Zum Hauptinhalt springen

INSIDE Küche

  • Schlagzeile: Warten auf den Abschwung
  • H1: UMSÄTZE DER DEUTSCHEN KÜCHENHERSTELLER 2022

Prognostiziert hatten wir (und so viele andere) es schon lange. Schon das Jahr 2019 war hier im INSIDE Spezial Küche mit der Überschrift „Das Jahr nach den fetten Jahren“ versehen. Dann kam Corona und die fetten Jahre fingen erst richtig an – gemessen am Umsatz. Nun sind sie aber ganz offensichtlich wirklich vorbei, allerdings später als gedacht. Ablesen lässt sich das in den Umsatzzahlen der Hersteller 2022 noch nicht. Die Top 10 der deutschen Küchenmöbelindustrie, die wir in der jährlichen INSIDE Küchen-Hitliste nach Umsatzgröße bewerten, haben allesamt nochmal gut zugelegt. Zu einem großen Teil aufgrund des deutlich höheren Preisniveaus, aber auch, weil das Jahr 2022 noch durchaus gut gestartet war.

Nach den gigantischen Investitionen der vergangenen Jahre, die nicht nur bei den ganz Großen stattfanden, sondern eigentlich bei jedem Hersteller, der das bezahlen konnte, schwebt wieder das Wort Überkapazitäten als Drohbild über der Branche. Seit dem letzten Herbst sind mit Rational und Störmer zwei weitere Hersteller aus dem Markt ausgeschieden, davon profitierten andere aber nur punktuell. Wie wollen gerade kleine Unternehmen die Rückgänge überleben, wenn die Fixkosten hoch bleiben? Wie sollen all die neuen Werke nun ausgelastet werden? Im europäischen Ausland geht der Ausbau sogar noch weiter. Impuls-Vertriebschef Ulrich Spleth spricht nicht nur für das eigene Unternehmen, wenn er sagt: „Wir bleiben auf Wachstum gepolt. Wir werden die Ziele erreichen, nur eben später.“ Große Hoffnungen liegen dabei weiterhin auf dem Export.
2022 hatte die deutschen Küchenmöbelindustrie ihren Umsatz noch um 9,5 Prozent auf 6,2 Mrd Euro nach oben gehievt. Für den deutschen Küchenhandel hat die GfK 2022 noch ein leichtes Umsatzplus von 0,7 Prozent erfasst – bei 8,5 Prozent Mengenrückgang. Die Rahmenbedingungen für den Küchenmarkt haben sich seit dem Frühjahr 2022 zunehmend verschärft. Die amtlichen Umsatzahlen der deutschen Küchenmöbelindustrie weisen nach wie vor ein leichtes Plus aus, sind aber von Sondereffekten verfälscht und bedürfen Erläuterungen. Der Mengenabsatz liegt im bisherigen Jahresverlauf sowohl im Inland als auch im Ausland unterhalb der starken Vorjahre. Beim Umsatz gibt es Firmen, die noch am Vorjahresniveau kratzen oder leichte Steigerungen erfahren ebenso wie die mit spürbaren Rückgängen.

In Zukunft, das ist auch klar, werden Unternehmen nicht mehr nur an Umsatz und Ergebnis gemessen werden. Auch Aspekte wie Nachhaltigkeit, der Anteil weiblicher Beschäftigter und Führungskräfte und Fortschritte bei der Digitalisierung werden wichtiger. Mit einem Digitalindex für die wichtigsten Küchenmarken wollen wir uns auch an diese Bewertungen herantasten. Ganz traditionell haben wir aber auch dieses Jahr wieder die Hitliste der Top-10-Küchenhersteller in Deutschland nach Umsatzgröße erstellt.

UMSÄTZE DER DEUTSCHEN KÜCHENHERSTELLER 2021

Die mittlerweile achte INSIDE Küchen-Hitliste ist, das behaupten wir mit Stolz, das einzige Ranking im Markt, das nicht Äpfel mit Birnen vergleicht. Denn: Nur Umsätze nach Erlösschmälerungen werden aufgeführt. Im Zuge der inzwischen von vielen Unternehmen verfolgten Sortimentserwei-terungen in andere Produktbereiche schleichen sich aber natürlich zunehmend Bad-oder Wohnmöbelumsätze ein. Tatsächlich erobert die Küchenindustrie allmählich das gesamte Haus.

UMSÄTZE DER DEUTSCHEN KÜCHENHERSTELLER 2020

Die Zusammenstellung der zehn umsatzstärksten deutschen Küchenbauer, unsere mittlerweile achte INSIDE Küchen-Hitliste, ist inzwischen zur Tradition geworden. Um Vergleichbarkeit herzustellen, werden nur die Umsätze nach Erlösschmälerungen berücksichtigt.

UMSÄTZE DER DEUTSCHEN KÜCHENHERSTELLER 2019

Auch 2019 sind in der deutschen Küchenmöbelindustrie die Großen nochmal größer geworden. Aber nicht im selben Tempo wie in den von den Ausläufern der Alno-Pleite geprägten Vorjahren.

UMSÄTZE DER DEUTSCHEN KÜCHENHERSTELLER 2018

Speziell die großen Küchenmöbler wurden im letzten Jahr nochmal größer. Doch nicht nur die. Die mittlerweile fünfte INSIDE Küchen-Hitliste zeigt: Der Markt der Küchenbauer bleibt in Bewegung.

 

Sie möchten den kompletten Artikel lesen?  
 
Login
 
INSIDE-Küche-Abo abschließen

UMSÄTZE DER DEUTSCHEN KÜCHENHERSTELLER 2021

Die mittlerweile achte INSIDE Küchen-Hitliste ist, das behaupten wir mit Stolz, das einzige Ranking im Markt, das nicht Äpfel mit Birnen vergleicht. Denn: Nur Umsätze nach Erlösschmälerungen werden aufgeführt. Im Zuge der inzwischen von vielen Unternehmen verfolgten Sortimentserwei-terungen in andere Produktbereiche schleichen sich aber natürlich zunehmend Bad-oder Wohnmöbelumsätze ein. Tatsächlich erobert die Küchenindustrie allmählich das gesamte Haus.

UMSÄTZE DER DEUTSCHEN KÜCHENHERSTELLER 2020

Die Zusammenstellung der zehn umsatzstärksten deutschen Küchenbauer, unsere mittlerweile achte INSIDE Küchen-Hitliste, ist inzwischen zur Tradition geworden. Um Vergleichbarkeit herzustellen, werden nur die Umsätze nach Erlösschmälerungen berücksichtigt.

UMSÄTZE DER DEUTSCHEN KÜCHENHERSTELLER 2019

Auch 2019 sind in der deutschen Küchenmöbelindustrie die Großen nochmal größer geworden. Aber nicht im selben Tempo wie in den von den Ausläufern der Alno-Pleite geprägten Vorjahren.

UMSÄTZE DER DEUTSCHEN KÜCHENHERSTELLER 2018

Speziell die großen Küchenmöbler wurden im letzten Jahr nochmal größer. Doch nicht nur die. Die mittlerweile fünfte INSIDE Küchen-Hitliste zeigt: Der Markt der Küchenbauer bleibt in Bewegung.

  • Schlagzeile: Der Einbruch ist da
  • H1: UMSÄTZE DER DEUTSCHEN KÜCHENHERSTELLER 2023

2023 ist das Küchenjahr geworden, das die Branche schon vor Corona gefürchtet hatte. Überstunden und lange Lieferzeiten sind längst passé. Die nach der AlnoPleite aufgebauten Kapazitäten sind bei weitem nicht ausgelastet. Die Hoffnungen der Küchenmöbelbauer liegen im ebenfalls schwächelnden Export, auf der Herbstbelebung und darauf, dass politische Maßnahmen endlich wieder Schwung in die Baukonjunktur bringen.

Dass der Sinkflug, der die Auftragseingänge der Küchenmöbelbauer schon Anfang 2023 erfasst hatte, nicht überall abrupt im Umsatz zu sehen war, lag überwiegend an Auftragspolstern aus dem Vorjahr. Spätestens im zweiten Halbjahr war das Drama dann flächendeckend sichtbar und setzte sich bis 2024 hinein fort.

Laut amtlicher Statistik, die im letzten Jahr allerdings offenbar durch Nachmeldungen ein wenig verzerrt war, schloss die Branche das Jahr 2023 mit einem leichten Minus von 0,3 Prozent auf 6,235 Mrd Euro ab. Mit Störmer und Warendorf schieden im Jahresverlauf zwei weitere Hersteller aus dem Markt aus. Die Rückgänge der einzelnen Unternehmen fielen zum Teil deutlich stärker aus, als das in der Statistik ablesbar war. Wer weiter zulegen konnte, gilt als Exot.

Für die INSIDE Küchen-Hitliste analysieren wir wie immer die Umsätze der Top-10-Küchenmöbelproduzenten in Deutschland nach Erlösschmälerungen – eventuelle Geräteumsätze inklusive. Hersteller mit Überschneidungen im Gesellschafterkreis fassen wir dabei zusammen – selbst wenn sie, wie beispielsweise Express Küchen oder Impuls, von der Umsatzgröße her auch allein das Potenzial hätten, im Ranking aufzutauchen. Schwierig: Nicht jeder legte für 2023 seine Umsätze mehr so detailliert offen wie vielleicht in früheren Jahren. Für uns Outsider bedeutete das Mehrarbeit. Wir sind aber überzeugt, dass wir uns auch diesmal wieder ganz gut angenähert haben.

Sie möchten den kompletten Artikel lesen?  
 
Login
 
INSIDE-Küche-Abo abschließen

UMSÄTZE DER DEUTSCHEN KÜCHENHERSTELLER 2022

Prognostiziert hatten wir (und so viele andere) es schon lange. Schon das Jahr 2019 war hier im INSIDE Spezial Küche mit der Überschrift „Das Jahr nach den fetten Jahren“ versehen. Dann kam Corona und die fetten Jahre fingen erst richtig an – gemessen am Umsatz. Nun sind sie aber ganz offensichtlich wirklich vorbei, allerdings später als gedacht. Ablesen lässt sich das in den Umsatzzahlen der Hersteller 2022 noch nicht. Die Top 10 der deutschen Küchenmöbelindustrie, die wir in der jährlichen INSIDE Küchen-Hitliste nach Umsatzgröße bewerten, haben allesamt nochmal gut zugelegt. Zu einem großen Teil aufgrund des deutlich höheren Preisniveaus, aber auch, weil das Jahr 2022 noch durchaus gut gestartet war.

UMSÄTZE DER DEUTSCHEN KÜCHENHERSTELLER 2021

Die mittlerweile achte INSIDE Küchen-Hitliste ist, das behaupten wir mit Stolz, das einzige Ranking im Markt, das nicht Äpfel mit Birnen vergleicht. Denn: Nur Umsätze nach Erlösschmälerungen werden aufgeführt. Im Zuge der inzwischen von vielen Unternehmen verfolgten Sortimentserwei-terungen in andere Produktbereiche schleichen sich aber natürlich zunehmend Bad-oder Wohnmöbelumsätze ein. Tatsächlich erobert die Küchenindustrie allmählich das gesamte Haus.

UMSÄTZE DER DEUTSCHEN KÜCHENHERSTELLER 2020

Die Zusammenstellung der zehn umsatzstärksten deutschen Küchenbauer, unsere mittlerweile achte INSIDE Küchen-Hitliste, ist inzwischen zur Tradition geworden. Um Vergleichbarkeit herzustellen, werden nur die Umsätze nach Erlösschmälerungen berücksichtigt.

UMSÄTZE DER DEUTSCHEN KÜCHENHERSTELLER 2019

Auch 2019 sind in der deutschen Küchenmöbelindustrie die Großen nochmal größer geworden. Aber nicht im selben Tempo wie in den von den Ausläufern der Alno-Pleite geprägten Vorjahren.

UMSÄTZE DER DEUTSCHEN KÜCHENHERSTELLER 2018

Speziell die großen Küchenmöbler wurden im letzten Jahr nochmal größer. Doch nicht nur die. Die mittlerweile fünfte INSIDE Küchen-Hitliste zeigt: Der Markt der Küchenbauer bleibt in Bewegung.

  • Schlagzeile: Das Glas ist halb voll
  • H1: Das Glas ist immer halb voll - die Küchenbranche macht sich Mut

„Die Gesamt-Gemengelage bleibt angespannt. Aber nicht so schlimm, wie es in der Bild-Zeitung steht.“ Das Zitat eines Managers aus der Küchenmöbelindustrie fasst ganz gut zusammen, was uns bei einem ersten Rundruf durch den Küchenmarkt zum Jahresstart als Stimmungsbild entgegenschlug. Zwischen eingeschlafenem Auftragseingang und neuen, vielfach nicht ausgelasteten Kapazitäten hat die Küchenbranche ihren Optimismus nicht verloren.

Viele haben in den Gesprächen dieser Tage darauf hingewiesen – und wenn man mal an die Jahre vor Corona und auch vor der kapazitätsverknappenden Alno-Insolvenz zurückdenkt, war das auch so: Der Jahresanfang war traditionell immer schwach im Küchenbusiness. In der Industrie wurden Zeitkonten abgebaut; und wenn Kurzarbeit angemeldet werden musste, dann im ersten Quartal. Sobald die Tage länger wurden, spätestens um Ostern herum, dann wurde die Branche wieder von einer guten Auftragslage überrascht. Und das kurioserweise jedes Jahr aufs Neue.

So sieht das auch Andreas Wagner, Chef des Küchenbauers Rotpunkt-Küchen, der in Bünde gerade 80 französische Kunden zu einer kleinen Hausmesse außer der Reihe zusammengetrommelt hat: „Bei uns selbst wird der Januar umsatzseitig besser als 2022, auch preisbereinigt. Auf der anderen Seite sehe ich jetzt, dass die Küchenbranche in die normale Saisonkurve zurückkehrt, die wir vor der Pandemie kannten. Und wenn ich die Kurve beispielsweise über die von 2017 lege, sehe ich denselben Verlauf – nur höher.“ In dasselbe Horn stößt Nobilia-Geschäftsführer Dr. Lars Bopf: „Die Corona-Jahre waren besondere Jahre. Alle Schwankungen, die man sonst im Jahresverlauf hat, waren verändert. Jetzt bewegen wir uns wieder im normalen Muster.“ Bopf legt allerdings ein Aber nach: „Dieses Jahr ist alles sensibler zu betrachten, weil bei vielen Verbrauchern ein extrem hohes Maß an Unsicherheit geherrscht hat. Diese Unsicherheit wird allmählich abgebaut, aber sie ist noch nicht ganz weg. Die Dynamik steigert sich hoffentlich. Ab Ostern geht es weiter.“ Bis dahin gelte es, „anspruchsvolle erste Wochen“ zu überbrücken.___STEADY_PAYWALL___

„Die Verunsicherung wird sich lösen“, ist sich auch Schüller-Vertriebsleiter Frank Bayer sicher. „Ich bin für 2023 nicht so pessimistisch, weil viele Dinge jetzt wieder berechenbarer werden.“ Bei der Vertriebstagung neulich hat Bayer seiner Mannschaft eingebläut: „Wir bleiben chronisch euphorisch.“

Jetzt im Januar bekommen Endverbraucher ihre Stromabrechnungen und können ihre finanzielle Lage allmählich besser einschätzen. Was allerdings im ungünstigen Fall auch heißen kann: Es ist kein Geld mehr übrig. Je niedriger das Budget für die Küche, umso härter sind die jeweiligen Kunden von der Inflation betroffen. „Das Drama liegt im Einstieg, unterhalb der Mitte“, sagt ein Handelsmanager. In diesem Segment wird auch mit einer längeren Erholungszeit gerechnet, selbst wenn es neben Szenario eins („Keine neue Küche“) auch ein zweites Szenario gibt: „Preiseinstieg statt Mitte“, wovon dann die Hersteller sehr preisgünstiger Küchen wiederum profitieren würden.

Baumann-Geschäftsführer Matthias Berens, der über die Marken Bauformat und Burger einen Blick sowohl auf das höherwertige Segment als auch den Preiseinstieg hat, sagt es so: „Schon nach den Sommerferien war im unteren Bereich die Goldgräberstimmung vorbei. Der Preiseinstieg war wie abgeschnitten. Küchen bis 5.000 oder 6.000 Euro finden eigentlich kaum noch statt im Markt. Dass der Küchendurchschnittswert zuletzt noch mehr gestiegen ist, liegt nicht nur an den Preiserhöhungen, sondern auch daran, dass im unteren Bereich kaum noch gekauft wird.“ Mit Burger hat man sich in den letzten Jahren zwar mehr ins mittlere Preissegment reinbewegt, spürt die Tendenz aber dennoch dort, wo man im SB-Bereich noch vertreten ist.

Während bei der Kundschaft für die preiswerten Küchen schlicht das Geld knapp ist, steht der Küchenkauf im höheren Preisbereich in Konkurrenz mit anderen Ausgaben wie beispielsweise der energetischen Sanierung. Der Markt hat sich wieder in einen Käufermarkt gedreht. Überlange Lieferzeiten ade. Auch im höherwertigen Bereich wird teilweise von zweistelligen mengenmäßigen Auftragsrückgängen berichtet. Die Umsatzeinbrüche halten sich hier wegen der Preiserhöhungen in Grenzen.

Nolte- und Express-Geschäftsführerin Melanie Thomann-Bopp sagt es recht konkret: „Wir gehen nicht davon aus, dass wir bei den Mengen in den nächsten Wochen auf dem Vorjahresniveau unterwegs sein werden. Mengenmäßig planen wir eher auf dem Niveau von 2019.“ Die Entwicklung von Nolte und Express laufe dabei recht parallel und es können bislang auch keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Absatzkanälen erkannt werden. Hier dürfte die Gruppe allerdings in einer Sondersituation sein, da die im Preiseinstieg aktive Firma Express die Preise nicht im vergleichbaren Maß angehoben hatte wie direkte Wettbewerber.

Kehrt der Preiskrieg zurück?

Die an fast allen Stellen erweiterten Kapazitäten müssen gefüllt werden. Es werden Volumina gebraucht, um die sich der ein oder andere aus dem konsumigen Segment auch mit dem ein oder anderen Aktionsangebot bemüht. Das ist bei großen Handelsorganisationen durchaus angekommen. „Wir merken schon an den Aktionsangeboten, dass die Auslastung nicht so gut ist“, sagt ein Verbandsgeschäftsführer.

Dass wie in der Vergangenheit versucht würde, Maschinenfutter um jeden Preis zu erkaufen, das ist aber nicht der Fall. So geht man nur vor, wenn Personalabbau droht oder gar Existenzängste, was zumindest auf die großen Küchenbauer nicht zutrifft. Zu den Wackelkandidaten werden aktuell eher kleinere Unternehmen gezählt. Und selbst dort hört man zum Teil (Zweck-)Optimismus raus. Natürlich off-record: „In so einer Lage traut man sich vielleicht wenigstens, neue Vertriebsformen anzugehen.“

Da man es bei den Großen im Markt mit soliden Unternehmen zu tun hat, ist die Wahrscheinlichkeit dafür, dass vergleichbare „Schweinepreise“ in den Markt gebracht werden wie zu Alno-Zeiten, nicht allzu groß. Hinzu kommt der anhaltende Kostendruck. „Was die Industrie da im letzten Jahr einstecken musste, ist durch die Preissteigerungen längst nicht ausgeglichen. Zeitlich liefen wir ja alle sechs bis neun Monate hinterher. Das hat noch keiner wieder aufgeholt“, argumentiert Häcker-Vertriebsleiter Marcus Roth. Thomann-Bopp: „Es kehrt etwas Ruhe bei den Rohstoffkosten ein, bei den Transportkosten sehen wir das aber nicht so. Und eine Steigerung der Lohnkosten kommt erst noch auf uns zu.“ Die in den vergangenen zwei Jahren erlebte Kostenexplosion wird überwiegend auch als Grund dafür gesehen, dass trotz der abnehmenden Auslastung „keine wilde Hackerei bei den Preisen festgestellt wurde“, wie ein Vertriebsmann sagt. „Momentan halten alle die Füße still.“ Festgestellt wurde aber, dass der Kampf im Projektgeschäft zugenommen hat – mehr Händler bewerben sich um die Projekte, unterbieten sich gegenseitig. Hier können dann gegebenenfalls Lieferanten aus dem Preiseinstieg punkten – oder andere mit einem Nachlass.

„Kann man mit Preisaktionen überhaupt mehr verkaufen?“, ist übrigens eine berechtigte Frage. Zumindest die Wohnungsfertigstellungen kurbelt man damit nämlich auch nicht an. Von den geplanten 400.000 Wohnungen ist im letzten Jahr schätzungsweise gerade mal die Hälfte fertiggestellt worden. Dass es im Wohnungsbau weiter vorangehen muss, ist aber auch klar, schließlich wird Wohnraum gebraucht. Kommt das nicht durch die Privatwirtschaft, dann vielleicht mit staatlicher Unterstützung – aber nicht ad hoc.

Andere Länder, anderes Mindset

Große Hoffnungen legen die Küchenbauer weiterhin auf den Export, der ja bereits 45 Prozent am Umsatz ausmacht. Nicht alle sind solche Schwarzmaler wie die Deutschen. „In anderen Märkten haben sie ein anderes Mindset“, sagt Melanie Thomann-Bopp. Das kann helfen. Als sehr wahrscheinlich wird in der Branche aber vor allem gesehen, dass deutsche Hersteller sich auf den internationalen Märkten durch ihre Qualität und Prozesse Marktanteile holen, wie das in den vergangenen Jahren beispielsweise in Frankreich gelungen ist.

Auf dem deutschen Markt war das Küchen-Verkaufen in den zurückliegenden Jahren mehr oder weniger ein Selbstläufer. „Davon haben auch die profitiert, die ihren Job vielleicht gar nicht so gut machen“, sagt ein Händler über seine Mitbewerber. „Jetzt wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Sowohl im Handel als auch in der Industrie.“ Ein anderer weist auf die Bedeutung guter Verkäufer hin, deren Qualitäten jetzt wieder wichtiger werden. „Viele Verkäufer haben in den letzten Jahren das Verkaufen verlernt“, sagt er.

Zum Glück, das darf man auch nicht unerwähnt lassen, gibt es innerhalb des sich abschwächenden Marktes auch noch wachsende Marktsegmente. Dazu gehören zum Beispiel die Funktionsarmaturen, so dass es nicht wundert, dass Quooker-Deutschland-Geschäftsführer Daniel Hörnes auch 2023 selbstbewusst mit weiterem Wachstum plant. Und im Hausgerätebereich ist, gerade durch die Energiekrise, die Energieeffizienz ein Treiber. „Die Menschen sind bereit, in energieeffiziente Hausgeräte zu investieren“, sagt Martin Wolf von der EK/Servicegroup, der bei der gerade zu Ende gegangenen Verbandsmesse in Bielefeld Stimmen zur Marktlage eingeholt hat.

Im INSIDE Küche-Talk zum Jahresstart haben wir uns mit Baumann-Geschäftsführer Matthias Berens, Quooker-Chef Daniel Hoernes und Küchenhändlerin Yvonne Zahn vom Küchenstudio Proform über die ersten Wochen des Jahres und ihre Erwartungen ausgetauscht. Yvonne Zahn spricht ganz sicher nicht für die gesamte Branche, wenn sie sagt: „Wir wollen in diesem Jahr nicht mehr wachsen“, bringt damit aber ein weiteres Thema auf den Tisch: Viele Unternehmen sind in den zurückliegenden Boom-Jahren an strukturelle Grenzen gestoßen. Vollauslastung bis Überlastung in Industrie und in Auslieferung und Montage des Handels sowie Mehrfachanfahrten durch Versorgungsprobleme. Nicht zu vergessen auch der hohe Krankenstand in den Unternehmen, der gerade zum Jahresende nochmal sämtliche Planungen zunichte machte. Hier scheint im neuen Jahr wieder etwas Ordnung reingekommen zu sein. Hoffentlich von längerer Dauer.

Und mittel- bis längerfristig hängt natürlich das seit Jahren prophezeite Thema des Fachkräftemangels über der Branche. „Die Mitarbeitersuche ist aktuell unsere größte Herausforderung“, sagt Melanie Thomann-Bopp nicht nur für Nolte-Küchen. „Der Markt dreht sich gerade komplett. Bei Bewerbungsgesprächen stellen die Bewerber die Forderungen.“

In den kommenden Wochen werden wir auf INSIDE Küche immer mal wieder INSIDE Talks zur Marktlage veröffentlichen. Neben der oben aufgeführten Runde ist bereits ein Talk mit Jochen Pohle, Martin Wolf und Christian Claes von der EK/Servicegroup im Kasten; und für Anfang Februar hat schon das Blanco-Duo Thorsten Neelen und Martin Hopf zugesagt.

Einblicke in die Entwicklung ihrer Unternehmen und ihre Erwartungen haben wir außerdem noch bei Ballerina-Chefin Heidrun Brinkmeyerund bei Leicht-Boss Stefan Waldenmaier eingeholt.

 

  • Schlagzeile: „Plötzlich ist alles wie immer“

Die Trends, Must-Sees und Talk-Abouts entlang der A30.

„Es herrschte große Aufregung im Vorfeld. Dann ging es los, und plötzlich ist alles wie immer - trotz der Umstände.“ Nicht nur Area30-Macher Michael Rambach wirkte in diesen Tagen in OWL sichtlich entspannt. Frohe Gesichter überwogen. Gemecker über die Maßnahmen gab es kaum, auch wenn der Messetag wie bei Nobilia oder Poggenpohl schon mal routinemäßig mit einem Teststäbchen in der Nase begann. Klar gab es auch Skurrilitäten: Wer hätte vor zwei Jahren gedacht, dass auf einer Möbelmesse mal Ordnungsamt und Zoll überprüfen, ob Gesichtsmasken getragen werden oder dass Besucher mit gefälschten Impfpässen nach Hause geschickt werden (hoffentlich Einzelfälle).

Schon zu Mitte der Messewoche konnte man sagen, dass die Besucherzahlen überwiegend zufriedenstellten, auch wenn sie logischerweise nicht das Niveau des letzten „normalen“ Jahres 2019 erreichten. Viele Händler reisten einfach mit weniger Personen, so dass die Zahl der Firmen, die die Messen besuchten, gar nicht mal so stark sank. Auch internationale Besucher waren mehr unterwegs als man vielleicht erwartet hätte.

Überthema Nachhaltigkeit

Dass Schwarz ist das neue Weiß ist, wissen wir nun schon seit ein paar Jahren. Dieser Hype hält sich hartnäckig in den Küchenausstellungen. Weitere Trends: Outdoor-Kochen, Sprudel- und Heißwasserarmaturen, farbliche Abstimmung von Materialien, Retro-Chic, Gold und Kupfer, Regale, Regale, Regale, Nischenregale, Licht (wie bei Pronorms I-luminate oder Ballerina mit der Nimbus-Kooperation) und viele Natur- und Recyclingmaterialien - von der Lavendelrückwand bei Rational über eine Recyclingglas-Keramikverbund-Arbeitsplatte bei Nobilia bis hin zur kunststofffreien Küche bei Beeck mit Linoleum-Fronten. Überhaupt wurde Nachhaltigkeit von vielen groß aufgehangen, ob mit Nachhaltigkeitspreisen oder Zertifikaten. Nur ein Beispiel: Rotpunkts FSC-Zertifizierung.

Anti-Fingerprint ist vom Endverbraucher gefragt. Muss man haben, auch wenn die Materialien teils so wenig fettfrei bleiben wie bügelfreie Hemden tatsächlich bügelfrei sind. Bei den E-Geräten hat sich in der Front der Glasanteil weiter erhöht, während Edelstahl zurückgeht. Das Design wird noch zurückhaltender, Displays bleiben im ausgeschalteten Zustand unsichtbar. Muldenlüfter sind für Gerätebauer zum Muss geworden, werden teils aber auch nur deswegen mit angeboten, weil man halt Vollsortimenter ist. Und im Armaturen- und Spülenbereich? Da ist es groß angesagt, zum Systemanbieter zu werden. Promotet Blanco als Vorreiter ja schon seit Längerem und kommt auch beim Handel gut an.

Selbstbewusst ins Wohnen

Nach ein paar Jahren des zaghaften Annäherns als „Ergänzung“, die vor allem im Export gefragt sei, haben einige große Küchenbauer nun beschlossen, beim Thema Wohnen Volldampf zu machen. Als „wichtigstes Thema“ wurde das Wohnen gar bei Schüller bezeichnet. Nolte in seinem neu eröffneten Forum und Nobilia haben fürs Living eigene Flächen vorgesehen, vorkonfigurierte Sets zusammengestellt, mit denen nicht nur Küchen-, sondern auch Wohnen-Verkäufer etwas anfangen können. Und auch mancher Wohnen-Einkäufer aus dem Möbelhandel reiste in diesen Tagen nach Verl oder Löhne. Sagen wir so: Es sieht nicht mehr nach umfunktionierten Küchenmöbeln aus, was in den Living-Kojen der Küchenmöbler steht.

Smart Home demokratisch

Das Thema Smart Home - früher mal ureigenes Thema der Geräteindustrie - findet inzwischen auch bei den Küchenherstellern statt. Auch wenn es noch immer Küchenmöbelbauer gibt, die es lieber ignorieren, sind da auch diejenigen, die das vernetzte Heim groß spielen. Zu letzteren gehört Nobilia. Gemeinsam mit Samsung will man das Thema einfach umsetzbar und damit marktfähig machen. Auch Naber arbeitet mit Samsung im Bereich Vernetzung zusammen. Schüller hat sich Christian Hartmannsgruber und Kimocon als Partner gesucht (Dazu mehr im INSIDE Spezial Zulieferindustrie, das mit dem INSIDE 1122 Mitte Oktober versandt wird.) Bei Pronorm in Vlotho war die „digitale Arbeitsplatte“ Steuerbar zu Gast, das jüngste Projekt des Innovationsnetzwerks Ambigence mit dem Kunststoffverarbeiter Coko aus Bad Salzuflen. Smart-Home-Anwendungen in der Küche und anderswo im Haus lassen sich über eine individuell belegbare Steuerung an der Arbeitsplatte bedienen.

Start-ups salonfähig

Bemerkenswert: Start-ups sind in der Branche angekommen und werden ernst genommen. Was kann die Küchenbranche von Start-ups lernen, wurde in diesen Tagen häufiger gefragt als umgekehrt. Schließlich ist jeder auf der Suche nach innovativen Lösungen, die begeistern.

Noch stärker als früher haben Holz-, Geräte- und Zubehöranbieter das Thema Service herausgestellt. In Zeiten, in denen die Anspannung der Kundschaft aufgrund von Lieferzeiten und Preisanhebungen zunimmt, wenigstens ein Zeichen. Preise, ja, die sind ein Riesenthema. Hoch einstellige Preiserhöhungsforderungen sind in keinem Bereich eine Seltenheit.

Sex, Crime und Alno

Gesprächsthemen entlang der A30: Häckers neue Rasterküche Concept130, die Luxusküchen von BT45 im IDF34 mit Gimmicks wie Waffenschrank und „Spielzimmer“ (als Alternative zum Hauswirtschaftsraum) und natürlich der Kauf der Marke Alno durch Arndt Vierhaus, den wir am Dienstag melden durften.

  • Schlagzeile: Beirat und Business-Biker

Küchen Kümper dürfte in der Küchenbranche der Händler mit der größten E-Bike-Flotte sein. Guido Kümper führt das Unternehmen in zweiter Generation und ist einem seiner Lieferanten nicht nur räumlich nahe.

Es war vor ein paar Jahren. Bei einer Geburtstagsparty kam das Thema auf, erinnert sich Guido Kümper heute. „Business Bikes“, also vom Arbeitgeber gestellte Diensträder, das wäre doch was. Aber im kleinen Betrieb? Und dann wieder alles steuerlich kompliziert und mit Leasing. – Über sowas hat Kümper sich mit Bekannten ausgetauscht, auch aus der Mitarbeiterschaft kamen Vorschläge in dieser Richtung. Eine hauseigene Lösung wurde gefunden: Heute fahren real 80 Prozent der Belegschaft des Küchenring-Händlers aus Ibbenbüren mit dem E-Bike. Okay, natürlich nicht zur Montage.

Raus zum Kunden kommen zusätzlich auch externe Partner, mit denen Küchen Kümper routiniert zusammenarbeitet. Der radelnde Händler (auch Sport im Fitness-Studio fördert das Unternehmen) ist nicht ohne Grund Mitglied des Nachhaltigkeits-Labels Grünergriff. Bei Kümper sind elf Menschen beschäftigt. 

Guido Kümpers Vater Manfred gründete das Geschäft bereits 1971 – damals standen zehn Musterküchen auf 85 qm Fläche. Sie haben nachgezählt in Ibbenbüren. Bilanz bisher: 5.510 Kommissionen geplant und montiert. Seit 1993 ist Küchen Kümper am jetzigen Standort in der Fuggerstraße. Mit 30 Küchen auf 425 qm Verkaufsfläche kann das seit 2002 von Guido Kümper geführte Haus dort mehr Auswahl zeigen. „Mit Häcker Küchen sind wir sehr gut aufgestellt“, sagt er. Zu den Lieferanten zählen auch Ballerina, Blanco oder Miele.

„Und quasi um die Ecke, 10 Kilometer von uns entfernt, sind die Berbel-Hauben erfunden worden“, erinnert sich der 50-Jährige. Berbel, die 2004 von Hopsten nach Rheine zogen - etwa 15 km entfernt - gehört ebenso zu Kümpers Sortiment. Aber nicht nur das: Guido Kümper ist auch Mitglied im Händlerbeirat des 2012 von Wesco übernommenen Herstellers. „Das wünschte ich mir auch von anderen Firmen, dass es solche Kontaktmöglichkeiten gäbe.“ Denn längst nicht alles, was er als Händler über den Außendienst an manche Firma tragen wolle, komme dort an. Aktuelle Ärgernisse: Selbst bei Kleinteilen müsse er inzwischen wie auch viele seiner Kollegen auf alternative Beschaffungswege setzen. Auch in Ibbenbüren sind Lieferengpässe ein Thema. Auch hier ist es vorgekommen, dass die Auslieferung von Spülmaschinenmodellen um zwölf Monate verschoben werden sollte oder Herdflächen aus den Programmen genommen wurden. 

Kümper, gelernter Tischler und MöFa-Absolvent, achtet beim Betrieb auf eines: „Bei uns kann zur Not fast jeder jeden ersetzen, etwa Büromitarbeiter bei der Montage helfen.“ Auch der Inhaber ist bei vielen Montagen dabei. „Da weißt du manchmal, was du für einen Mist planst“, sagt er. So sei das eben manchmal: In der Theorie passt es perfekt, real sieht es anders aus. Passiert zum Glück sehr selten, aber wenn, dann überrascht es ihn immer wieder aufs Neue. Für Sonderanfertigungen gibt es im Betrieb eine eigene kleine Tischlerei. Stammkunden erwarten Service. Und von denen gibt es einige: „80 Prozent der Kunden sind Wiederholungstäter. Das ist dann die vierte Küche in der Familie oder die zweite Generation.“

Küchen Kümper Eingangsbereich 002

  • Schlagzeile: „Unsere Händler haben uns gezogen“

Von der „Geheimwaffe des Ostens“ hat sich Sachsenküchen seit der deutsch-deutschen Wiedervereinigung zum Fachhandelslieferanten weiterentwickelt, der nicht nur im Westen Deutschlands, sondern auch im Export große Teile seines Geschäfts macht.

Sachsenküchen-Geschäftsführer Elko Beeg nennt das von ihm geleitete Unternehmen das letzte unabhängige ostdeutsche Küchenmöbelunternehmen. Den Grund dafür sieht er in der engagierten Mannschaft. Beeg: „Durch die Pandemie hat sich nochmals gezeigt: Sich anpassen und verändern können ist wichtig. Das haben wir nach der Wende unter Beweis gestellt und im letzten Jahr nochmal. Und es wird uns auch in Zukunft erfolgreich machen.“

Sachsenküchen hat sich nach der Wende eine Fachhändlerstruktur aufgebaut und ist mit den Händlern gemeinsam gewachsen. „Unsere guten Händler haben uns gezogen“, sagt Beeg. Die Mitarbeiter reden mit den Händlern auf Augenhöhe, sagt er. Das werde honoriert.

Im sächsischen Dippoldiswalde ging das Wachstum vielleicht nicht so rasant voran wie bei anderen, dafür aber stetig und profitabel. Sachsenküchen hat sich nicht nur in Deutschland etabliert. Etwa die Hälfte des Umsatzes von 47 Mio Euro (2020) kommen aus dem Export. Frankreich, Holland, Belgien, Österreich und die Schweiz sind die wichtigsten Auslandsmärkte. Der Inlandsumsatz verteilt sich inzwischen auch etwa hälftig auf Ost und West.

Zwischenzeitlich hatte man mal versucht, die Zweitmarke Oca aufzubauen, die vom Dippoldiswalder Ortsteil Obercarsdorf abgeleitet ist. Der Gedanke war damals, in Westdeutschland oder im Export könne man nicht erfolgreich als Sachsenküchen auftreten. Von dieser Strategie ist man inzwischen aber abgerückt. „Marke wird generell wichtiger“, sagt Elko Beeg. Und da ist es nicht sinnvoll, zwei verschiedene zu pushen. Das Budget müsse konzentriert eingesetzt werden. Beeg: „Wir mussten zu dem Selbstbewusstsein finden, dass ostdeutsche Produktion für Qualitätsprodukte und Tradition steht.“ Unter den Kunden sind schließlich auch um die 30 Händler, die ausschließlich Sachsenküchen als Holzlieferant führen. Die Hälfte von ihnen tritt auch nach außen unter der Marke auf.

Sachsenküchen Werk 2

In der Produktion bei Sachsenküchen

Beim Preis einer Küche aus Dippoldiswalde gibt es Unterschiede von Region zu Region. Während sie bei langjährigen Kunden noch etwas preiswerter positioniert ist, liegt der Preis in jüngeren Märkten höher. „Wohl fühlen wir uns ab 7.000 Euro VK, natürlich ohne Geräte“, so Beeg. „Manche Händler verkaufen hauptsächlich zwischen 10 und 15.000 Euro, wir haben aber auch Händler mit durchschnittlichen Kommissionswerten über 25.000 Euro.“ Um den Vertrieb von Sachsenküchen kümmern sich in Deutschland und international insgesamt 15 Außendienstler bzw. Handelsagenturen. Neu an Bord ist seit Monatsanfang Marco Wiebusch, der zuletzt für Brigitte unterwegs war.

Kontinuierliche Investitionen

Küchenbauer gab es früher einige im Osten. Die einen gibt es nicht mehr, andere wie Burger Küchen oder Pino gehören mittlerweile zu westdeutschen Unternehmen. „Unsere Gesellschafter haben immer wieder investiert und die Produktion auf dem Stand der Zeit gehalten“, sagt Beeg. Die Gesellschafter, das sind mit 45 Prozent Ballerina-Chef Heinz-Erwin Ellersiek, mit 29 Prozent die Söhne von Hans-Joachim Ebert (Ralf und Alexander Ebert, beide im Unternehmen tätig) sowie mit 26 Prozent Matthias Schmidt, der Enkelsohn von Inge Köhler und Einkaufsleiter im Unternehmen.

Im Laufe der Jahre wurde aus „gut und günstig“ ein hochindividuelles Produkt, für das man auch die entsprechende Fertigungsstruktur aufgebaut hat. „Wir haben uns gefragt: Wo ist der Platz zwischen den Großen. Der Günstigste können wir mit unserer Unternehmensgröße nicht werden, also haben wir uns recht früh mit dem Thema Individualisierung befasst. Auch mit Wohnkonzepten haben wir zeitig begonnen. Wir zählen uns zu denjenigen, die das mit nach vorn getrieben haben“, erklärt Elko Beeg.

Mehr Kapazitäten

Losgröße 1 war bei Sachsenküchen erstmals im Jahr 2007 Thema. Der Weg wurde dann peu à peu beschritten. Seit 2018 wird jedes Stück Holz kundenspezifisch produziert - Stückzahl 1 wurde in der Korpusfertigung umgesetzt. In diesem Jahr ist eine vollautomatische Kommissionierung für Korpusteile dran und 2022 dann eine neue Montagelinie. Für diese Investitionen nimmt Sachsenküchen zusammen um die 12 Mio Euro in die Hand. Nebeneffekt der Modernisierungsinvestitionen ist eine Kapazitätserweiterung um 25 bis 30 Prozent.

Die Fertigungstiefe ist hoch: Im Werk 1 des Unternehmens werden 80 Prozent aller Fronten selbst produziert, ebenso Arbeitsplatten. Auch eine eigene Lackierung befindet sich dort. Im Werk 2 sind Korpusteilefertigung und Montage angesiedelt.

Küche aus dem VEB Holz Schmiedeberg

Inge Köhler und Hans-Joachim Ebert

Inge Köhler und Hans-Joachim Ebert

Die Historie von Sachsenküchen reicht weit zurück: Möbel werden seit 1908 hergestellt, Küchenmöbel seit 1920. Nach dem zweiten Weltkrieg ging es zunächst darum, den steigenden Bedarf zu decken. „Schnell und viel“ war die Devise. In der DDR wurde der Betrieb dann 1955 zum VEB-Werk. Anders als viele Möbelhersteller in der damaligen Kombinatsstruktur lieferte Sachsenküchen aber nicht nur einzelne Bauteile, sondern produzierte ganze Küchen. Man belieferte „nichtsozialistisches Gebiet“, sprich: Neckermann und Co. in der BRD. Das hatte den Vorteil, dass ein Teil der eingenommenen Devisen für Investitionen aufgewendet werden durfte. Bereits damals konnten also schon Homag-Maschinen angeschafft werden.

Nach der Wende wurde Sachsenküchen zum Treuhandbetrieb. Das damalige Management mit Inge Köhler (seit ihrem 16. Lebensjahr im Unternehmen) und Hans-Joachim Ebert (seinerzeit als technischer Direktor eingestiegen) machte sich auf Investorensuche. So manches bekannte Gesicht aus der Branche schaute in Dippoldiswalde vorbei. Und irgendwann stand auch Heinz-Erwin Ellersiek in der Tür. Folgender Satz aus seinem Mund ist überliefert: „Die Bude ist Mist, aber die Menschen gefallen mir.“ Zusammen mit Köhler und Ebert übernahm Ellersiek die Anteile, brachte das Unternehmen auf Vordermann. Ellersiek brachte dabei auch das Knowhow mit, das man brauchte, um die Firma unter den neuen, marktwirtschaftlichen Bedingungen fit zu machen.

Geschäftsführer Elko Beeg, früher bei Oka Büromöbel, ist seit 2007 im Unternehmen. Der Kontakt zu den Gesellschaftern kam seinerzeit über den sächsischen Branchenverband zustande. Heute sagt er: „Der Mix aus Bewahren und neuen Strukturen hat uns dahin gebracht, wo wir sind.“ Auch in diesem Jahr rechnet Beeg noch mit einem moderaten Wachstum, im zweiten Halbjahr eventuell mit einer Abschwächung. Zuletzt war der Auftragseingang trotz des mehrmonatigen Lockdowns gut. Das lag zum einen daran, dass im vergangenen Jahr aufgeschobene Objekte nachgeholt wurden, andererseits aber auch an guten Auftragseingängen aus dem Fachhandel.

In diesem Jahr rechnet Sachsenküchen übrigens fest mit der Herbstmesse im Kitchen Center Löhne. 2020 war die Messe wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt worden.

Verwandte Artikel

 
  • Schlagzeile: Von Anfang bis Ende

Innerhalb von mehr als 50 Jahren hat sich der Münchner Küchenfachhändler Süß & Bierl im Stadtteil Giesing einen Namen gemacht. Seit rund einem Jahr ist dort mit Martin Bierl die 2. Generation am Ruder. Ein Besuch vor Ort.

Der erste Blick ins Geschäft überrascht. Gut die Hälfte des Küchenstudios steht voller Kartons. An der rechten Wand, wo vor Kurzem wohl noch eine Küche aufgebaut war, schaut einem eine Betonwand entgegen. „Wir haben eine Musterküche verkauft“, sagt Martin Bierl, Mitinhaber und Geschäftsführer von Süß & Bierl. „Deshalb herrscht hier gerade etwas Unordnung“. Er wirkt zufrieden. Die Geschäfte laufen offenbar. Und tatsächlich könnte die Lage für kleinere Küchenhändler schwieriger sein in diesen Pandemie-Zeiten, in denen Kundenkontakte derzeit zumindest über Click&Meet oder online möglich sind.

„Wir sind in einer relativ guten Situation, weil wir 95 Prozent Empfehlungskunden haben“, erklärt Bierl. „Was den Auftragseingang betrifft, sind wir super unterwegs“. Aber natürlich schwingt bei jedem Satz auch ein wenig Sorge mit: Was, wenn wichtige Bauprojekte zum Stehen kommen? Was, wenn Monteure Corona bedingt ausfallen?

Bierl schaut dennoch positiv nach vorne. Bislang lief das erste Jahr für ihn in seiner Position im Familienbetrieb gut. Im Februar hatte sein Vater Gerhard Bierl sich offiziell aus dem Geschäft zurückgezogen. Martin Bierl übernahm die Anteile und ist seitdem, neben seiner Mutter Gabriele und Peter Haas, Geschäftsführer. Vor seinem Eintritt in das Unternehmen der Eltern hat er eine Ausbildung als Versicherungskaufmann und ein BWL-Studium absolviert, arbeitete aber immer wieder nebenbei im Küchenstudio, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. „Eine der ersten Amtshandlungen im Februar war es, sich um Sachen wie Kurzarbeitergeld zu kümmern“, sagt Bierl. „Das war natürlich ungewöhnlich, aber mit der Unterstützung meiner Mutter und Herrn Haas, kamen wir gut durch diese erste Phase voller Ungewissheiten“.

Gut sichbar vom Edelweißplatz aus: Süß & Bierl

Große Glasfronten erlauben schon von außen einen Blick ins Innere

Wie viele andere Küchenhändler auch, hat Süß & Bierl in der Pandemie-Zeit mit einigen Herausforderungen zu kämpfen. Verlängerte Lieferzeiten der Hersteller verzögerten die Fertigstellung der Küchen. Zum Teil wurde das mit dem verstärkten Einbau von Leihgeräten kompensiert. Hinzu kam, dass statt über das sonst übliche Gespräch im Geschäft viele Kunden online beraten werden mussten. Dass das Modell der Online-Beratung über die Zeit der Pandemie hinaus Bedeutung haben wird, glaubt Bierl nicht. Küchen müsse man anfassen, Schubkästen ausprobieren, um die Qualität zu spüren, sagt er. Zudem sei die Ablenkung in Video-Calls aus seiner Erfahrung heraus oft zu groß. „Die Qualität der Planungsgespräche ist im Studio oft wesentlich höher“, sagt Bierl. Noch dazu, weil es bei den Gesprächen um Küchen geht, die in der Regel bei einem Wert zwischen 15.000 und 50.000 Euro eine große Investition darstellen.

Süß & Bierl ist mittlerweile eine Institution für den Küchenverkauf im Münchner Stadtteil Giesing. Angefangen hat alles vor etwas mehr als 50 Jahren – und zwar keineswegs mit Küchen, sondern mit Öfen. 1966 starteten die Gründer Georg Süß und Gerhard Bierl ihr Geschäft mit dem Verkauf von Öl- und Gasöfen in der Eduard-Schmidt-Straße, nahe der Isar. Ende der 60er Jahre ging`s dann tatsächlich mit dem Küchenverkauf los: Sie eröffneten ein Milmö-Studio, ein Vorgänger späterer Allmilmö-Studios. In den Folgejahren wechselten die Namen großer Marken, die von Süß & Bierl verkauft wurden: Poggenpohl, Bulthaup, Goldreif. Seit einigen Jahren aber fokussiert sich Süß & Bierl mit dem neuen Standort am Münchner Edelweißplatz auf Küchen der deutschen Hersteller Häcker, Nobilia, Ballerina und auf die Handelsmarke Apéro des GfM-Trend-Verbundes, zu dem der Küchenhändler seit 1983 gehört.

Der Wechsel von der Eduard-Schmitt-Straße an den Edelweißplatz war notwendig geworden, weil das Geschäft gewachsen ist und die verwinkelte Architektur des alten Standortes die Möglichkeiten der Küchenpräsentation zu stark beschränkte.

Deutsche Küchenhersteller im Portfolio: Hauptlieferant Häcker, Nobilia für die Abrundung nach unten, Ballerina für die Abrundung nach oben. 

Heute werden bei Süß & Bierl auf rund 150 qm kontinuierlich rund fünf Musterküchen präsentiert, dazu gibt es auch einen kleinen Ausstellungsbereich für das Bad-Sortiment, das die Küchenlieferanten Häcker und Nobilia neben dem Küchensortiment bereitstellen. Vier Mitarbeiter arbeiten im Verkauf, ein Mitarbeiter im Backoffice und Gabriele Bierl kümmert sich um die Buchhaltung.

Das Besondere seines Küchenstudios sieht Bierl darin, dass seine Kunden wirklich von Anfang bis Ende intensiv betreut werden. „Wir haben Kunden, die zwei Jahre bevor die Küche fertiggestellt ist, bezüglich des Elektroplans kommen. Und wir betreuen das alles mit einem Ansprechpartner – bis zur Fertigstellung. Sowas kann die Großfläche nicht“, sagt Bierl.

Inselblöcke, exklusive Hauben: Bei Süß & Bierl ist nach oben hin viel möglich.

Küchenhändler mit Tradition: Seit 1966 bringt Süß & Bierl Küchen an den Kunden. 

Außerdem sei Süß & Bierl von der Montage-Philosophie anders. Bierl: „Wir sagen: Jeder Kunde, egal wie teuer die Küche ist, soll die beste Montage erhalten. Unsere Monteure wissen auch nicht, wie viel die Küche kostet, die sie installieren. Sie werden nur nach Zeit und Aufwand bezahlt, was eine gleichbleibende Qualität gewährleistet.“ Kurzum: Das Beste herausholen, was insbesondere Termintreue und Zuverlässigkeit angeht, darin will sich Süß & Bierl von den Markbegleitern differenzieren. In den letzten rund 50 Jahren ist dies gut gelungen, und viel spricht dafür, dass es auch künftig gut gelingt.

Verwandte Artikel

  • Schlagzeile: Die INSIDE Küchen-Hitliste
  • H1: Umsätze der deutschen Küchenhersteller 2021

Die mittlerweile achte INSIDE Küchen-Hitliste ist, das behaupten wir mit Stolz, das einzige Ranking im Markt, das nicht Äpfel mit Birnen vergleicht. Denn: Nur Umsätze nach Erlösschmälerungen werden aufgeführt. Im Zuge der inzwischen von vielen Unternehmen verfolgten Sortimentserweiterungen in andere Produktbereiche schleichen sich aber natürlich zunehmend Bad- oder Wohnmöbelumsätze ein. Tatsächlich erobert die Küchenindustrie allmählich das gesamte Haus.

Mehrere Jahre mit Bomben-Umsätzen hat die Branche nun hinter sich gebracht. 2021 hat die deutsche Küchenmöbelindustrie mit 8,7 Prozent Umsatzplus auf 5,708 Mrd Euro abgeschlossen. Der Export legte 2021 gar um 17,5 Prozent zu und hievte den Exportanteil der deutschen Küchenbauer auf knapp 44 Prozent. Kurzum: Bis zuletzt waren genug Aufträge für alle da. Das ändert sich gerade. Die Kaufbereitschaft lässt nach, das Geld wird knapp. Die Preise, auch für Küchen, steigen rasant. Hinzu kommen die überall aufgebauten neuen Kapazitäten der Küchenindustrie. Hersteller müssen nun die Balance finden zwischen auskömmlichen Preisen und einem Preisniveau, das die Kunden auch noch bereit sind zu zahlen. Wer das nicht schafft, wird unter die Räder kommen. Von den großen Küchenbauern wird so schnell wohl keiner ins Wackeln geraten. Auch von denen hört man aber in den letzten Wochen zunehmend besorgte Worte – um die Vielfalt in der Branche, um den „bunten Blumenstrauß“.

Ein Geschäftsführer eines Top-5-Unternehmens sagt es so: „Wir werden bald wieder Überkapazitäten haben und Preiskampf. Wir haben die Kostensteigerungen noch nicht voll weitergegeben, die Vorlieferanten geben nicht nach, weil sie ihrerseits Angst wegen der Gaspreise haben, wir erwarten extreme Lohnsteigerungen. Viele Hersteller haben, ebenso wie der Handel, in den letzten Jahren Sondertouren gefahren, Materialläger aufgebaut, Aufwand für Corona-Maßnahmen betrieben. 2022 wird bei uns allen ein riesiges Loch in die Erträge reißen. Bei vielen Kleineren ist die Marge ohnehin auf Kante genäht. Das macht schon Sorgen für die Zukunft.“ Ein anderer: „Was viele Unternehmen, nicht nur kleinere Küchenhersteller, auch Wohn- und Polstermöbelhersteller im kommenden Jahr erwartet, das macht mich sehr traurig.“

Auf die INSIDE Küchen-Hitliste für 2022 wird man mit Spannung blicken, gerade weil sich auch die unterschiedlichen Vorgehensweisen bei Preiserhöhungen und Teuerungszuschlägen in den Umsätzen niederschlagen werden. 2021 allerdings sind hauptsächlich die Großen größer geworden. Und Häcker ist an Nolte/Express vorbeigezogen.

___STEADY_PAYWALL___

UMSÄTZE DER DEUTSCHEN KÜCHENHERSTELLER 2020

Die Zusammenstellung der zehn umsatzstärksten deutschen Küchenbauer, unsere mittlerweile siebte INSIDE Küchen-Hitliste, ist inzwischen zur Tradition geworden. Um Vergleichbarkeit herzustellen, werden nur die Umsätze nach Erlösschmälerungen berücksichtigt.

UMSÄTZE DER DEUTSCHEN KÜCHENHERSTELLER 2019

Auch 2019 sind in der deutschen Küchenmöbelindustrie die Großen nochmal größer geworden. Aber nicht im selben Tempo wie in den von den Ausläufern der Alno-Pleite geprägten Vorjahren.

UMSÄTZE DER DEUTSCHEN KÜCHENHERSTELLER 2018

Speziell die großen Küchenmöbler wurden im letzten Jahr nochmal größer. Doch nicht nur die. Die mittlerweile fünfte INSIDE Küchen-Hitliste zeigt: Der Markt der Küchenbauer bleibt in Bewegung.

Die INSIDE-Hitliste

  • 1. Nobilia: Dauerprimus

    In den Himmel: Exportwachstum in Verl

    Mit 8,2 Prozent Plus brachte es Nobilia 2021, in dem Jahr, in dem die neuen Werke in Saarlouis und Am Hüttenbrink in Betrieb genommen wurden, auf einen neuen Umsatzrekord von 1,482 (Vorjahr laut Bundesanzeiger: 1,370) Mrd Euro. Das entsprach einer Steigerung um 8,2 Prozent. Während der Inlandsumsatz aufgrund der Lockdowns im Handel um 2 Prozent auf 695,5 Mio Euro sank, explodierte der Auslandsumsatz nahezu um 19,4 Prozent auf 787 Mio Euro. Der Exportanteil erreichte 53,1 Prozent. 830.000 Küchenkommissionen oder 8,3 Mio Schränke und 1,75 Mio Arbeitsplatten hat Nobilia in Summe produziert und 2,8 Prozent mehr E-Geräte verkauft als im Vorjahr. Hinter diesen Zahlen verbirgt sich reiner Industrieumsatz. Unter Berücksichtigung von Nobili-as Handelsaktivitäten im Ausland (konsolidiert und quoten-bereinigt) stieg der Gruppenumsatz sogar um 11,2 Prozent auf 1,715 Mrd Euro. Von den Franchiseorganisationen im Ausland fließen übrigens nur die Franchisegebühren in die Berechnung ein. Seit wenigen Jahren beziehen wir in die INSIDE Küchen-Hitliste auch die Umsätze der Nobilia-Beteiligung Pino in Coswig mit ein, die in der Tabelle noch auf die 1,482 Mrd Euro draufgerechnet werden – nach Erlösschmälerungen trägt Pino geschätzt 60 Mio Euro bei. Macht in Summe 1,542 Mrd Euro.

  • 2. Schüller/Impuls/Puris: Vorzeige-Zahlen

    Erweiterung: Gewaltige Investitionen in Herrieden

    Auch die Schüller-Zahlen für 2021 konnten sich wieder sehen lassen. Ebenso wie die neue Fertigung, die im Sommer mit Stolz der Fachpresse präsentiert werden konnte. Mit 671,5 (Vorjahr: 600,6) Mio Euro Nettoumsatz (vor Erlösschmälerungen) verbuchte Herrieden ein Plus von 11,8 Prozent. Der Export legte um 31,8 Prozent auf 197 Mio Euro zu, das Inlandsgeschäft um 5,1 Prozent auf 474,5 Mio Euro. Nach Erlösschmälerungen ergab sich im letzten Jahr nach INSIDE-Schätzung ein Gesamtumsatz von knapp 570 Mio Euro. Die Umsätze der ebenfalls mehrheitlich von den Schüller-Inhaberfamilien Schüller, Heller und Niederauer gehaltenen Unternehmen Impuls Küchen und Puris Bad schätzen wir nach Erlösschmälerungen auf zusammen 170 Mio Euro. Zusammen kämen die drei Firmen dann auf satte 740 Mio Euro.

  • 3. Häcker: Überholt

    Aufwärts in Rödinghausen: Stefan Möller, Markus Sander, Dirk Krupka

    Häcker Küchen hat seinen Umsatz (der in Rödinghausen immer vor Erlösschmälerungen genannt wird) 2021 mit gut 2.000 Mitarbeitern um 12,5 Prozent auf 727 Mio Euro erhöht, im Inland um 11 Prozent auf 446 Mio Euro, im Export um 16 Prozent auf 281 Mio Euro. Nach Erlösschmälerungen kam Häcker 2021 laut INSIDE-Schätzung auf 581 Mio Euro und ist damit an der Nolte-Gruppe vorbeigezogen. Den 2020er Wert korrigieren wir nach der Veröffentlichung im Bundesanzeiger marginal nach unten. 516,3 Mio Euro nach Erlösschmälerungen waren es. Wir hatten vor einem Jahr 520 Mio Euro geschätzt. Eines der größten Projekte in Rödinghausen war im vergangenen Jahr die Einführung der Rasterküche Concept130, die zum Ende dieses Jahres Classic ablösen wird. Classic hatte in der Vergangenheit etwa 60 Prozent Umsatzanteil, die Premiumschiene Systemat 40 Prozent.

  • 4. Nolte/Express: Lockdown kompensiert

    2021 runderneuert: Nolte Forum in Löhne

    Trotz der monatelangen Schließungen im Handel, die wegen eines vergleichsweise hohen Umsatzanteils in der Großfläche und im Discount (Express Küchen) stärker reinhauten als bei den anderen großen Herstellern, konnten die Küchenunternehmen der Nolte-Gruppe 2021 mit einem leichten Plus abschließen. Der Umsatz von Nolte Küchen und Express Küchen erreichte zusammen 562 (545) Mio Euro nach Erlösschmälerungen. Beide Firmen legten etwa im gleichen Maß zu. 2022 wird, dazu muss man kein Prophet sein, da die Lieferzeiten schon fast bis zum Jahresende reichen, voraussichtlich mit einem zweistelligen Plus zu Ende gehen. Dazu tragen natürlich der schwache Vorjahreswert im ersten Halbjahr und der unterjährige Teuerungszuschlag bei.

  • 5. Baumann Group: Im Gleichschritt

    Gut unterwegs an zwei Standorten: Michael Assner, Sabine Brockschnieder, Matthias Berens

    Trotz der monatelangen Schließungen im Handel, die wegen eines vergleichsweise hohen Umsatzanteils in der Großfläche und im Discount (Express Küchen) stärker reinhauten als bei den anderen großen Herstellern, konnten die Küchenunternehmen der Nolte-Gruppe 2021 mit einem leichten Plus abschließen. Der Umsatz von Nolte Küchen und Express Küchen erreichte zusammen 562 (545) Mio Euro nach Erlösschmälerungen. Beide Firmen legten etwa im gleichen Maß zu. 2022 wird, dazu muss man kein Prophet sein, da die Lieferzeiten schon fast bis zum Jahresende reichen, voraussichtlich mit einem zweistelligen Plus zu Ende gehen. Dazu tragen natürlich der schwache Vorjahreswert im ersten Halbjahr und der unterjährige Teuerungszuschlag bei.

  • 6. Leicht: Aufgeholt

    Voll im Saft: Stefan Waldenmaier

    Nach einer klitzekleinen Umsatzdelle im ersten Corona-Jahr hat Leicht Küchen 2021 nicht nur deutlich aufgeholt, sondern das Vor-Corona-Niveau

    noch deutlich übertroffen. „Wir konnten uns im Inland wie auch im Ausland, annähernd parallel, gut entwickeln und ein Wachstum von 10 Prozent auf einen Wert von etwa 160 Mio Euro verzeichnen“, so Leicht-Chef Stefan Waldenmaier. Gut 60 Prozent des Umsatzes macht Leicht nach wie vor im Ausland, wobei der europäische Markt dominiert.

    Mit dem neuen Werk 2 in Gügling hätte der Umsatz sogar noch stärker gesteigert werden können. Hätte – wenn nicht aufgrund knapper Vormaterialien im zweiten Halbjahr 2021 die Kapazitäten an die Warenverfügbarkeit hätten angepasst werden müssen.

  • 7. Ballerina: Mit Nachkommastellen

    Noch im Bau: Neues Ballerina-Ausstellungszentrum

    Mit rund 115 Mio Euro hat Ballerina seinen Umsatz 2021 um etwa 10 Prozent gesteigert. Für 2021 wurden auch erstmals im Bundesanzeiger Umsatzerlöse in der GuV veröffentlicht: 108,2 Mio Euro waren das nach 97,8 Mio Euro im Vorjahr. Der Jahresüberschuss wurde in Rödinghausen mit 5,7 (5,5) Mio Euro angegeben, die Exportquote mit 42 Prozent. Nach Investitionen von 5,9 Mio Euro im vergangenen Jahr sind für 2022, 2023 und 2024 insgesamt 10 Mio Euro im Plan.

  • 8. Bulthaup: Spürbar erholt

    Weiteres Plus: Marc Eckert

    Im Vorjahr noch zu Unrecht auf dem achten Platz gelandet, wie der nun veröffentlichte Ballerina-Abschluss jetzt verrät, hat die Edelküchenschmiede Bulthaup aus Aich diesmal wirklich diese Position gebucht. Ganz knapp, muss man hinzufügen. 2021 erhöhte sich der fakturierte Umsatz wieder um 8 Prozent auf 112,6 (104,3) Mio Euro. Nach Abzug von Erlösschmälerungen meldet Bulthaup 106,4 (99,5) Mio Euro und ein Ergebnis vor Steuern von 12,2 Mio Euro. Erholt haben sich vor allem die europäischen Kernmärkte, was zu einem deutlichen Plus führte. In Asien und den USA blieb das Retail-Geschäft etwa stabil, während das Objektgeschäft wieder anzog. 2022 rechnet das Unternehmen mit einem weiteren Plus in Europa und in den USA. Auch die Projektumsätze legen weiter zu, insbesondere in Südkorea.

  • 9. Rotpunkt: In allen Märkten

    10 Prozent Plus: Heinz-Jürgen Meyer, Andreas Wagner, Sven Herden

    Auch der Küchenbauer Rotpunkt aus Bünde nähert sich allmählich dem dreistelligen Millionenumsatz. Um 19 Prozent auf 87 Mio Euro ist das 320 Mitarbeiter starke Unternehmen nach eigenen Angaben 2021 gewachsen – und zwar so ziemlich überall. Neben Deutschland, Belgien, Holland und Großbritannien zählen die skandinavischen Länder und Frankreich aktuell zu den Kernmärkten von Rotpunkt Küchen. Nach Erlösschmälerungen haben wir um die 84 Mio Euro errechnet.

  • 10. Pronorm: 400.000 Schränke im Plan

    In der neuen Halle: Roger Klinkenberg, Thorsten Gösling

    Pronorm wird seine Kapazitäten in Vlotho durch die jüngsten Investitionen am Standort mittelfristig auf 400.000 Schränke bzw. 40.000 Küchen pro Jahr ausbauen. 2021 waren es 340.000 produzierte Typen und ungeschmälert fast 100 Mio Euro Umsatz – noch ohne Preiserhöhungen, die folgten ja erst zum Jahreswechsel. Konkret verbesserte der Küchenbauer seinen Umsatz 2021 um 14 Prozent und kam auf 98,7 Mio Euro vor Nachlaufkonditionen. Nach Erlösschmälerungen ergeben sich nach INSIDE-Schätzung 75 Mio Euro fürs letzte Jahr. 2022 soll ein weiterer großer Schlag draufkommen.

  • Schlagzeile: Fokus auf Küche

Endlich ist in Wiesloch wieder etwas Normalität eingekehrt. Premiumhändler Weckesser darf seit einigen Tagen wieder ohne Test öffnen, die Frequenz kommt teilweise schon wieder an alte Zeiten heran.

Die Zeit des Lockdowns, speziell das erste Quartal, hat man in Wiesloch genutzt, um den Küchenbereich auf 650 qm komplett neu zu gestalten. An Ballerina als Hauptlieferanten hält man fest. Im obersten Bereich wird nun auf Poliform statt Siematic gesetzt. Fünf der acht Ausstellungsküchen sind von Ballerina, drei von Poliform. Zusätzlich sind ein Ballerina-Hauswirtschaftsraum eine Poliform-Tee-Küche und Poliform-Wohnwelten platziert. Als Geräte- und zubehörlieferanten sind Miele, Gaggenau, Neff, Berbel, Lechner, Franke und Quooker an Bord.

Mit dem Umbau und der passenden neuen Webseite www.weckesser-kuechen.de will der Garant-Vorzeigehändler seine Küchenkompetenz, die er schon seit jeher hat, stärker herausstellen. Über Seniorchef Peter Weckesser sagen Mitarbeiter, er sei im Küchenschrank groß geworden. Weckesser selbst formuliert es ähnlich: „Mein ganzes Leben ist untrennbar mit der Einbauküche verbunden – als kleiner Junge bin ich zwischen ihnen aufgewachsen, später habe ich meine Leidenschaft dafür entdeckt, sie zu planen und damit individuelle Wünsche wahr werden zu lassen. Jetzt bin ich sehr glücklich, dass wir mit unserem neuen Küchenstudio unsere Kompetenz in diesem Bereich noch einmal auf eine ganz neue Weise präsentieren können.“ Und Geschäftsführer Kai Weckesser betont, dass beim Namen „Weckesser Wohnen“ erst einmal automatisch „nur“ an Design-Möbel gedacht werde, weniger an Küchen. Das soll sich ändern.