Electrolux: Ökotasten-Pionier
AEG/Electrolux
Ökotasten-Pionier
Zu einer Art Jahresgespräch, man könnte auch Update zur Lage oder Bestandsaufnahme sagen, waren wir im Sommer in der Deutschland-Zentrale von Electrolux in Nürnberg mit Deutschland-Geschäftsführer Michael Geisler und Küchen-/Möbelhandelsvertriebschef Ralf Birk verabredet. Entwickelt hat sich das Ganze schnell in Richtung eines gesellschaftspolitischen Gesprächs.
Zunehmend populär werdende Themen wie Nachhaltigkeit, Diversität oder Equal Pay/Equal Treatment stehen bei dem Hausgerätebauer seit Langem weit oben auf der Agenda. Die Diskussion darüber ist gewollt und wird auch bewusst gefördert. „Firmen-DNA“ nennt Michael Geisler das. Dass solche Themen schon gezielt angegangen wurden, weit bevor sie auch in Deutschland salonfähig wurden, liegt auch am schwedischen Mutterkonzern. Skandinavien, das ist bekannt, hat hier oftmals die Nase vorn. Ralf Birk, der vor seinem Wechsel nach Nürnberg viele Jahre im Whirlpool-Konzern verbracht hat, formuliert es so: „Der skandinavische Vorteil ist uns nicht zu nehmen.“ Geisler ist inzwischen das zehnte Jahr bei Electrolux und sagt heute: „Ich kann mir gar nichts anderes mehr vorstellen.“
Als erster Hausgerätehersteller hatte sich Electrolux 2019 beispielsweise dem 1,5-Grad-Ziel verpflichtet, andere sind inzwischen gefolgt. „Bei Electrolux leben wir Nachhaltigkeit seit 40 Jahren. Unser Anspruch ist es, die Hausgeräte mit dem niedrigsten ökologischen Fußabdruck zu vermarkten“, sagt Geisler. „Bei uns gab es schon die Ökotaste auf dem Staubsauger, als sie noch keiner wollte.“ Da 85 Prozent des Fußabdrucks eines Hausgeräts bei der Nutzung entstehen und nur 15 Prozent bei der Herstellung, liegt der Fokus logischerweise auf der Energieeffizienz. Dass Hausgeräte so energieeffizient wie möglich sein sollen, das versteht sich heutzutage eigentlich von selbst. Weitere Punkte sind aber Haltbarkeit und Reparaturfähigkeit. Für die Marke AEG lohne sich bei jedem Gerät eine Reparatur, sagt Ralf Birk. Die gibt es nach Ablauf der Garantie zum Festpreis von 249 Euro. Zu den Zielen des Konzerns zählt auch „Cradle to Cradle“, sprich: Vollrecyclingfähigkeit. Die erste Range, die zu 80 Prozent recycelt werden kann, wurde auf der Eurocucina erstmals gezeigt. Geisler: „Wir stellen immer wieder den Status quo in Frage. Nach der Devise ‚Stretch the limit‘.“
Zuletzt stand – auch in der Kommunikation der Schweden – der Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung im Vordergrund, wodurch auch CO2-Emissionen gebremst würden. Lange Haltbarkeit durch besondere Zubereitung und richtige Lagerung sind die Rezepte, mit denen Electrolux als Hausgeräteproduzent Einfluss nehmen kann. Gleichzeitig wird – mehr en passant – eine fleischarme Ernährungsweise gepusht, indem gezeigt wird: Man kann gut essen, auch ohne Fleisch. Das wird auch in den Visuals der 2021 gestarteten AEG-Markenkampagne „Für alle, die mehr erwarten“ aufgegriffen: ein opulentes Mahl ohne Fleisch. „Wir gehen gesellschaftliche Themen an, die nicht zwangsweise zum Geschäft gehören“, sagt Geisler.
Wachstum um jeden Preis ist nicht das Ziel in Nürnberg. Und natürlich stellt man sich nach zwei Boom-Jahren, die in Sachen Lieferfähigkeit so manchen in der Branche an seine Grenzen brachten, ebenso wie der Gesamtmarkt auf ruhigere Zeiten ein. In der Veröffentlichung des schwedischen Mutterkonzerns war die Abschwächung im zweiten Quartal bereits sichtbar. Trotz Preisanpassungen ging der Umsatz auf den europäischen Märkten um 3,2 Prozent zurück. Organisch wurde ein Rückgang um 7,7 Prozent gegenüber einem hohen Vorjahreswert verbucht. Für den Umsatz im deutschen Küchen- und Möbelhandel rechnet Ralf Birk im zweiten Halbjahr mit einer Abschwächung: „Seit April ist die Frequenz in der Großfläche extrem gesunken, das untere Preissegment leidet auch bei Küchen. Wir können mit drei bis vier Monaten Verzögerung kalkulieren. Das werden wir sicherlich auch merken. In den ersten sieben Monaten des Jahres waren Umsatz und Absatz mit dem Küchen- und Möbelhandel aber gut.“
Post von INSIDE Küche
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