugehen.“

Da man es bei den Großen im Markt mit soliden Unternehmen zu tun hat, ist die Wahrscheinlichkeit dafür, dass vergleichbare „Schweinepreise“ in den Markt gebracht werden wie zu Alno-Zeiten, nicht allzu groß. Hinzu kommt der anhaltende Kostendruck. „Was die Industrie da im letzten Jahr einstecken musste, ist durch die Preissteigerungen längst nicht ausgeglichen. Zeitlich liefen wir ja alle sechs bis neun Monate hinterher. Das hat noch keiner wieder aufgeholt“, argumentiert Häcker-Vertriebsleiter Marcus Roth. Thomann-Bopp: „Es kehrt etwas Ruhe bei den Rohstoffkosten ein, bei den Transportkosten sehen wir das aber nicht so. Und eine Steigerung der Lohnkosten kommt erst noch auf uns zu.“ Die in den vergangenen zwei Jahren erlebte Kostenexplosion wird überwiegend auch als Grund dafür gesehen, dass trotz der abnehmenden Auslastung „keine wilde Hackerei bei den Preisen festgestellt wurde“, wie ein Vertriebsmann sagt. „Momentan halten alle die Füße still.“ Festgestellt wurde aber, dass der Kampf im Projektgeschäft zugenommen hat – mehr Händler bewerben sich um die Projekte, unterbieten sich gegenseitig. Hier können dann gegebenenfalls Lieferanten aus dem Preiseinstieg punkten – oder andere mit einem Nachlass.

„Kann man mit Preisaktionen überhaupt mehr verkaufen?“, ist übrigens eine berechtigte Frage. Zumindest die Wohnungsfertigstellungen kurbelt man damit nämlich auch nicht an. Von den geplanten 400.000 Wohnungen ist im letzten Jahr schätzungsweise gerade mal die Hälfte fertiggestellt worden. Dass es im Wohnungsbau weiter vorangehen muss, ist aber auch klar, schließlich wird Wohnraum gebraucht. Kommt das nicht durch die Privatwirtschaft, dann vielleicht mit staatlicher Unterstützung – aber nicht ad hoc.

Andere Länder, anderes Mindset

Große Hoffnungen legen die Küchenbauer weiterhin auf den Export, der ja bereits 45 Prozent am Umsatz ausmacht. Nicht alle sind solche Schwarzmaler wie die Deutschen. „In anderen Märkten haben sie ein anderes Mindset“, sagt Melanie Thomann-Bopp. Das kann helfen. Als sehr wahrscheinlich wird in der Branche aber vor allem gesehen, dass deutsche Hersteller sich auf den internationalen Märkten durch ihre Qualität und Prozesse Marktanteile holen, wie das in den vergangenen Jahren beispielsweise in Frankreich gelungen ist.

Auf dem deutschen Markt war das Küchen-Verkaufen in den zurückliegenden Jahren mehr oder weniger ein Selbstläufer. „Davon haben auch die profitiert, die ihren Job vielleicht gar nicht so gut machen“, sagt ein Händler über seine Mitbewerber. „Jetzt wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Sowohl im Handel als auch in der Industrie.“ Ein anderer weist auf die Bedeutung guter Verkäufer hin, deren Qualitäten jetzt wieder wichtiger werden. „Viele Verkäufer haben in den letzten Jahren das Verkaufen verlernt“, sagt er.

Zum Glück, das darf man auch nicht unerwähnt lassen, gibt es innerhalb des sich abschwächenden Marktes auch noch wachsende Marktsegmente. Dazu gehören zum Beispiel die Funktionsarmaturen, so dass es nicht wundert, dass Quooker-Deutschland-Geschäftsführer Daniel Hörnes auch 2023 selbstbewusst mit weiterem Wachstum plant. Und im Hausgerätebereich ist, gerade durch die Energiekrise, die Energieeffizienz ein Treiber. „Die Menschen sind bereit, in energieeffiziente Hausgeräte zu investieren“, sagt Martin Wolf von der EK/Servicegroup, der bei der gerade zu Ende gegangenen Verbandsmesse in Bielefeld Stimmen zur Marktlage eingeholt hat.

Im INSIDE Küche-Talk zum Jahresstart haben wir uns mit Baumann-Geschäftsführer Matthias Berens, Quooker-Chef Daniel Hoernes und Küchenhändlerin Yvonne Zahn vom Küchenstudio Proform über die ersten Wochen des Jahres und ihre Erwartungen ausgetauscht. Yvonne Zahn spricht ganz sicher nicht für die gesamte Branche, wenn sie sagt: „Wir wollen in diesem Jahr nicht mehr wachsen“, bringt damit aber ein weiteres Thema auf den Tisch: Viele Unternehmen sind in den zurückliegenden Boom-Jahren an strukturelle Grenzen gestoßen. Vollauslastung bis Überlastung in Industrie und in Auslieferung und Montage des Handels sowie Mehrfachanfahrten durch Versorgungsprobleme. Nicht zu vergessen auch der hohe Krankenstand in den Unternehmen, der gerade zum Jahresende nochmal sämtliche Planungen zunichte machte. Hier scheint im neuen Jahr wieder etwas Ordnung reingekommen zu sein. Hoffentlich von längerer Dauer.

Und mittel- bis längerfristig hängt natürlich das seit Jahren prophezeite Thema des Fachkräftemangels über der Branche. „Die Mitarbeitersuche ist aktuell unsere größte Herausforderung“, sagt Melanie Thomann-Bopp nicht nur für Nolte-Küchen. „Der Markt dreht sich gerade komplett. Bei Bewerbungsgesprächen stellen die Bewerber die Forderungen.“

In den kommenden Wochen werden wir auf INSIDE Küche immer mal wieder INSIDE Talks zur Marktlage veröffentlichen. Neben der oben aufgeführten Runde ist bereits ein Talk mit Jochen Pohle, Martin Wolf und Christian Claes von der EK/Servicegroup im Kasten; und für Anfang Februar hat schon das Blanco-Duo Thorsten Neelen und Martin Hopf zugesagt.

Einblicke in die Entwicklung ihrer Unternehmen und ihre Erwartungen haben wir außerdem noch bei Ballerina-Chefin Heidrun Brinkmeyerund bei Leicht-Boss Stefan Waldenmaier eingeholt.

 

  • Schlagzeile: Abschwächung mit Ansage

Mit den dicken Pluszahlen im Küchenmarkt könnte es bald vorbei sein. Das zeigt die amtliche Statistik, die der VdDK bereitstellt, und kommt auch mehr oder weniger mit Ansage, schließlich ist der Vorjahresvergleich in den meisten Monaten dieses Jahres durch die Lockdowns in unterschiedlichen Zeiträumen irgendwie schräg. Das führte im ersten Halbjahr in der Küchenmöbelindustrie zu einem Plus von 16,3 Prozent auf 2,868 Mrd Euro. Im Juli lag der Zuwachs dann noch bei 5,1 Prozent, während im August 7,5 Prozent Minus verbucht wurden.

Betrachtet man die Monate Juli und August zusammen, was sich aufgrund der Betriebsferiensituation empfiehlt, liegt das Minus nur bei 1,5 Prozent. Sicherlich wird es im vierten Quartal zu weiteren Rückgängen kommen -  schon allein wegen der hohen Vorjahreswerte in dem Zeitraum, die die Industrie nicht übertreffen kann, weil mehr als Vollauslastung und Überstunden einfach nicht drin sind. Und auch weil Verzögerungen im Bau zu kurzfristigen Auftragsverschiebungen führen. Die dadurch entstandenen Lücken können oftmals nicht spontan gefüllt werden.

Als Vorbereitung für eine Talkrunde Ende November haben wir in dieser und der letzten Woche mit etlichen Händlern gesprochen. Mal abgesehen von den Beschaffungssorgen, die man kaum noch erwähnt, obwohl sie sich in den nächsten Wochen noch verschärfen sollen, waren alle gut drauf und gut beschäftigt. Fast zu gut. Und werden es wohl auch bis ins Frühjahr hinein sein. Die Lieferzeiten der Industrie? Nach wie vor viel zu lang. Das gilt für den Holz-Bereich. Im Gerätebereich muss man froh sein, wenn bestimmte Produkte überhaupt irgendwann mal wieder lieferbar sind. Der ein oder andere Händler rechnet aber schon mit einer Abschwächung im Frühjahr, wenn sich ein seit dem Herbst verzeichneter Frequenzrückgang in den Büchern niederschlagen könnte. Zuletzt war es dann doch eher leerer in den Geschäften. Andererseits: Wie oft haben wir in den vergangenen Jahren ein Ende des Küchen-Booms befürchtet? Eingetreten ist das bislang nicht. 

Die aktuelle Auftragslage im Handel stufen die meisten doch eher als „Normalisierung“ ein. Vor Weihnachten kriegt ohnehin kein Endkunde mehr seine Küche.

  • Schlagzeile: Inselträume
  • H1: Mallorca: Küchenmarkt für Auswanderer

Business auf den Balearen? – Ein Traum für viele Macher aus dem deutschen Küchen- und Möbelmarkt. Einige haben ihn dauerhaft erfolgreich umsetzen können. Das Geschäft auf Mallorca hat seine Eigenheiten.

Es hat sie aus verschiedenen Gründen auf die größte der fünf Baleareninseln gezogen. Mallorca ist etwa 170 Kilometer vom spanischen Festland entfernt; weggehen möchte keiner mehr, der es geschafft hat. Manch anderer Deutsche, der auf Mallorca im Küchen- oder Möbelhandel gestartet ist, hatte da weniger Erfolg. „Wir haben zehn Jahre gebraucht, um alle unsere 30 Mitarbeiter zu finden. Etwa ein Drittel davon haben wir selbst ausgebildet“, sagt Udo Stork. Er ist einer derjenigen, die es geschafft haben. Der Möbelhändler aus dem Kraichgau gehört zur zweiten Generation von Möbel Stork, genauer der Johann Stork GmbH in Bretten. Vom Haupthaus in der Region um Karlsruhe und Pforzheim wagte er den Schritt ins gut 1.100 Kilometer entfernte Santa Ponça. Warum? „Meine Frau ist Brasilianerin. Und wir haben überlegt, wo es eine Umgebung für die Kinder gibt, die viel mit den beiden Kulturen ihrer Eltern gemeinsam hat.“

So wie den Mittfünfziger hat es einst auch Birgit und Hans Heinrich Müller auf die Insel gezogen. Auch hier gaben private Gründe mit den Ausschlag. Hans Heinrich Müller wollte es nach einer längeren Karriere bei IBM und Lexmark anders und auch etwas ruhiger angehen. „Eigentlich war es eine Schnapsidee, aber wir haben uns dann intensiver mit dem Gedanken beschäftigt. Jetzt sind wir seit 22 Jahren hier auf Mallorca“, sagt er rückblickend. Auch Müllers, noch geschäftlich, aber nicht mehr privat verbunden, hatten schon vorher mit Küchen zu tun, Birgit Müllers Familie kommt aus der Küchenbranche.

Auf Mallorca sind Birgit Müller Küchen inzwischen ein eingeführtes Brand im hochpreisigen Segment. Da kann eine Küche auch schon mal eine Viertelmillion Euro kosten. „Küchen bei Birgit Müller fangen so bei etwa 60.000 Euro an, Nolte Küchen kosten auf Mallorca im Schnitt vielleicht 18.000 bis 20.000 Euro oder etwas mehr. Das ist eine kleine Schnittmenge“, sagt Ralf Heitkamp über die Marke seiner Kollegin. Wenn einer den Markt auf Mallorca kennt, dann er. Heitkamp hat das Mallorca-Geschäft für Nolte aufgebaut, war mehr als zwei Jahrzehnte dort tätig und arbeitet aktuell noch seinen Nachfolger ein.

___STEADY_PAYWALL___Die beiden Nolte-Studios auf Mallorca tragen etwa 20 Prozent zum Spanien-Umsatz bei. Nolte Cocinas Iberia betreibt Läden in Santa Ponça, 20 Kilometer von der Inselhauptstadt Palma entfernt, und in Manacor. Manacor, so erklärt Heitkamp uns, ist die Möbelstadt auf Mallorca. 42 Möbelgeschäfte seien dort zu finden, allerdings keine größeren Küchenhändler. Während in Santa Ponça die teureren Küchen verkauft werden, liegen die erzielbaren Preise auf der Manacor-Seite der Insel deutlich darunter. Dort sind dafür höhere Stückzahlen zu erzielen.

Die drei Handelskonzepte sind unterschiedlich: Ausgründung aus einer deutschen Firma, kompletter Neuanfang als Gründerin, Tochter eines deutschen Herstellers. Aber beim Erfolgsrezept setzen alle drei auf einen Mix aus identischen Zutaten. Die Mehrsprachigkeit der Mitarbeiter ist ein absolutes Muss, mancher der Händler beschäftigt Mitarbeiter, die sechs Sprachen draufhaben – neben ihren fachlichen Fähigkeiten. „Allein in der Inselhauptstadt Palma de Mallorca leben Menschen aus 156 Nationen", sagt Heitkamp. „Mallorca ist eine Geschichte für sich, das muss man auch völlig trennen vom spanischen Festland-Geschäft.“ Denn auf der Insel sind Ferienhausbesitzer aus vielen Nationen zu finden. Die möchten in ihrer Sprache kommunizieren. Die spanischen Kunden, die Mallorquinisch oder Spanisch sprechen, gibt es auch noch, auch wenn sie bei den meisten deutschen Händlern die geringere Zahl der Kunden ausmachen. Da kann dann aber auch schon mal eine der Unternehmerfamilien vor Ort zum Kundenstamm zählen. Hinzu kommen deutsche Wirtschaftsgrößen oder Promis. Scheu gegenüber denen sollten die Mitarbeiter im Verkauf und in der Planung auch nicht haben, ein Tipp, den Heitkamp ihnen immer mitgibt.

Etwa 70.000 Deutsche haben ihren steuerlichen Hauptwohnsitz auf der Baleareninsel, einige weitere sind weniger als ein halbes Jahr auf der Insel, besitzen aber eigene Immobilien. Der gute Kontakt zu ausgewählten Maklern, Bauträgern und Architekten ist für das Geschäft wichtig. „Wir arbeiten auch viel mit spanischen Bauträgern und Innenarchitekten zusammen. Das macht 20 bis 30 Prozent des Geschäfts aus“, sagt Udo Stork. Auch Nolte hat das ein oder andere Projekt, bei dem Bauträger wichtig sind, etwa, wenn ein Objekt mit 15 Apartments geplant wird, alle mit Nolte-Küche (und Möbeln). Natürlich gibt es auch die ganz großen Projekte. Die Käufer dieser Immobilien erwerben schon mal eine 15-Mio-Villa und geben nochmal 500.000 Euro für die Einrichtung aus. Da sind dann einige Schlaf-, Wohn- und  Esszimmer einzurichten.

Obwohl sich die Händler auf deutsche Kunden spezialisieren, sind Kunden aus anderen Nationen unter den Käufern. Stork setzt deshalb auch auf einen internationalen Markenmix: Schramm, Walter Knoll, Cor, Cassina, Flexform, B&B Italia, Carl Hansen. Vitra und USM Haller gehen bei ihm ebenfalls sehr gut. „Etwa die Hälfte unserer Kunden sind Deutsche. Engländer, skandinavische Kunden, Franzosen und Spanier stehen für die anderen 50 Prozent.“ Stork hält es sowieso für wichtig, auch aus der spanischen beziehungsweise balearischen Kultur immer Angebote mit einzubeziehen. Stork macht etwa 40 Prozent des Geschäfts mit Küchen, beschäftigt rund 30 Mitarbeiter, davon 15 Interior Designer. Zwei sind Deutsche, die anderen kommen aus acht anderen Ländern. „Planungskompetenz und Kreativität sind hier unerlässlich, um gut ins Geschäft zu kommen“, sagt er.

Auch bei Birgit Müller und Nolte sieht man das ähnlich. Die Präsentation muss ebenfalls perfekt sein. Bei Stork haben sie schon vor der Pandemie viel mit 3D- und Videoberatung gearbeitet. Schließlich fliegen die Kunden nicht so oft ein, und wenn, dann nur für kurze Zeit.

Eine rare Spezies auf Mallorca: gute Monteure. Zumindest laufen die nicht in freier Wildbahn herum. Da das spanische Ausbildungssystem komplett anders ist, gibt es einfach so gut wie keine guten Tischler dort. Monteure werden also auf jeden Fall importiert; hier kann viel weniger als in den anderen Bereichen auf spanisches Personal zurückgegriffen werden. Das berichten alle Firmen. Bei der erfolgreichen Suche helfen Geduld, gute Ausbildung und Bezahlung, ein sehr gutes Arbeitsklima: Dann kommt man schon an seine Montagespezialisten. Der Aufwand lohnt, meint Stork: „Service ist hier extrem wichtig – und die Mehrleistungen werden auch honoriert, etwa bei den Planungen.“

Bei Birgit Müller arbeitet man mit fünf eigenen Monteuren. Zwei Tischler sind aus Deutschland und schon 16 Jahre im Team, die anderen drei seien Top-Tischler aus Argentinien, sagt Hans Heinrich Müller. Bei Auftragsspitzen und damit drohender Terminnot haben sie noch zwei norddeutsche Monteure in der Hinterhand, die sie einfliegen. Der Aufwand, den die Hochwerthändlerin betreibt, ist bei den anderen Händlern ebenso groß. Auch Nolte – 16 Mitarbeiter in beiden Showrooms – hat neben acht Verkäufern auch vier Monteure und zwei Servicemonteure auf der Payroll stehen. Hinzu kommen zwei Außendienstler für das Festland.

Beim Marketing beschreitet man auf der „größeren Insel“, wie Mallorca auf Mallorquinisch heißt, Pfade, die sich bewährt haben: Werbung im einzigen deutschsprachigen Monatsmagazin der Insel, in der deutschsprachigen Tageszeitung, Radiospots (ebenfalls im deutschsprachigen Sender) und inzwischen auch zunehmend Online-Schaltungen. Dazu kommen Networking- Veranstaltungen und Kunden-Events. Klingt eigentlich ganz einfach, die „Formel M“ für den Geschäftserfolg auf Mallorca. Aber auch traditionelle mallorquinische Gerichte wie Pamboli (Pa amb Oli, Brot mit Olivenöl) bestehen aus wenigen Zutaten – auf die Zubereitung und den Zutaten-Mix kommt es an.

  • Schlagzeile: Der Preis war's
  • H1: Küchenmarkt in Österreich 2022 leicht gewachsen

Allein die Preiserhöhungen der Hersteller sorgten dafür, dass der österreichische Küchenmarkt im Jahr 2022 nochmals zulegte – um 2,1 Prozent auf 589,5 Mio Euro zu Herstellerabgabepreisen, hat der „Branchenradar Küchen“ ermittelt. Der Mengenabsatz ging 2022 um etwa 3 Prozent zurück, so die Studie.

Zum Umsatzplus leisteten Küchenmöbel mit +1 Prozent auf 472,8 Mio Euro den geringeren Beitrag und das auch nur wegen Preisanhebungen um im Schnitt 4,5 Prozent. Höher war die Dynamik bei Arbeitsplatten, die um 8 Prozent auf 87,9 Mio Euro zulegten, und auch bei Spülen mit +2,9 Prozent auf 28,8 Mio Euro. Konsumenten entscheiden sich beim Zubehör verstärkt für höherwertige Produkte. So war beispielsweise bereits mehr als jede fünfte Küchenarbeitsplatte entweder aus mineralischen Werkstoffen, aus Naturstein oder verfügte über eine Keramikbeschichtung. Bei Küchenspülen substituieren Modelle aus Komposit oder Keramik zusehends die klassische Edelstahlspüle.

Zu den Gewinnern im Markt gehörte laut der Studie vor allem Schüller, aber auch Ewe/FM, Ikea und Breitschopf. Diese Anbieter konnten ihren Umsatz deutlich erhöhen.

  • Schlagzeile: Warnick wird Händler

Back to the roots - Dr. Bernd Warnick, vielen im Markt aus seiner langjährigen Tätigkeit als Küchenquelle-Chef bekannt, eröffnet einen Küchenfachmarkt, und zwar im Nürnberger Stadtteil Langwasser.

Küchenmegastore Nürnberg GmbH heißt die Gesellschaft, die Warnick in diesen Tagen gegründet hat und deren Mehrheitseigner er sein wird. Der Einstieg eines Partners ist geplant. Die Immobilie in der Thomas-Mann-Straße 50 hat Warnick nicht zufällig ausgewählt: Dort befindet sich momentan noch der Nürnberger Küchenquelle Megastore, der aber zuletzt gar nicht mehr für den Verkauf genutzt wurde, sondern für Schulungen etc. - bei Küchenquelle konzentriert man sich bekanntlich voll auf das Traditionsmodell der Beratung beim Kunden zu Hause – flankiert von Videoberatung. Die Zahl der stationären Läden war zuletzt schon auf drei zurückgefahren. Momentan heißt es auf der Homepage: „Aufgrund der aktuellen Situation sind unsere Studios geschlossen.“

Doch zurück nach Langwasser: „Sobald wie möglich“ will Warnick die 1.500 qm Ausstellungsfläche dort wieder eröffnen, auch um das Herbstgeschäft mitzunehmen. Die Ausstellungsküchen können zunächst weiter genutzt werden, rund 50 haben Platz auf der Fläche. Demzufolge geht der neue Fachmarkt auch mit Häcker, Nobilia und Kempfle als Hauptlieferanten an den Start. Mittelfristig können weitere dazu kommen. Überhaupt will Warnick nach und nach ein abgeändertes, innovatives Konzept etablieren - über das er dann spricht, wenn es so weit ist. „Wir werden an vielen Stellen auch neue Wege gehen“, sagt Warnick, der allerdings auch schon am früheren Konzept beteiligt war. Beim Blick in die Archive findet sich eine Pressemitteilung aus dem Jahr 2006 zur Eröffnung des „bundesweit ersten Küchenquelle-Megastores“, in der Warnick zitiert war.

Mit der neuen Gesellschaft hat Warnick sich übrigens dem Küchenring angeschlossen.

Küchenquelle Nürnberg2 Fotor

Küchenquelle Nürnberg Fotor

  • Schlagzeile: Eine App für die Holländer
  • H1: Küchenmeile 2024: Eine App für die Holländer

Wenn im September der Handel auf der Küchenmeile unterwegs ist, werden auch wieder viele Händler aus den Niederlanden kommen. Die Gäste aus dem Nachbarland wollen sich natürlich dazu auch gut orientieren. Die zu BouwMedia gehörende Küchen-Newsplattform uwkeukenprof.nl hat dazu gleich eine eigene Küchenmeile-2024-App gelauncht. Die wird mit

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  • Schlagzeile: Revue: Die Woche in OWL
  • H1: Messenachlese: Die Woche in OWL

Anders als bei den Wohnmöbeln, wo Einzelkunden seit vielen Jahren seltene Erscheinungen sind und die Einkaufskommissionen großer Filialisten und Verbände den Großteil der Messebesucher stellen, ging es in den Küchenmessezentren in OWL seit dem letzten Wochenende wieder lebhaft bis eng zu. Teils wurden die Vor-Corona-Besucherzahlen erreicht oder gar getoppt, teils lag man leicht drunter oder auf dem Vorjahr. Mit dem neuen Bora-Flagship-Store und Siemens im IDF34 sind aber natürlich auch zwei hochfrequentierte neue Anlaufstellen dazugekommen, die eventuell Zeit für andere Besuche abknapsten. Nutzen Händler die Flaute, um in ihren Ausstellungen klar Schiff zu machen, um zu investieren? Hält man sich sparsam zurück? Beide Varianten gibt es.

Im Großen und Ganzen muss man sagen: Der Besucherzustrom bei den Küchenmessen war weniger das Problem. Schwerer wiegt nach wie vor die Lage draußen im Markt, die allerdings nahezu überall aktiv totgeschwiegen und von der Messefreude ohnehin ausgestochen wurde.

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  • Schlagzeile: Endlich wieder Menschen

Wie ist es, nach zwei Jahren Pause endlich wieder unter Leuten zu sein, live Produkte anzufassen, das Feierabendbier mit Kollegen zu trinken? Wie ist das für einen Messeveranstalter? Und wie ist es, überhaupt plötzlich selbst Messeveranstalter zu sein, wenn man selbst jahrelang nur Aussteller war?

Ein paar Stimmen von den Messen in OWL, u.a. mit Markus Frönd (Grünergriff), Hansi Kalek (Hansgrohe), Carla Giesecke (Caroline Giesecke Raumdesign), Susanne Zeitlhöfler (Schock), Peter Ruppeiner (Freezyboy) und Kai Schäffer (IDF34).

 

 

  • Schlagzeile: „Plötzlich ist alles wie immer“

Die Trends, Must-Sees und Talk-Abouts entlang der A30.

„Es herrschte große Aufregung im Vorfeld. Dann ging es los, und plötzlich ist alles wie immer - trotz der Umstände.“ Nicht nur Area30-Macher Michael Rambach wirkte in diesen Tagen in OWL sichtlich entspannt. Frohe Gesichter überwogen. Gemecker über die Maßnahmen gab es kaum, auch wenn der Messetag wie bei Nobilia oder Poggenpohl schon mal routinemäßig mit einem Teststäbchen in der Nase begann. Klar gab es auch Skurrilitäten: Wer hätte vor zwei Jahren gedacht, dass auf einer Möbelmesse mal Ordnungsamt und Zoll überprüfen, ob Gesichtsmasken getragen werden oder dass Besucher mit gefälschten Impfpässen nach Hause geschickt werden (hoffentlich Einzelfälle).

Schon zu Mitte der Messewoche konnte man sagen, dass die Besucherzahlen überwiegend zufriedenstellten, auch wenn sie logischerweise nicht das Niveau des letzten „normalen“ Jahres 2019 erreichten. Viele Händler reisten einfach mit weniger Personen, so dass die Zahl der Firmen, die die Messen besuchten, gar nicht mal so stark sank. Auch internationale Besucher waren mehr unterwegs als man vielleicht erwartet hätte.

Überthema Nachhaltigkeit

Dass Schwarz ist das neue Weiß ist, wissen wir nun schon seit ein paar Jahren. Dieser Hype hält sich hartnäckig in den Küchenausstellungen. Weitere Trends: Outdoor-Kochen, Sprudel- und Heißwasserarmaturen, farbliche Abstimmung von Materialien, Retro-Chic, Gold und Kupfer, Regale, Regale, Regale, Nischenregale, Licht (wie bei Pronorms I-luminate oder Ballerina mit der Nimbus-Kooperation) und viele Natur- und Recyclingmaterialien - von der Lavendelrückwand bei Rational über eine Recyclingglas-Keramikverbund-Arbeitsplatte bei Nobilia bis hin zur kunststofffreien Küche bei Beeck mit Linoleum-Fronten. Überhaupt wurde Nachhaltigkeit von vielen groß aufgehangen, ob mit Nachhaltigkeitspreisen oder Zertifikaten. Nur ein Beispiel: Rotpunkts FSC-Zertifizierung.

Anti-Fingerprint ist vom Endverbraucher gefragt. Muss man haben, auch wenn die Materialien teils so wenig fettfrei bleiben wie bügelfreie Hemden tatsächlich bügelfrei sind. Bei den E-Geräten hat sich in der Front der Glasanteil weiter erhöht, während Edelstahl zurückgeht. Das Design wird noch zurückhaltender, Displays bleiben im ausgeschalteten Zustand unsichtbar. Muldenlüfter sind für Gerätebauer zum Muss geworden, werden teils aber auch nur deswegen mit angeboten, weil man halt Vollsortimenter ist. Und im Armaturen- und Spülenbereich? Da ist es groß angesagt, zum Systemanbieter zu werden. Promotet Blanco als Vorreiter ja schon seit Längerem und kommt auch beim Handel gut an.

Selbstbewusst ins Wohnen

Nach ein paar Jahren des zaghaften Annäherns als „Ergänzung“, die vor allem im Export gefragt sei, haben einige große Küchenbauer nun beschlossen, beim Thema Wohnen Volldampf zu machen. Als „wichtigstes Thema“ wurde das Wohnen gar bei Schüller bezeichnet. Nolte in seinem neu eröffneten Forum und Nobilia haben fürs Living eigene Flächen vorgesehen, vorkonfigurierte Sets zusammengestellt, mit denen nicht nur Küchen-, sondern auch Wohnen-Verkäufer etwas anfangen können. Und auch mancher Wohnen-Einkäufer aus dem Möbelhandel reiste in diesen Tagen nach Verl oder Löhne. Sagen wir so: Es sieht nicht mehr nach umfunktionierten Küchenmöbeln aus, was in den Living-Kojen der Küchenmöbler steht.

Smart Home demokratisch

Das Thema Smart Home - früher mal ureigenes Thema der Geräteindustrie - findet inzwischen auch bei den Küchenherstellern statt. Auch wenn es noch immer Küchenmöbelbauer gibt, die es lieber ignorieren, sind da auch diejenigen, die das vernetzte Heim groß spielen. Zu letzteren gehört Nobilia. Gemeinsam mit Samsung will man das Thema einfach umsetzbar und damit marktfähig machen. Auch Naber arbeitet mit Samsung im Bereich Vernetzung zusammen. Schüller hat sich Christian Hartmannsgruber und Kimocon als Partner gesucht (Dazu mehr im INSIDE Spezial Zulieferindustrie, das mit dem INSIDE 1122 Mitte Oktober versandt wird.) Bei Pronorm in Vlotho war die „digitale Arbeitsplatte“ Steuerbar zu Gast, das jüngste Projekt des Innovationsnetzwerks Ambigence mit dem Kunststoffverarbeiter Coko aus Bad Salzuflen. Smart-Home-Anwendungen in der Küche und anderswo im Haus lassen sich über eine individuell belegbare Steuerung an der Arbeitsplatte bedienen.

Start-ups salonfähig

Bemerkenswert: Start-ups sind in der Branche angekommen und werden ernst genommen. Was kann die Küchenbranche von Start-ups lernen, wurde in diesen Tagen häufiger gefragt als umgekehrt. Schließlich ist jeder auf der Suche nach innovativen Lösungen, die begeistern.

Noch stärker als früher haben Holz-, Geräte- und Zubehöranbieter das Thema Service herausgestellt. In Zeiten, in denen die Anspannung der Kundschaft aufgrund von Lieferzeiten und Preisanhebungen zunimmt, wenigstens ein Zeichen. Preise, ja, die sind ein Riesenthema. Hoch einstellige Preiserhöhungsforderungen sind in keinem Bereich eine Seltenheit.

Sex, Crime und Alno

Gesprächsthemen entlang der A30: Häckers neue Rasterküche Concept130, die Luxusküchen von BT45 im IDF34 mit Gimmicks wie Waffenschrank und „Spielzimmer“ (als Alternative zum Hauswirtschaftsraum) und natürlich der Kauf der Marke Alno durch Arndt Vierhaus, den wir am Dienstag melden durften.

  • Schlagzeile: Umsatz stark gestiegen
  • H1: Umsatz stark gestiegen

Die deutsche Möbelindustrie hat ihren Umsatz im ersten Quartal dieses Jahres um 16,1 Prozent auf rund 4,8 Mrd Euro gesteigert, teilt der VDM mit. Besser als viele andere Bereiche haben sich dabei die Küchenmöbel geschlagen, denn hier lag das Plus mit 16,8 Prozent noch einmal höher, als in der gesamten Möbelbranche. Branchweit sieht es so aus: Im Inland lag der Zuwachs laut den amtlichen Zahlen insgesamt bei 15,6 Prozent. Im Ausland setzten die deutschen Möbelhersteller ebenso 17,1 Prozent mehr um als im Vorjahreszeitraum. Die Exportquote kletterte somit von 31,6 Prozent auf 32,2 Prozent.

Für diese Effekte gebe es zwei Gründe, lässt sich VdDK-, VDM- und VHK-Geschäftsführer Jan Kurth zitieren: „Zum einen muss beim Vergleich mit dem Vorjahr der damalige Lockdown berücksichtigt werden.“ Die coronabedingten Handelsschließungen hatten im ersten Quartal 2021 zu einem Umsatzrückgang von knapp 8 Prozent in der deutschen Möbelindustrie geführt. „Zudem spiegeln die Umsatzzahlen des Auftaktquartals 2022 den hohen Auftragsbestand und die gestiegenen Produktionskosten unserer Hersteller wider, die sich aus den höheren Materialpreisen ergeben.“

Hinsichtlich der Verfügbarkeit der Vormaterialien seien derzeit zwar Anzeichen einer leichten Entspannung erkennbar, so Kurth. Allerdings gestalte sich der Anstieg der Materialpreise weiterhin sehr dynamisch und die Lieferketten seien nach wie vor äußerst fragil. „Materialverfügbarkeit hat aktuell einen hohen Preis, und für die deutsche Möbelindustrie stellt diese Kostenentwicklung eine große Belastung dar“, so Kurth.

Nahezu alle Sparten verzeichneten von Januar bis März dieses Jahres zweistellige Umsatzzuwächse. Besonders zulegen konnten Küchenmöbel +16,8 Prozent), Polstermöbel +20,8 Prozent) sowie Büro- und Ladenmöbel +12,2 Prozent). Bei den sonstigen Möbeln – inklusive Wohn-, Ess- und Schlafzimmermöbeln – gelang ein Umsatzanstieg von 19,3 Prozent. Lediglich die Matratzenindustrie verbuchte einen leichten Rückgang von -1,9 Prozent.

 

Für den Monat März 2022 ermittelte die amtliche Statistik für die deutsche Möbelindustrie einen Umsatz von 1,8 Mrd Euro – ein Plus von 17,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.  Auch der Auftragseingang liege derzeit immer noch über dem Vorjahresniveau, habe sich aber im Jahresverlauf abgeschwächt, heißt es aus Bad Honnef.